Urteil am Amtsgerichts Syke

Kind sexuell missbraucht: Ein Jahr Gefängnis

Twistringen - Von Dieter Niederheide. Wegen sexuellem Missbrauchs eines Kindes unter 14 Jahren verurteilte ein Jugendrichter des Amtsgerichts Syke einen Heranwachsenden aus Twistringen nach dem Erwachsenenstrafrecht zu einem Jahr Gefängnis. Die Strafe wurde für die Dauer von vier Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Der Verurteilte soll zudem 2 000 Euro an eine gemeinnützige Institution zahlen.

Opfer des bisher unbestraften Angeklagten war ein Kleinkind.

Im Strafprozess sagte die Mutter des Kindes aus, dass die Folgen des sexuellen Missbrauchs derzeit nicht abzusehen seien.

Mit dem Urteil folgte der Jugendrichter dem Antrag der Oberamtsanwältin, die ferner noch ein Schmerzensgeld in Höhe von 4 000 Euro beantragt hatte. Der Verteidiger hingegen hatte Freispruch für den Angeklagten gefordert. Dieser blieb bis zum Schluss dabei: „Ich habe nichts getan.“

Die Anklage warf dem Heranwachsenden vor, dass er am 27. August 2017, als er mit dem Kind kurz allein war, an dessen Geschlechtsorgan manipuliert habe, und das Kind an seinem Glied manipulieren ließ. Der Junge erzählte danach seiner Mutter von dem Vorfall.

Ein Jahr Gefängnis auf Bewährung

Zum belastenden Indiz des Strafprozesses wurden Smartphone-Aufzeichnungen eines Gesprächs zwischen der Mutter des Kindes und dem Heranwachsenden, in dem die Mutter ihm Vorhaltungen machte. Die Kriminalpolizei, bei der die Mutter Strafanzeige erstattete, wertete den Inhalt aus. Der Jugendrichter las die Aufzeichnungen vor.

In dem Gespräch zwischen der Kindesmutter und dem Heranwachsenden sagte dieser auf ihre Vorwürfe unter anderem: „Ist halt passiert….“, „Es kommt nie wieder vor, tut mir leid“, „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte“ oder: „Kannst Du mir noch einmal verzeihen…“.

Die Oberamtsanwältin hielt dem Heranwachsenden vor: „Wie kommt man auf solche Antworten? Wenn das nicht stimmt, streitet man es doch ab.“ Der junge Mann beharrte: „Ich habe nichts gemacht, das weiß ich. Ich würde so etwas nie machen“. Er ließ sich dahingehend ein, dass das Kind auf die Toilette musste und er hilfreich nur dessen Hose geöffnet habe.

Die Oberamtsanwältin: „Verdrängen Sie nichts, stellen Sie sich ihrem Problem.“ In ihrem Plädoyer machte sie klar, dass sie die Einlassung des Angeklagten für widerlegt hält. Die Mutter trat als Nebenklägerin mit einer Rechtsanwältin an ihrer Seite auf. Der Verteidiger leitete sein Plädoyer mit der Feststellung: „Wir haben es mit einer sehr schwierigen Situation zu tun“. Der Mandant habe dem Kind geholfen und dessen Hose geöffnet, dann habe er selber Wasser lassen müssen und es sei möglich, dass das Kind dabei das Geschlechtsteil des Angeklagten gesehen habe. Der Mutter warf er vor, durch rhetorisch gestellte Fragen die Angaben des Kindes gesteuert zu haben. Es gebe durch die Nebenklägerin eine gewisse Belastungstendenz.

Bei der Frage Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht entschiedenen sich Oberamtsanwältin wie auch der Jugendrichter für die Verurteilung nach dem Erwachsenenstraf recht. Es seien bei dem Angeklagten keine Reifeverzögerungen erkennbar und jugendtypisch sei die Tat auch nicht.

Rubriklistenbild: © kom

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