Katja Hünniger verarbeitet die familiäre Tragödie in ihrem Erstlingsroman „Gefühlskind“

Ihre Jugendliebe erhängt sich am Dachbalken

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Gehen offensiv mit dem brisanten Thema Suizid um: Katja und Arndt Hünniger, ihr jetziger Ehemann.

Twistringen - Von Theo Wilke. „Ich kann das so nicht mehr, ich will die Scheidung“, sagt die dreifache Mutter im April 2013, mittags in der Küche, zu ihrem Mann – nach 16 gemeinsamen Jahren und „unglaublich viel Gewalt“ in der Ehe. Nur Augenblicke später findet sie ihre Jugendliebe tot vor den Kinderzimmern. „Er lag nicht, er saß auch nicht, nein, er hing! Von dem einzigen freiliegenden Deckenbalken unseres alten Bauernhauses“, schreibt Katja Hünniger in ihrem jetzt erschienenen authentischen Roman „Gefühlskind“.

Hünniger schildert in ihrem Erstling schonungslos, was sie selbst erlebt hat. Was die Öffentlichkeit seinerzeit nur erfährt, ist der nüchterne Hinweis: Die Ortsfeuerwehr Twistringen rückt am 4. April 2013, kurz vor 14 Uhr, zum Mörsener Kirchweg aus. Ein ärztlich versorgter Mann muss in die Klinik, aber die Treppe ist für die Trage zu schmal. Mit Hilfe der Drehleiter wird er aus dem Dachfenster heraus geborgen.

Der Mann, um den es geht, ist Katja Hünnigers erster Ehemann, sie rettet ihm das Leben. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht vom versuchten Suizid. Gerüchte machen die Runde. Die Schuldige ist schnell gefunden: Für Hünniger beginnt ein Spießrutenlauf. „Ich war damals total schockiert, innerlich zerrissen.“ Keiner habe sich bei ihr erkundigt. Ihr Mann sei ja das Opfer gewesen.

Gut zwei Jahre sind seit dem vergangen. Die gebürtige Bremerin, inzwischen verheiratet mit Arndt Hünniger, arbeitet ihre traumatischen Erlebnisse auf. Die gelernte Krankenschwester schreibt drei Monate an ihrem Roman.

„Gefühlskind“ (Auflage: 350 Stück) ist seit einigen Tagen im Buchhandel erhältlich, auch bei Dauelsberg in Twistringen, und kostet 14,95 Euro.

Das 232-seitige Werk handelt von der jungen Mutter Kaja, die nach dem Suizidversuch ihres Mannes Tom im Kampf für ihre Kinder und um ihr Anders-sein Grenzen zwischen Leben und Tod, Liebe und Schmerz überschreitet und sich auf eine temporeiche Reise durchs Leben begibt.

Die Protagonistin: „Ich sehe meine leidenden Kinder, blicke in ihre schmerzverzerrten Gesichter, und ich weiß, dass sich das Kapitel unserer Familie geschlossen hat.“ Kaja durchlebt Phasen von Selbsthass, Schmerz, Leid, Trauer und Hoffnung. Dabei verhilft sie ihrem bisher introvertierten Noch-Ehemann auch finanziell zu einem besseren Leben. Er aber gibt ihr die Schuld für seinen Selbstmordversuch – aus seiner Sicht „eine Kurzschlusshandlung“.

Der zweite Band ist schon in Arbeit

Kaja kann ihren Söhnen kein geordnetes Familienleben bieten. Sie muss mit ansehen, dass die Kinder beim Vater und dessen neuer Ehefrau leben. Kajas Kampf um ein Umgangsrecht beginnt.

Die ersten Reaktionen auf ihr Buch „Gefühlskind“ seien erfreulich, erzählt die Autorin, die heute auch als Medium (Mittlerin für Körper, Geist und Seele) und im Hospizbereich arbeitet.

Sie möchte Menschen erreichen, die Ähnliches erlebt haben – und alle, die sich nicht trauen, ihr Leben zu ändern. Gleichsam eine Aufforderung, sich innigste Wünsche zu erfüllen und sich selbst treu bleiben. Auch für Fachbehörden sei es sicher eine wertvolle Lektüre – authentisch und aus dem Leben gegriffen, meint Hünniger.

Das Buch solle Mut machen, niemals aufzugeben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. „Es ist auch ein Wegbegleiter“, ergänzt der 38-jährige Arndt Hünniger. Den Finanzunternehmer und Coach liebt die 32-Jährige schon länger als zwei Jahre. Er ist in schwerer Zeit für sie zum Fels in der Brandung geworden, betont sie.

Der Buchtitel ist aus den Anfangsbuchstaben einer Begriffsreihe entstanden: Gewissen, Emotionen, Furcht, Übersinnlichkeit, Hoffnung, Liebe, Schmerz, Kinder, Ignoranz, Neuanfang, Drohung. „Es ist noch nicht zu Ende“, sagt Hünniger und kündigt eine Fortsetzung an. Der zweite Band ist in Arbeit. „Der wird hochemotional, da werden die Kinder stärker im Fokus stehen.“

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