Kaktus öffnet am 30. Dezember zum letzten Mal / 300 Gäste sagen zu

WM-Jubel trifft Käse-Tüte: Eine Ära geht zu Ende

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Die Ära der Kneipe Kaktus mit Maik Theißen, Heiko Huntemann und Markus Benesch endet am 30. Dezember.

Twistringen - Von Jan Schmidt. Erleichterung und Schwermut liegen nah beieinander, wenn am 30. Dezember der Twistringer Kaktus endgültig schließt. Die Betreiber der Kult-Kneipe, Maik Theißen, Heiko Huntemann und Markus Benesch, blicken dem Abend mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Noch einmal soll es eine große Sause geben.

Rund 300 Gäste haben sich angekündigt – deutlich zu viele für die kleine Kneipe. „Wir haben uns schon den Kopf zerbrochen, wie wir das Problem lösen können“, sagt Theißen. Kurzzeitig sei angedacht gewesen, eine Zeltplane im Außenbereich über den Biergarten zu spannen. Wegen der Lärmschutzbestimmungen habe man diese Idee aber schnell verworfen. Die zweite Möglichkeit: den oberen Bereich des Gebäudes zu öffnen. Doch auch davon rückten die Betreiber wieder ab. „Die Decke hätte so viele Personen vielleicht gar nicht getragen.“

So läuft alles auf das Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ hinaus. Wenn der Laden voll ist, werden Gäste wieder nach Hause geschickt, oder sie können es zu späterer Stunde erneut versuchen.

Drinnen dürfen sich die Besucher auf Musik von DJ Schmunki (Wildeshausen) freuen. „Natürlich wird es auch das eine oder andere Getränkeangebot geben“, verspricht Theißen. Am letzten Abend wird er sich auch hinter den Tresen stellen. „Das geht reihum. Jeder von uns darf auch mal mitfeiern.“

Bevor die Abschiedsparty steigt, bereiten sich die jungen Gastronomen auf die Weihnachtsfeiertage vor. Traditionell öffnet der Kaktus am 23., 24. und 25.Dezember – eventuell auch am zweiten Weihnachtsfeiertag.

Bis zum Schluss bleiben Theißen, Huntemann und Benesch ihrem Motto – den Gästen etwas bieten zu wollen – treu. Während der vergangenen zwei Jahre sei es ihnen nie um Geld gegangen. „Rückblickend war es schon eine interessante Erfahrung“, sagt Huntemann. Er spreche jedoch für seine Kollegen, wenn er sage, dass der Abschied nun eine Erleichterung sei. „Wir haben hier so viel Herzblut hineingesteckt. Leider ist unser Privatleben dabei ein bisschen auf der Strecke geblieben.“

Auch Theißen betont, dass die Führung des Kaktus im Grunde genommen nur hauptberuflich zu wuppen sei. „Wir drei haben alle feste Jobs. Zusätzlich kommen noch Faktoren hinzu, dass Leute absichtlich versucht haben, uns Steine in den Weg zu legen. Für uns war das ein weiterer Grund, warum es am Ende keinen Sinn mehr gemacht hat.“

Von Beginn an hatten die Betreiber mit Klagen aus der Nachbarschaft zu kämpfen. Zwar handelte es sich nur um eine einzige Person – aber die Behördenauflagen machten den Gastronomen trotzdem zu schaffen. „Ständig gab es Papierkrieg. Wir mussten uns immer wieder beim Landkreis rechtfertigen“, schildert Theißen. Zuletzt sei ein Lärmschutzgutachten gefordert worden, das die Betreiber noch einmal rund 3500 Euro gekostet habe.

Jeder konnte mit jedem feiern

Trotzdem möchten Theißen, Huntemann und Benesch die positiven Momente im Gedächtnis behalten. „Die Konzerte waren zum Beispiel super“, bekräftigt Theißen. Schnell hatte sich herumgesprochen, dass bei Auftritten im Kaktus eine ganz besondere Atmosphäre herrscht. Nicht nur die Zuhörer kamen gerne in die Kneipe – auch die Bands fühlten sich wohl. Nicht zuletzt lag das an der guten Versorgung: Ob Hotel, Getränke, Essen oder auch Sonderwünsche – die Gastronomen legten sich jedes Mal ins Zeug, um den Wünschen der Musiker gerecht zu werden.

„Für mich war die Zeit der Fußballweltmeisterschaft am prägendsten“, betont Huntemann. „Als Deutschland den Pokal geholt hat und die Leute hier im Kaktus gejubelt haben – das sind so Momente, die vergisst man nicht.“

Benesch hebt das gute Miteinander hervor, das ihm in Erinnerung bleiben wird. „Egal, ob Jung oder Alt. Hier konnte einfach jeder mit jedem zusammenkommen und feiern.“

Auch einige verrückte Erinnerungen gibt es. „Ich frage mich zum Beispiel, wer uns diese Plastiktüte mit Käse in den Laden gehängt hat“, schmunzelt Theißen. Sie war zunächst nicht aufgefallen, bis sich nach einigen Wochen ein süßlicher Duft entwickelte.

„Oder dieser eine Anruf, wisst ihr noch?“ Benesch lacht. „Morgens hat mich jemand angerufen: ,Hey. Komm mal her und hol mich hier raus. Ich komm nicht aus dem Kaktus‘. Da hatten wir aus Versehen einen Gast, der wohl eingeschlafen war, im Laden vergessen und abgeschlossen.“

Dem Trio ist deutlich anzumerken, dass ihm die Zeit mit der Kult-Kneipe fehlen wird. Wie es mit dem Schuppen weitergeht: „Keine Ahnung“, sagt Theißen. Dass jemand das Lokal in der bisherigen Form weiterführe, halte er für unwahrscheinlich. Zu viel müsste ein neuer Betreiber in eine Sanierung investieren. Gerüchte, wonach eine Pizzeria oder ein Flüchtlingsheim entstehen könnten, kommentiert Theißen nur mit einem müden Lächeln.

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