Kaplan Marc Weber im Abschiedsinterview / Dankgottesdienst am Sonnabend

„Ich wäre gerne länger in Twistringen geblieben“

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Kaplan Marc Weber verlässt die Pfarrei St. Anna.

Twistringen - Von Maik Hanke. Nach zwei Jahren als Kaplan der Pfarrei St. Anna verlässt Marc Weber (37) Twistringen und wird Pastor in Bohmte, Hunteburg und Lemförde. Am Sonnabend wird er in einem Dankgottesdienst verabschiedet. Im Interview lässt er seine Zeit in Twistringen Revue passieren.

Herr Weber, mit welchen Gefühlen gehen Sie in den Dankgottesdienst?

Weber: Er heißt ja nicht umsonst Dankgottesdienst – es ist wirklich Dankbarkeit da für die zwei Jahre, die ich hier sein konnte. Ist zwar keine lange Zeit – normalerweise bleibt man drei bis vier Jahre –, aber die zwei Jahre waren prägend.

Inwiefern?

Weber: Einerseits, weil ich in der Zeit meine Promotion abgeschlossen habe und in der Zeit immer zwischen zwei Stühlen saß – der Gemeindearbeit und der Promotion. Prägend aber auch dadurch, dass ich gemerkt habe, dass die Gemeinde das mitgetragen hat. Dass sie in einigen Punkten auf mich verzichten musste, weil ich für Studienzeiten freigestellt werden musste. Prägend auch durch die Jugend. Die Arbeit mit den Jugendlichen war einfach eine schöne Zeit.

Vielen dürfte es so vorkommen, dass Sie ja gerade erst angekommen sind. Wie erklären Sie den Gemeindemitgliedern Ihren Abschied nach zwei Jahren?

Weber: Viele haben sich schon darauf eingestellt. Ich bin schon ziemlich lange Kaplan – elf Jahre. Normal sind acht Jahre. Ich war sechs Jahre freigestellt zum Promotionsstudium und danach hatte ich nochmal die Gelegenheit, eine Kaplan-Stelle zu kriegen. Aber es war klar, dass ich das nicht mehr so lange machen würde. Ich hatte gehofft, dass ich das noch ein Jahr länger machen könnte, aber der Bischof brauchte einfach einen Pastor in Bohmte.

Sie wären also gerne länger in Twistringen geblieben?

Weber: Genau, ich wäre gerne länger geblieben. Das habe ich dem Bischof auch gesagt, aber er hat gemeint, die anderen Interessen wiegen schwerer. Also, insofern hat er nicht auf mich gehört. Ich wäre gerne mindestens drei Jahre hier geblieben. Zumal ich gerne nach Fertigstellung der Arbeit noch ein Jahr gehabt hätte, in dem ich allein für die Gemeinde da sein kann.

Inwiefern haben Sie sich denn nach nur zwei Jahren in Twistringen heimisch gefühlt?

Weber: Ich habe mich hier sehr schnell heimisch gefühlt. Ich bin sofort auf sehr offene Menschen in Twistringen getroffen, auch wenn man Twistringern oft was anderes nachsagt. Ich bin wirklich sehr herzlich aufgenommen worden. Ich finde, Heimat hängt oft schon an sehr wenigen Personen.

Wie wird sich Ihre Arbeit in Bohmte unterscheiden von der Arbeit, die Sie bisher hier gemacht haben?

Weber: Es wird sehr viel mehr Verwaltung dabei sein. Ich bin dann verantwortlich für die Leitung von drei Pfarreien – Bohmte, Hunteburg und Lemförde. Wir haben ein Altenheim dabei und zwei Kindergärten. Ich habe Personalverantwortung. Ich hoffe, dass mir noch Zeit für Jugendarbeit bleibt.

In welchem Zustand befindet sich die Pfarrei St. Anna, die Sie nun verlassen?

Weber: Es ist viel im Umbruch, nicht nur baulich. Dadurch, dass kurz nach mir ein neuer Pfarrer gekommen ist, sortiert sich nochmal vieles anderes. Eingefahrene Strukturen lösen sich, neue bauen sich auf. Und das bettet sich ein in eine Gesamtsituation, die durchaus Herausforderungen hat. Die Kirchenbindung, selbst hier im katholischen Twistringen, hört auf, und die Frage ist: Wie geht es weiter? Da haben wir in verschiedenen Bereichen geguckt, wo man etwas verändern und die Leute einbinden kann. Dass man sie nicht einfach nur versorgt mit bestimmten Dingen, sondern, dass man sagt: Ihr seid selber verantwortlich für euren Glauben, ihr könnt das und wir unterstützen euch.

Und in was für einer Phase sind Sie persönlich gerade?

Weber: Für mich persönlich geht eine turbulente Zeit zu Ende, nämlich die Doktorarbeit abzuschließen. Wenn man jahrelang an einer Sache arbeitet und man denkt, man wird nicht fertig, ist das schon eine Herausforderung. Das ändert sich jetzt, und dadurch fängt etwas ganz Neues an. Ich hätte gedacht, dass ich diese Phase in Twistringen noch ausklingen lassen kann, aber gut. In Bohmte fängt jetzt etwas Neues an und ich freu‘ mich drauf.

Was möchten Sie in Zukunft anders machen?

Weber: Was ich versuchen möchte, ist, mir noch Freiräume für eigene Freizeit zu lassen. Das kam in den letzten zwei Jahren viel zu kurz. Im Jahr fünf Urlaubstage zu haben, ist zu wenig, würde ich sagen. Das schlägt sich auch in der Arbeit nieder. Wenn man mehr mit sich im Einklang ist, hilft das schon bei der seelsorglichen Arbeit.

Freizeit bedeutet für Sie Basketball. Haben Sie schon einen neuen Verein?

Weber: Nee, da konnte ich mich noch nicht drum kümmern. In Bohmte hab‘ ich schon geguckt, da gibt es leider keinen. In Osnabrück gibt es mehrere Vereine. Da muss ich mal schauen, wer zu mir passt und wo ich reinpasse.

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