Bernhard Buschmann hat nach Gedenkfeier die Idee zu einer neuen Tafel an der Bachstraße

Jüdischen Opfern ein Gesicht geben

Mit neuer Tafel am Gedenkstein: Bernhard Buschmann (l.) und Jalal Agam Sino. Foto: Sabine Nölker

Twistringen - Von Sabine Nölker. Twistringen hat ein dunkles Kapitel in seiner 770-jährigen Geschichte. Am 10. November 1938 wurde die Twistringer Synagoge niedergebrannt. Zum Gedenken an die Synagoge, aber vor allem zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger, errichtete die Stadt vor vielen Jahren dort einen Gedenkstein. In jedem Jahr treffen sich Menschen an dem Mahnmal, um den Opfern des Holocaust zu gedenken. Nach der Feierstunde im vergangenen Jahr hatte Bernhard Buschmann die Idee, neben der Informationstafel, eine weitere Erinnerung zu installieren, die ermordeten jüdischen Mitbürgern ein Gesicht geben soll.

„Mir ist es ein Anliegen vor Augen zu führen, dass es Menschen und Familien waren, die in Twistringen als Bürger mitten unter uns gewohnt haben“, nennt Buschmann.

Er fertigte zunächst eine Tafel an, auf der acht jüdische Mitglieder namentlich erwähnt werden. Menschen, die direkt in Twistringen von den Nazis und der Polizei verhaftet und anschließend in Konzentrationslager oder Gettos deportiert wurden und dort verstarben oder getötet wurden. Namen, die gar nicht oft genug wiederholt werden können: Ella Goldschmidt (KZ Auschwitz); Herta Simon (KZ in Polen); Max Simon (Getto in Minsk); Jona Simon (KZ in Polen). Sie alle lebten mitten in Twistringen, im Haus Bahnhofstraße 10. Nicht weit davon entfernt, an der Bahnhofstraße 37, lebten bis 1938 die Eheleute Jakob und Ida Meyer, die beide im Getto in Warschau den Tod fanden. An der Mittelstraße 4 wuchsen die Geschwister Rosalie Silberberg und Harry London auf. Sie beide überlebten das Getto Theresienstadt nicht.

Diese Namen sind nun am Gedenkstein neben vielen Informationen festgehalten. Buschmann war es ein Anliegen, auch den lügnerischen und hasserfüllten Bericht der Syker Zeitung vom 11. November 1938 zu präsentieren. „Der Bericht zeigt in einer abscheulichen Weise, wie Medien die Meinung und Einstellung der Menschen beeinflussen können“, so Buschmann weiter. „Sie vermitteln den Eindruck, dass die deutsche Rasse über andere Volksgruppen steht und auch über dies richten kann.“

Er hofft, dass sich möglichst viele gegen öffentliche Falschmeldungen, Diskriminierung und Abwertung von Menschen anderer Rassen und Religionen einsetzen.

Die Informationen auf der Tafel hat Buschmann dem Buch „Geachtet und Geächtet – Twistringen und seine Juden von 1933 bis 1943“ von Lydia Funke-Westermann und Friedrich Kratzsch entnommen, welcher auch noch zusätzliche Informationen hinzugefügt hat.

Als Buschmann nun mit seinem Nachbarn Jalal Agam Sino die Tafel aufstellen wollte, war ihm der Zustand des Beetes rund um den Gedenkstein ein Dorn im Auge. Nach Rücksprache mit Bürgermeister Jens Bley entfernte das Duo das wild wuchernde Efeu und Unkraut, verteilte eineinhalb Kubikmeter Rindenmulch und setzte und betonierte Bordsteine als Einfassung. Auf das Ergebnis sind Jalal Agam Sino und Buschmann stolz. Wie sagte Letzterer vor nicht allzu langer Zeit: „Wer mit offenen Augen durch Twistringen geht, sieht immer Dinge, die schnell und unkompliziert verschönert werden können.“

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