Kneipenbetreiber ziehen die Notbremse: Klagen, Diebstahl und offene Deckel

Aus für Kaktus

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Die Twistringer Kneipe Kaktus wird zum Jahresende ihre Türen schließen.

Twistringen - Von Theo Wilke. Kaum zwei Jahre nach der Neueröffnung wird die Szenekneipe Kaktus an der Twistringer Bahnhofstraße spätestens Ende Dezember ihre Türen schließen. Maik Theißen, Heiko Huntemann und Markus Benesch ziehen die Notbremse. Hauptgrund sei „die Klagewelle der Nachbarschaft“, sagt Benesch am Mittwochnachmittag auf unsere Nachfrage. Im Internet sorgt die Ankündigung für reichlich Kommentare.

Das Betreibertrio hatte das rustikale Lokal 2013 übernommen. Schweren Herzens habe man sich dazu entschlossen, den Kaktus aufzugeben, posten Benesch und Theißen auf Facebook – ebenso wie Huntemann früher Stammgäste an der Bahnhofstraße.

Von Anfang an sei aus der Nachbarschaft gegen die Kneipe angegangen worden. „Bei jeder größeren Veranstaltung im Kaktus bekamen wir vom Anwalt eine Klageschrift.“ Der Vorwurf: Es sei zu laut, und es werde ein Lärmgutachten gefordert, erklärt Markus Benesch.

„Aber das können wir nicht bezahlen.“ Sie hätten sich erkundigt. Ein Gutachten koste ab 1500 Euro aufwärts. Nicht genug: Das Kaktus-Team kann ebenso wenig Behördenauflagen finanziell stemmen, hat nach eigener Aussage zudem das Finanzamt im Nacken.

Aufgrund von Investitionen und hohen Aufwändungen für das Lokal seien die vergangenen Monate nicht kostendeckend gelaufen. „Das bekommen wir hoffentlich in den Griff, so dass wir wenigstens bis Ende Dezember noch ein paar tolle Wochenenden mit hoffentlich tollen Aktionen rocken können“, meint Markus Benesch. Er ist sich sicher, dass sie am Jahresende mit „plus-minus null“ aus der Geschichte rauskommen.

Ein weiterer Grund für die Schließung: In diesem Jahr, so Benesch, habe es nicht nur einen unaufgeklärten Einbruch gegeben, offenkundig mit einem nachgemachten Kneipenschlüssel. Außerdem seien mehrfach Wechselgeldrollen aus der Kneipe und aus dem Hinterhof vier- oder fünfmal zahlreiche Leergutkisten verschwunden.

„Und wir haben übrigens noch 'ne Menge offene Deckel, die teilweise auch schon älter sind. Einige stammen noch aus der WM-Zeit 2014“, so Benesch. Im Klartext: viele Gäste haben ihre Zeche nicht bezahlt. Unterm Strich geht es laut Kneipier um mindestens 800 Euro.

„Wir sind nervlich am Ende, wir sind platt und haben eingesehen, dass wir einen aussichtslosen Kampf kämpfen“, unterstreicht Benesch auch für seine Kollegen die Beweggründe.

„Super traurig und schade für Twistringen, die letzte gute Kneipe zu verlieren“, kommentiert eine Facebook-Nutzerin. „Ich hoffe, dass sich dennoch jemand finden wird, der die Geschichte des Kaktus weiterleben lässt.“

Für den Twistringer Marc Küpker ist es nicht das erste Kneipen-Aus. In der Vergangenheit hätten das der Seitensprung, das Sir George und das Forum schon erlebt – Clubs beziehungsweise Kneipen, die vorwiegend von jungen Leuten besucht wurden. „Wäre es im Sinne des demographischen Wandel nicht ratsam, solche Clubs zu erhalten?“, fragt sich der 35-jährige Lehrer. Aber Twistringen habe ein Talent, seine Jugend zu vergraulen. Das habe schon die Abwanderung des Reload-Festivals nach Sulingen gezeigt.

Facebook-User Steffen Brunkhorst meint, es habe genug Leute gegeben, die „um die schwierige Lage wussten und dennoch nicht in der Lage waren, sich draußen zu benehmen. Sehr schade. Hat immer viel Spaß gemacht bei euch“.

Ein weiterer Kommentar: „Es ist leider so, wenn Alkohol im Spiel ist, vergessen viele die gute Kinderstube... Und Betrunkene zu belehren, ist mühsam und ganz selten von Erfolg gekrönt.“ Bennet Rasche stellt fest: „Das haben die Querulanten ja gut hinbekommen.“

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