Seit zweieinhalb Jahren Dekanatsjugendreferent

Martin Holtermann: „Kirche leicht angestaubt und uncool“

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Freut sich schon auf den Umzug ins neue Twistringer Pfarrzentrum: Dekanatsjugendreferent Martin Holtermann.

Twistringen - Von Theo Wilke. Für viele junge katholische Gläubige wirke Kirche „leicht angestaubt und uncool“, hört Martin Holtermann häufiger. Seit zweieinhalb Jahren Dekanatsjugendreferent, wünscht sich der 29-Jährige, dass nicht nur junge Menschen, sondern auch Ältere in der Kirche den Mut haben, Neues auszuprobieren.

Denn es gebe keinen Entwicklungsprozess zurück, sondern angesichts schwindender Mitgliederzahlen nur ein „Nach-Vorne-Denken“. Der aus Kleve stammende und in Syke (mitten im Dekanatsbereich) wohnende Holtermann freut sich auf den Sommer: Dann wird das neue Pfarrzentrum an der Twistringer St.-Anna-Kirche offiziell eingeweiht. Bischof Franz-Josef Bode kommt am 27. August zur Segensfeier. 

Davor wird Martin Holtermann ebenfalls umgezogen sein – seit September 2014 im Amt, hat er sein Büro noch im sanierten Küsterhaus: „Dahin verirrt sich keiner“, hat er festgestellt. Sein neues Büro wird im ersten Stock des früheren Pfarrhauses sein.

Vorfreude auf die Geburtstagsparty

„Ich freue mich darauf, weil ich im katholischen Jugendbüro dann im Zentrum des Geschehens bin“, erzählt er begeistert. Und kündigt schon an, dass Ende August auch das 40-jährige Bestehen des katholischen Jugendbüros in Twistringen ansteht. Die Vorbereitungen laufen für einen Jugendgottesdienst mit kleiner Feier auch für alle Ehemaligen.

Der Dekanatsjugendreferent hofft im neuen Pfarrzentrum auf viele spontane Begegnungen auf dem Flur und das eine oder andere neugierige Gemeindemitglied, erlebt zum Beispiel die Merlin-Fete, die Kindergruppentreffen, bekommt mit, wenn Jugendliche einfach im Jugendraum chillen.

In zweieinhalb Jahren hat Holtermann „viel Wertschätzung erfahren“ und fühlt sich gut aufgenommen im Dekanat mit insgesamt rund 25 000 Katholiken. Von den 14- bis 30-Jährigen sind gut ein Drittel aus Twistringen und mit Abstand die größte Gruppe. Mit wenigen Erwartungen, ohne die Diaspora überhaupt zu kennen, sei er gekommen – und überrascht gewesen, dass „hier doch soviel läuft“. Es mache total viel Spaß. „Ich bin immer noch beim Kennenlernen“, sagt Martin Holtermann.

Schlagzeug, Klavier und Chorgesang

Als ein Highlight ist ihm die Teilnahme am Weltjugendtag 2016 in Krakau (Polen) mit vielen Begegnungen in bester Erinnerung. 2018 wird der nächste Katholikentag in Münster sein. Holtermann: „Wir planen, nach unseren guten Erfahrungen in Polen, auch in Münster bei Gastfamilien unterzukommen.“ 2019 ist nach 2013 eine weitere 72-Stunden-Aktion mit Dekanats-Jugendlichen geplant. Vor vier Jahren gab es einen Arbeitseinsatz im Lebenshilfe-Heim in Bassum. Aus Twistringen kommt die Idee, mal eine Ski-Freizeit anzubieten. „Wir überlegen, ob wir das im kommenden Winter hinkriegen“, sagt Holtermann.

Der 29-Jährige hat sich für seine Arbeit im Dekanat keine Frist gesetzt. Einen Schwerpunkt legt er auch in Zukunft auf auf die Bildungsarbeit. Da möchte er weiter aktiv sein. Im neuen Pfarrzentrum sieht er für die Kirchengemeinde eine Chance, sich zukunftsfähig aufzustellen. Gespannt verfolgt er den weiteren Prozess in der Gestaltung der Kirchenarbeit.

Jugendliche ansprechen und einbinden

Jugendliche beteiligen sich eher verhalten am kirchlichen Leben, weiß Holtermann. Sie würden schon mal spezielle Gottesdienste besuchen, sich auch gerne an Freizeiten beteiligen. Mehr aber nicht. Gut findet er, wenn Kirche auch kritisch gesehen und diskutiert wird. Die wichtigste Frage sei wohl, wie man die Jugend in die Kirche bekomme.

Deshalb betont Holtermann: „Es muss sich was verändern.“ Und lobt die Pfarrei St. Anna, die vor Kurzem die Jugendlichen ernst genommen und ihnen die Chance gegeben habe, eigene Ideen auszuprobieren. Einfaches Beispiel, um Kirche zu verändern: eine schräge Sitzbank-Aufstellung in der Marhorster Kirche. Wenn man die Jugend ernst nehme, motiviere man sie auch, so Holtermann. Die Gemeindearbeit werde dadurch lebendiger.

Der 29-Jährige ist viel unterwegs im Dekanat, von Stolzenau bis Brinkum, trifft Kollegen, begleitet Schulungs- und Leitungsteams, kümmert sich um die Aus- und Weiterbildung von Gruppenleitern, um die Vernetzung von Jugendlichen und Projekte bis zur Bistumsebene. Außerdem engagiert sich Holtermann in zwei politischen Gremien: Kreisjugendring und Jugendhilfeausschuss.

Hobbymäßig aktiv im Jugendchor St.  Anna, spielt Holtermann Klavier bei Jugendgottesdiensten. „Musik macht viel aus, wie ein Gottesdienst wahrgenommen wird“, sagt der in der Feuerwehrkapelle Kleve ausgebildete Schlagzeuger. Er ist ein Fan des Samba-Karnevals in Bremen. „Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich in einem Orchester mitspielen“, meint der Jugendreferent. Ach ja, er ist an den Wochenenden viel unterwegs.

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