Ein Beispiel für Zivilcourage

Auszeichnung für junge Lebensretterin

Leonie Bultjer und ihre Mutter
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Für besonderer Zivilcourage hat die Stadt Twistringen Leonie Bultjer (hier mit ihrer Mutter) ausgezeichnet. Neben der Auszeichnung an sich erhielt sie einen Gutschein für einen örtlichen Buchladen.

Juni 2019. Es ist einer der bis dahin heißesten Tage des Jahres. Die neunjährige Leonie Bultjer fährt Fahrrad, als sie plötzliche Hilferufe hört. Sie stammen von einem Rinderhalter. Eines seiner Tiere, eine trächtige Kuh, hat ihn angegriffen. Er blutet und ist schwer verletzt. Leonie zögert nicht. Sie düst so schnell wie möglich nach Hause, um ihrer Familie Bescheid zu sagen und Hilfe zu holen.

Twistringen -„Sie hat ihr eigenes Herz in die Hand genommen, um ein anderes zu retten.“ Mit diesen Worten beschrieb Twistringens Bürgermeister Jens Bley Leonies couragierte Reaktion kürzlich bei der Verleihung der Twistringer Diamanten. Dabei überreichte er ihr eine Auszeichnung für besondere Zivilcourage. Leonies Verhalten sei beispielhaft für viele Erwachsene, sagte Bley. „Wir müssen davon wegkommen, wegzuschauen, wenn es uns nicht selbst betrifft.“

Ohne Leonies schnelle und entschlossene Reaktion würde der Rinderhalter heute vermutlich nicht mehr leben. Es war Zufall, dass sie rechtzeitig vorbeikam. Eigentlich war sie auf dem Weg zu einer Freundin. Da die aber nicht zuhause war, machte Leonie einen kleinen Schlenker und radelte wieder zurück. Dabei bemerkte sie den schwer verletzten Mann in einer Weide. Er lag schon etwa zwei Stunden hilflos am Boden.

Per Trecker und Rettungshubschrauber ins Krankenhaus

Ein Rettungshubschrauber flog ihn letztlich ins Krankenhaus. Vorher kam aber zunächst ein Trecker zum Einsatz. Der Verletzte musste über frisch gepflügten Boden befördert werden. Mit einer Trage und reiner Muskelkraft wäre das angesichts der schweren Kopf- und Rückenverletzungen des Rinderhalters zu gefährlich gewesen – immerhin hätten die Träger einsacken können, ruckartige Bewegungen wären die Folge gewesen.

Also wurde der Mann behutsam in der Frontladerschaufel transportiert.

Leonie kann sich noch gut daran erinnern, wie der Helikopter kam. Inzwischen ist sie elf Jahre alt. Sie habe viele positive Reaktionen nach dem Vorfall erhalten, sagt sie. „Unsere Deutschlehrerin hat mir sogar eine E-Mail dazu geschrieben.“

Nich lange überlegen, einfach machen

Wie hat sie sich damals gefühlt, an jenem heißen Tag im Juni? Leonie zuckt mit den Schultern. „Ich hab’ das einfach gemacht, ohne groß zu überlegen.“

Leonie hat drei Brüder und besucht die 6c des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums in Twistringen. In ihrer Freizeit nimmt die Elfjährige Reitunterricht, zeichnet und fährt bei gutem Wetter gerne mit dem Fahrrad.

Eigentlich sollte sie die Auszeichnung der Stadt Twistringen schon früher bekommen, aber durch Corona fiel der Frühjahrsempfang 2020 der Stadt komplett aus, in diesem Jahr wurde er dann im kleinen Rahmen gefeiert.

Zivilcourage-Preis des Landkreises Diepholz

Für ihr schnelles und lebensrettendes Verhalten im Juni 2019 hat Leonie bereits den Zivilcourage-Preis des Landkreises Diepholz bekommen – und natürlich ein dickes Dankeschön des Rinderhalters, dem es heute dank ihrer Hilfe wieder gut geht.

Von Katharina Schmidt

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