Erzieherinnen demonstrieren

„Kein Herz für Kitas?“

Erzieherinnen stehen mit Plakaten vor dem Twistringer Gymnasium
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Die Erzieherinnen demonstrieren vor dem Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Twistringen

Die letzten Meter auf dem Weg zu einer Ratssitzung sind meistens eine recht unspektakuläre Angelegenheit. Nicht so am Donnerstag in Twistringen.

Twistringen - Knapp 40 Erzieherinnen der Twistringer Kitas demonstrierten am Donnerstagabend vor dem Hildegard-von-Bingen-Gymnasium gegen das neue niedersächsische Kita-Gesetz. Auf ihren Plakaten prangten Aussagen wie „Kein Herz für Kitas?“ oder „Eine Katastrophe für unsere Kinder“.

Seit Jahren sehnen viele pädagogische Fachkräfte ein neues Kita-Gesetz herbei. Nun ist endlich eine Reform geplant – doch an dem Entwurf gibt es aus den Reihen der Erzieherinnen und Erzieher Kritik. Die geplanten Änderungen würden bei Weitem nicht ausreichen.

Es ist unter anderem vorgesehen, das Personal zunächst durch Auszubildende aufzustocken. Bei der Demo am Donnerstag sagten die Erzieherinnen, dass sie gerne neue Kräfte ausbilden. Das sei allerdings keine Entlastung, die Ausbildung verlange Zeit und Aufmerksamkeit. Die Twistringer Kitas fordern drei pädagogische Fachkräfte auf 20 Kinder. Derzeit sollen 25 Kinder pro Gruppe im Kita-Gesetz verankert bleiben.

Stichwort Inklusion: Die UN-Behindertenrechtskonvention sieht ein Recht auf Teilhabe von Anfang an vor. Dennoch seien dahingehend keine Verbesserungen im Kita-Gesetz geplant, bemängelten die Demonstrantinnen. Weitere Kritikpunkte neben zu großen Gruppen und fehlendem Platz waren nicht ausreichende Vor- und Nachbereitungszeit sowie zu wenig Leitungsstunden.

Eines der Plakate der Erzieherinnen.

Zeit und Ort der Demo waren nicht zufällig gewählt: An dem Abend traf sich der Twistringer Stadtrat im Gymnasium. Auf der Tagesordnung stand eine von der Grünen- und Linksfraktion vorlegte Resolution. Diese spiegelt im Wesentlichen wieder, was die Erzieherinnen vor dem Gymnasium bemängelten.

In der Resolution wird die Stadtverwaltung aufgefordert, sich im Zuge der Novellierung des niedersächsischen Kindertagesstättengesetzes mit Nachdruck für eine Verbesserung der frühkindlichen Bildung und der Personalausstattung an den Kitas einzusetzen.

Sylvia Holste-Hagen von den Grünen führte bei der Ratssitzung aus: „Man dachte ja nun nach dem Zeitungsbericht ,Kita-Gruppen bekommen dritte Fachkraft‘, dass die Kuh vom Eis ist. Aber wenn man dann liest, dass 2023 zunächst 2 000 Auszubildende kommen sollen ... Das wäre gerade mal eine Drittel-Stelle pro Kita. Und dann sollen in sechs Jahren qualifizierte Kräfte kommen mit 20 Stunden.“ 25 Prozent der Erzieherinnen würden in den ersten Jahren ihren Job verlassen und sich etwas anderes suchen. Das zeige, dass es ein strukturelles Problem gebe. Es sei wichtig, Kindergarten neu zu denken. Entscheidend seien dabei kleinere Gruppen und mehr Platz.

Bernhard Kunst (CDU) schilderte: Der aktuelle Twistringer Stadtrat und auch die vorherigen Stadträte hätten sich immer sehr für Kinder und Erziehung eingesetzt. Die Resolution stehe daher im Kontext der bisherigen Arbeit, und es spreche alles dafür, sie zu unterstützen. Bezüglich der Lösung mit den Auszubildenden müsse man sich vor Augen halten, dass es einen Fachkräftemangel gebe. „Eine der zielführenden Intentionen der CDU-Landtagsfraktion war es, auch dafür zu sorgen, dass die entsprechenden Fachkräfte ausgebildet werden.“

Horst Küpker (FWG) hob hervor, dass es auch im Bereich Sprachförderung noch einiges zu tun gebe.

Ansgar Wilkens von der FDP merkte an, dass es nicht zielführend sei, an die Verwaltung gerichtete Resolutionen zu Themen zu verfassen, über die gar nicht in Twistringen entschieden werde. Kern der Kommunalpolitik sei es, Dinge anzugehen, die man auch umsetzen könne. Der Inhalt dieser Resolution sei jedoch absolut richtig.

Ulrich Helms (FWG) schlug in die gleiche Kerbe. Nicht die Stadtverwaltung stimme über das Gesetz ab, sondern die Abgeordneten im Landesparlament. „Die Resolution wäre also besser, wenn es hieße, dass wir uns alle dafür einsetzen.“ Laut Jürgen Schulz (Grüne) bringe die Resolution die Forderungen noch mal auf den Punkt. „Dass die Stadt nicht zuständig ist oder da Gelder breit stellen kann, ist völlig klar.“ Der Rat stimmte bei drei Enthaltungen für die Resolution.

Von Katharina Schmidt

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