Johann Beuke aus Twistringen kämpft für Änderung der Jagdgesetze

„Jäger sehen im Fuchs einen Beutekonkurrenten“

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Jagdkritiker Johann Beuke.

Twistringen - Von Frauke Albrecht. „Ich bin kein Gegner der Jagd, ich bin aktiver Jagdkritiker. Das ist ein Unterschied.“ Johann Beuke aus Twistringen ist der stellvertretende Vorsitzende im Ökologischen Jagdverein Niedersachsen/Bremen und hat es sich zur Aufgabe gemacht, „Menschen klar zu machen, dass auch Wildtiere ein Recht darauf haben, zu leben.“

Damit macht er sich vor allem in konventionellen Jägerkreisen nicht unbedingt Freunde. Die einen halten ihn für einen Spinner, die anderen für einen Öko. Er selbst ist mit dieser Rolle nicht immer glücklich. „Ich rege mich manchmal sehr auf, weil mich das Tierleid so mitnimmt. Deswegen habe ich auch gesundheitliche Probleme. Aber ich muss das tun“, sagt er 61-Jährige.

Wenn er erst einmal anfängt, von grausamen Jagdbeobachtungen zu berichten, redet er sich schnell in Rage.

Er selbst geht schon lange nicht mehr auf die Jagd. Dem ÖJV hat er sich angeschlossen, weil er glaubt, dass es gemeinsam leichter ist, eine Änderung der Jagdgesetze herbeizuführen, siehe auch Infokasten.

„Ich habe im Laufe meines Lebens viel Schreckliches gesehen. Und ich bin nicht gerade zimperlich. Sie müssen wissen: Wir haben zuhause selbst noch geschlachtet.“

Das Thema Jagd begleitet ihn bereits sein ganzes Leben. „Meine Mutter hatte früher eine Kneipe in Marhorst“, erzählt er. Da gingen auch die Jäger ein und aus. Ein Bild ist ihm heute noch präsent: „Ich war sechs Jahre alt, da kam ein großer Mann in den Gastraum. Er hatte einen dunklen Lodenmantel an und einen Hut auf. In der Hand hielt er mehrere geschossene Hasen. Er polterte: ,Bier und Schluck‘ auf Platt und hing die Hasen an die Garderobe. Da es draußen geregnet hatte, tropften sie noch.“

Mit 12 Jahren begann Johann Beuke, sich intensiv mit der Jagd zu beschäftigen. Er begleitete die Jäger. „Damals gab es noch die Baujagd mit Hunden auf Fuchs, Dachs, Marder & Co. – einfach nur grausam“, erinnert er sich.

Mit den Jahren wandelte sich seine Neugier in Abneigung. Mit einem Tier hat er besonders viel Mitleid, mit dem Fuchs.

„Für mich steht fest, der Fuchs muss in erster Linie sein Leben lassen, weil er ein Beutekonkurrent der konservativen Jäger ist und ihnen ihre Beute streitig macht“, sagt Beuke. Und weiter: „Während aber ein Fuchs nur Junghasen während der Aufzuchtsphase erbeutet, schießen Jäger ausgewachsene Hasen kurz vor ihrer Fortpflanzung tot. Wer hier der größere Schädling für das Niederwild ist, sollte also keine Frage mehr sein.“ Seine persönliche Meinung ist, die Niederwildjagd komplett abzuschaffen.

Die Argumente der Jägerschaft nennt er „fadenscheinig“. „Sie bemühen oft Fuchsbandwurm, Räude und Tollwut, zudem natürlich den Schutz seltener Arten vor dem Fuchs, wie Rebhühner, Hasen, Fasane und Bodenbrüter, wie Kiebitz, Brachvogel und so weiter.“

Zudem werde behauptet, die Fuchsbestände wären explodiert und man müsse der Massenvermehrung Einhalt gebieten, um andere Arten zu schützen. Beuke: „Wenn man in die Jagdberichte Niedersachsen schaut, stellt man fest, dass die eigentlich vorm Fuchs geschützten Tierarten zu Tausenden von Jägern selbst erlegt werden.“

Ein Blick in den Jagdbericht Niedersachsen 2014/2015: Insgesamt wurden 56625 Hasen geschossen, davon im Landkreis Diepholz 2082 Tiere, 295Rebhühner, davon 28im Landkreis, und 37588 Fasane (2042 im Kreis Diepholz). Beuke: „Wie lässt sich also die intensive Verfolgung der Füchse durch Jäger wirklich erklären?“ Füchse wurden insgesamt 53325 zur Strecke gebracht, wie es im Jägerjargon heißt. Auf den Landkreis bezogen waren es 2707.

Ziele des Ökologischen Jagdvereins

„Wir wollen eine an ökologischen Grundsätzen orientierte Jagd mit Bindung an Grund und Boden erhalten“, heißt es auf der Internetseite des Ökologischen Jagdvereins Niedersachsen-Bremen.

Der Verein wolle die Rückkehr regional ausgestorbener Tierarten durch Aufwertung und Vernetzung von Lebensräumen, einer Zerstörung von Biotopen und Landschaften entgegenwirken und vor allem die maßgebliche Orientierung der Jagd an der Trophäe abschaffen, ist zu lesen.

Warum überhaupt Jagd? „Weil die Jagd einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung natürlicher Lebensräume, zum Beispiel Wald, darstellt“, lautet die Argumentation. Und weiter: „Weil Fleisch und Felle von Wildtieren eine hochwertige, natürliche und ökologische Ressource und damit eine

schätzenswerte Bereicherung für uns alle darstellen, um wirtschaftliche Schäden zu vermeiden

und um die Ausbreitung von Seuchen und Krankheiten zu verhindern.“

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