„Kiekbusch, ick seh di“

Twistringer Straßennamen erzählen Geschichte(n)

+
Alte Dorfstraße – eine der ältesten in Heiligenloh. Sie verläuft von der Straße An der Henckemühle zur Hauptstraße, die sie kreuzt, und dann westlich zum Weg In der Sohlriede.

Heiligenloh - Von Theo Wilke. Wer kennt heute noch Kiekbusch, ein altes Kinderspiel? Das gab es früher auch als Tanz mit Wechselgesang. Dabei stellt sich ein Junge hinter ein Mädchen, schaut über die Schulter und singt: „Kiekbusch, ick seh di.“ Das Mädchen schaut auch hin und singt: „Dat du mi süst, dat freut mi.“

Nachzulesen ist dies im Beitrag „Straßennamen der Außenorte der Stadt Twistringen nach Ortschaften gegliedert“ von Stadtarchivleiter Friedrich Kratzsch auf der Internetseite der Stadt.

In Heiligenloh heißt eine Straße „Am Kiekbusch“. Kratzsch: „Es mag sein, dass im Kiekbusch einst als verbuschtes, erhöhtes Gelände einen guten Blick auf Heiligenloh zuließ. Auch umgekehrt wäre die Bezeichnung (...) auf gute Sicht vom Dorf Richtung Kiekbusch sinnvoll.“

Die Straße Achter Harms’ Holt beginnt in Harms’ Holt, führt aus dem Laubwald nach Ridderade und Stophel. „Die Sippe Harms verfügte (...) über allerhand Ländereien. Eine Brennerei hatte es auf dem großen Meierhof spätestens 1782 gegeben. 1854 kaufte G. D. Harms das Anwesen von Oberförster J. P. Holtzermann“, so Kratzsch.

Am Pfarrgarten (früher Kirchstraße wie in Twistringen, 1975 vom Ortsrat umbenannt) befinden sich Kirche, Pfarrhaus-Grundstück und Dorfgemeinschaftshaus (einst Konfirmandenraum).

Die Bezeichnung An der Henckemühle ergibt sich aus der im 14. Jahrhundert erwähnten Wassermühle – bis etwa 1930 von der Heiligenloher Beeke angetrieben. 1976 übernahmen Jugendliche Gebäude und Gelände für einen Jugendtreff. Vor einigen Jahren wurde es still um den Verein. Inzwischen ist die Mühle wiederbelebt.

Die Straße Auf der Heide liegt im Norden, zweigt in Richtung Natenstedt westlich von der Hauptstraße (K 101) ab. Dort gab es früher eine große Heidefläche.

Enge Beziehungen zwischen den Dörfern

1903 auf dem Gebiet des Altkreises Syke gepflastert, ist die Bockstedter Straße gegenüber der Kirche eine wichtige Verbindung nach Bockstedt, ehemals Altkreis Diepholz. Zwischen den beiden Dörfern gibt es enge Beziehungen. Sie werden unter anderem von Heiligenloher Mitgliedern des Bockstedter Schützenvereins gepflegt.

Im Bereich der Gartenstraße (seit 1971) im Südosten lagen bei Kriegsende nur Acker- und Gartenland. Nach 1945 entwickelte sich ein Neubaugebiet. Kratzsch: „In Twistringen wurde die Bezeichnung Gartenstraße aufgegeben im Zuge des Neubaus der Westerstraße.“ Garten- und Oderstraße sowie Vor Harms’ Holt gehören zu einer Flur, die auf einer Karte von 1773 „des Meiers Feld zu Heiligenloh“ heißt.

Judenstraße war nie offizielle Bezeichnung

Auf das Dorf-Original Hermann Brüning geht die Hermannstraße zurück. Twistringens Stadtarchivar ist auf den Maler und Glaser Brüning gestoßen. Sein Wohnhaus war das erste vor dem Ersten Weltkrieg. Brüning „soll von Zeit zu Zeit Dorfkinder animiert haben, Scheiben einzuwerfen – zur Hebung seines Geschäfts“.

Die Judenstraße war nie eine offizielle Bezeichnung, sondern ein Weg. Der begann an der Beibauerstelle Nr. 23, die im 19. Jahrhundert von einer jüdischen Familie namens Goldschmidt bewohnt wurde. Der Weg soll bei der Volksbank zur Straße Am Hang und über einen noch vorhandenen Wiesenweg zur Beeke und bis zum jetzigen Grundstück Am Hang 7 geführt haben. Dort wurden vor vielen Jahren „Steine gefunden, die auf eine jüdische Begräbnisstätte hätten hindeuten können“.

Seit 1975 arbeitete die Post von Twistringen aus

An der Oderstraße entwickelte sich nach dem letzten Weltkrieg das zweite Neubaugebiet. Dort siedelten sich Vertriebene und Flüchtlinge an, überwiegend aus Schlesien. Geschichte(n) erzählt auch die Poststraße, lange Zeit im Hause Bollweg an der Hauptstraße  3. Danach wurde eine Poststelle bei Ipkendanz im Süden eingerichtet. Seit 1975 arbeitete die Post weitgehend von Twistringen aus. In Heiligenloh blieb nur eine Annahmestelle.

Auf die Flurbezeichnung „Vor Pastors Fang“ geht die Stichstraße Vor dem Fang zurück. Der Name könnte auf früheren Fischfang in der Beeke-Niederung hindeuten. Andererseits wird „Fang“ erklärt als „ein mit Erlaubnis der Markgenossen ausgewiesenes Stück Wiese, was eingefriedet werden mußte.“ In Otto Bachs Mühlengeschichte steht: „Der Pfarrer beklagte sich wiederholt darüber, dass der zu hoch aufgestaute Mühlenbach die Wiesen in seinem Wald, Pastors Fang genannt, unbrauchbar mache.“

Weitere Informationen dazu gibt es auf der Internetseite des Stadtarchivs.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Kindergartenfest Bücken

Kindergartenfest Bücken

Diese überwältigenden kroatischen Inseln sollten Sie gesehen haben

Diese überwältigenden kroatischen Inseln sollten Sie gesehen haben

Zwölf beliebte Inseln Frankreichs - für perfekte Urlaubsentspannung

Zwölf beliebte Inseln Frankreichs - für perfekte Urlaubsentspannung

Lagunenstadt El-Guna am Roten Meer

Lagunenstadt El-Guna am Roten Meer

Meistgelesene Artikel

„Tag des Motorsports“ lockt mehr als 6 000 Besucher

„Tag des Motorsports“ lockt mehr als 6 000 Besucher

Reload-Team bereitet den Bands die passende Bühne

Reload-Team bereitet den Bands die passende Bühne

Drei tolle Tage in Sulingen

Drei tolle Tage in Sulingen

Abi Wallenstein: Wie eine Wundertüte

Abi Wallenstein: Wie eine Wundertüte

Kommentare