Jeden Tag ein paar wärmere Töne mehr

Orgelbauer richten überholte Pfeifen in der Twistringer Martin-Luther-Kirche

Orgelbauer Uwe Behrens richtet die Pfeifen in der Martin-Luther-Kirche in Twistringen.

Twistringen - Von Theo Wilke. „Jeden Tag werden es ein paar Töne mehr“, freut sich Twistringens Pastorin Dr. Christina Ernst. Vom Altar der evangelischen Kirche aus horcht sie auf. Orgelbauer Uwe Behrens schlägt einige Tasten an und nickt zufrieden: Passt! Seit Montag richtet die Firma Bente aus Helsinghausen bei Bad Nenndorf die rund 1000 Orgelpfeifen. Die Wiedereinweihung der Wolf-Orgel von 1969 ist für den 17. September geplant.

Für Pastorin Ernst und den Fördervereinsvorsitzenden Ernst Bolte ist es eine ganz spannende Zeit. „Die überholten Pfeifen werden in Zukunft für ein wärmeres Klangbild sorgen“, betont die Pastorin. Es sei jetzt schon besser. Gleichzeitig würde durch zwei neue Register eine bisherige Lücke im Klangbild geschlossen.

Die Finanzierung ist gesichert

Sechs Jahre hat es vom ersten Kostenvoranschlag bis heute gedauert. Als die Orgel vor 48 Jahren von Hans Wolf aus Verden erbaut wurde, kostete sie 53 000 Mark. Jetzt kostet die Sanierung rund 94 000 Euro. Knapp ein Drittel der Gesamtkosten übernimmt die Landeskirche. Volksbank-Stiftung sowie Volksbank Vechta-Twistringen steuern 15 000 Euro bei.

Etwa 45 000 trägt die Twistringer Kirchengemeinde mit ihren rund 2560 Mitgliedern. Der Förderverein steuert einen großen Teil dazu bei – über die Mitglieder, großzügige Firmen und durch Erlöse aus Veranstaltungen. Die Finanzierung sei gesichert, betont Ernst Bolte.

Peter Friedrich zeigt einer schweren neuen Prospektpfeifen am Frontgehäuse der Orgel. - Fotos: Wilke

Im März wurde die Orgel zum ersten Mal seit 1969 komplett auseinandergenommen. Schmutz, Schimmel und Verschleiß sind jetzt Geschichte. Drei Wochen dauerte im Mai die Erneuerung der Mechanik. Außerdem wurde das Gehäuse neu gestrichen. Die Kosten dafür übernimmt der Kirchenförderverein, versichert Bolte.

Derzeit bauen der 60-jährige Uwe Behrens und sein Auszubildender Peter Friedrich die nächsten Pfeifen ein und testen die Mechanik. „Sie sorgt für die Übertragung von der Taste zur Pfeife“, erklärt der Orgelbauer, um gleich wieder hoch konzentriert die nächste Pfeife einzupassen. Die Mitarbeiter der Fachfirma sind froh, wenn sie in dieser Zeit so wenig wie möglich von Kirchenbesuchern gestört werden.

„Klanglich grob gerichtet“

Und Behrens erläutert, warum es Zeit wurde, die Orgel mit ihren zwei Manualen (Tastenreihen) und Fußpedalen zu überholen: Es sei eine Standardorgel. Die Mechanik sei in den vergangenen Jahren immer schwergängiger und unpräziser geworden.

Nach einer gründlichen Reinigung in Bentes Werkstatt wurden die Pfeifen auch gleich ausgebessert und „klanglich grob gerichtet“, so Behrens.

In Zukunft sorgen zwei neue Pfeifenregister für tiefere Töne. Und die neuen klingen laut Fachmann dann doppelt so lange im Vergleich zu den alten Pfeifen. In den 1970er-Jahren sei nämlich die Zeit des Fortschrittsglaubens gewesen, sagt der 60-Jährige Hildesheimer. Im Orgelbau habe man damals zunehmend Plastik verwendet. Ganz nach der Devise „zurück zum Traditionellen“ habe er nun langlebigeres Holz und Metall verbaut.

Sein Lehrling Peter Friedrich stammt aus dem Frankenland. Der 22-Jährige Abiturient hat erst vor zwei Wochen seine Ausbildung begonnen, glänzt aber schon durch Fachwissen.

Aufs Gehör angewiesen

Beide verlassen sich nicht auf modernste Technik. Sie sind besonders auf ihr Gehör angewiesen. Orgelbauer üben noch „richtig traditionelles Handwerk“ aus, erzählen sie.

Zu ihrer Begeisterung für diesen Beruf passt ein Spruch auf einem Flyer des Kirchenfördervereins: „Die orgl ist doch in meinen augen und ohren der könig aller instrumenten.“

Das hatte Wolfgang Amadeus Mozart am 18.  Oktober 1777 an seinen Vater geschrieben.

Am Sonntag, 17. September, wird die Martrin-Luther-Orgel wieder eingeweiht. Gleichzeitig will die Kirchengemeinde ihren neuen Anbau am Pfarrhaus mit Büro, Archiv- und Materialraum sowie Toilette vorstellen. Gesamtkosten: Rund 120 000 Euro.

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