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Kitas in Twistringen: Viel Bedarf, wenig Personal

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Von: Katharina Schmidt

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Ein Kuscheltier in einer Box
Den Kitas fehlt Personal. © Friso Gentsch/dpa

Es herrscht weiterhin Fachkräftemangel in Twistringer Kitas. Zudem gibt es zu wenig Plätze. Eine zusätzliche Gruppe könnte in Marhorst entstehen. Werden bald 80 000 Euro pro Jahr für die duale Ausbildung gezahlt?

Twistringen – Der Fachkräftemangel in den Kitas wurde durch die Coronakrise noch offensichtlicher. Ausfälle konnten kaum oder nicht aufgefangen werden. Einrichtungen mussten vorübergehend in den Notbetrieb wechseln oder schließen. Unterdessen steigt der Bedarf an Kindergarten- und Krippenplätzen.

Es ist eine verzwickte Situation, mit der sich der Twistringer Sozialausschuss am Dienstagabend in der Grundschule Am Markt befasst hat. Klar ist: Die Stadt kann sich nicht auf dem Puffer ausruhen, den ihr der Kita-Neubau im Baugebiet an der Werner-von-Siemens-Straße für den Moment verschafft. Das Gebäude ist noch nicht einmal komplett fertig, und schon sind fast alle Plätze verplant.

„Viele Kinder werden mit Beginn des zweiten Lebensjahres in Betreuungseinrichtungen gegeben, weil die Eltern dann wieder anfangen zu arbeiten“, erklärte Anke Raven, die bei der Stadt Twistringen den Fachbereich Familie und Soziales leitet. Früher seien viele Kinder erst später in die Kita oder zu einer Tagesmutter gekommen. Als weiteren Grund für den wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen nannte sie die Ausweisung neuer Wohngebiete.

Kein Raum mehr im Stadtgebiet

Weitere Krippen- und Kitaplätze müssen also her. Nur wo? „Hier im Stadtgebiet ist räumlich eigentlich alles ausgenutzt“, sagte Raven. Der Blick der Verwaltung richtet sich derzeit auf die Kita St. Marien in Marhorst. Im Gegensatz zu den anderen Kitas endet die Betreuung dort schon in der Mittagszeit, sodass vielleicht noch eine zusätzliche Gruppe entstehen könnte.

Neue Gruppen nützen nichts, wenn niemand da ist, der sich um die Kinder kümmert. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, will die Stadt es für Sozialassistentinnen und -assistenten attraktiver machen, sich zur Erzieherin beziehungsweise zum Erzieher fortzubilden, sodass sie auch Gruppen leiten dürfen. Und zwar mit einer dualen Ausbildung. 

Im Gegensatz zu der klassischen – überwiegend schulischen und unbezahlten – Ausbildung zum Erzieher sind die Sozialassistenten bei der dualen Variante über einen Zeitraum von drei Jahren an drei Tagen pro Woche in der Kita und an zwei Tagen in der Schule. Während der Ausbildung erhalten sie weiterhin ihr Sozialassistenten-Gehalt.

Stadt könnte Gehalt für Azubis zahlen

Der Sozialausschuss hat sich einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung angeschlossen, finanzielle Mittel für die duale Ausbildung zum Erzieher zur Verfügung zu stellen. Alle drei Jahre sollen zwei geeignete Bewerber die Möglichkeit bekommen, sich weiterzuqualifizieren. Kostenpunkt: 40 000 Euro pro Jahr und Ausbildungsplatz. Darin einberechnet ist nicht nur das Gehalt für die Auszubildenden, sondern auch die Kosten für je eine zusätzliche Sozialassistenz als Vertretung. Die Auszubildenden sind zwar weiterhin an drei Tagen in der Woche in der Kita, gelten dann aber als ergänzende Kraft. Im kommenden Kindergartenjahr soll‘s losgehen.

Die Stadt hofft auf Fördergelder, ob sie die wirklich bekommt, steht aber noch nicht fest. So oder so: Sie nimmt einen Batzen Geld in die Hand. Trotzdem können die fertigen Erzieher nach der Ausbildung problemlos in eine andere Kommune wechseln. Andernorts sei versucht worden, sie vertraglich zu binden, erklärte Verwaltungsmitarbeiter Phlilipp Dalhoff. „Das ist aber von den meisten Gerichten gekippt worden.“ Die Erfahrung zeige jedoch: Der Großteil bleibe freiwillig.

Im Zuge der Einwohnerfragestunde kam die Frage auf: Wieso 80000 pro Jahr investieren, um Sozialassistenten, die ja eh schon in Kitas arbeiten, zu Erziehern weiterzubilden? Wieso nicht lieber mit dem Geld Schulabgängern von Anfang an eine Ausbildungsvergütung zahlen, sodass mehr junge Leute diese berufliche Laufbahn einschlagen?

Die Antwort: Dazu fehlen in Niedersachsen die rechtlichen Rahmenbedingungen. „Es wird hier seit Jahren gefordert, dass die Ausbildung vergütet wird“, sagte Kita-Vertreterin Dagmar Beuke-Pölking – bislang vergebens.

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