Wiederaufforstung notwendig

Forstverband: Waldstück in Borwede bis zu 30 Prozent tot

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Gut ein Drittel der Bäume ist tot. In Borwede wird die abgeholzte Fläche mit Eichen wieder aufgeforstet.

Borwede - Für Klimaschützer und Naturfreunde ist das sofort ein Aufreger und ein erschreckender Anblick: An der Kreisstraße zwischen Borweder Weg und Schweringhäuser Bach ist vor Kurzem ein fast komplettes privates Waldstück verschwunden. War das illegal? – Nein. Fast 30 Prozent des Bestandes waren nach dem letzten heißen, trockenen Sommer bereits tot. Gemeinsam mit dem zuständigen Forstverband der Grafschaften Hoya und Diepholz hat sich Familie Heimsoth zu einem Kahlschlag entschlossen, um Platz für eine vernünftige Wiederaufforstung mit Eichen zu schaffen.

Die radikale Abholzung des „schönen Laubwaldes“ hatte einen Einwohner aus Brelloh bei Ehrenburg aufgeregt. Er wusste aber schon, dass es sich um einen Privatwald handelt. Da er in Richtung Sulingen aber weitere gefällte Bäume im Zuständigkeitsbereich der Straßenmeisterei entdeckte, sei ihm doch die Galle hochgekommen. „Der Klimawandel muss doch eine Lüge sein, wenn wir alles einfach so abholzen“, meinte der 71-Jährige Maschinenbautechniker ein wenig überspitzt, der sich als Jäger auch um die Hege im Forstrevier Stocksdorf kümmert.

Eine Baumreihe ist in Borwede als Witterungsschutz an der Kreisstraße stehen geblieben. Die abgeholzten und markierten Stämme liegen zum Abtransport bereit. Die Stadt Twistringen hat auf unsere Nachfrage laut Fachbereichsleiter Carsten Werft keine Kenntnis vom Kahlschlag. Deshalb geht die Verwaltung von einer Privatmaßnahme aus. Gleichlautend äußert sich Uwe Allhausen vom Kreis-Fachdienst Bauen und Umwelt (Naturschutz) in Diepholz. Es handele sich hier offenbar um eine Baumfällung „zur ordnungsgemäßen Forstwirtschaft“. Dies sei erlaubt und müsse der Behörde auch nicht angezeigt werden. Außer, der Besitzer plane eine Umwandlung der Fläche etwa in Grünland oder Acker.

Dies ist nicht der Fall. Waldbesitzerin Katharina Heimsoth aus Borwede bestätigt am Telefon, dass nach der Abholzung auf jeden Fall wieder aufgeforstet werde. Und der zuständige Forstoberinspektor Ulrich Beckermann vom Forstverband erklärt, dass die Maßnahme aufgrund der vergangenen trockenen Sommer notwendig gewesen sei. Auf der etwa dreieinhalb Hektar großen Fläche seien 2019 schon 25 bis 30 Prozent des Bestandes abgestorben. Darunter auch gute Eichen.

Deshalb habe man reagieren müssen, um einen weiteren Verlust und eine weitere Wertminderung zu verhindern, sagt Beckermann. Man habe sich dann entscheiden müssen zwischen einem „kalten Schlag“, also einem Kahlschlag, und einer „Salami-Taktik“. Das heißt: einzelne tote Bäume beseitigen. Letzteres habe keinen Sinn gemacht.

Die Fläche wird nun mit einigen tausend jungen Eichen bepflanzt, die 80 bis 120 Zentimeter groß sind. „Eine Baumreihe an der Südseite bleibt stehen, um die Anpflanzung nicht schutzlos Wind und Wetter auszusetzen.“ 2019 habe der Forstverband eine Sturmgeschädigte Fläche zwischen Borwede und Heiligenloh auch schon mit Erfolg wieder aufgeforstet, heißt es. Die Folgen der trockenen heißen Sommer würden uns in den kommenden Jahren noch beschäftigen, ebenso das Borkenkäfer-Problem, so Forstoberinspektor Beckermann.

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