Heinz Grade seit 60 Jahren in der Feuerwehr Heiligenloh

Jauche in die Flammen

60 Jahre Feuerwehr: Heinz Grade aus Heiligenloh zeigt Urkunde und goldenes Abzeichnen (an der Uniform) vom Landesfeuerwehrverband. Links auf dem kleinen Foto: Grade auf dem Kutschbock der historischen Handspritze, gezogen von seinen belgischen Kaltblütern. Foto: Wilke

Heiligenloh - Von Theo Wilke. „Wir haben Eimer mit Jauche gefüllt, um das Feuer zu löschen“, erinnert sich Heinz Grade an ein fürchterliches Gewitter im Sommer 1959. Der Vater hat Geburtstag. Da schlagen plötzlich Blitze bei den Nachbarn Prote und Ohlendiek ein. „Da bin ich gleich hin.“ Er ist erst 16, aber „damals packte jeder mit an“. Der als Flüchtlingskind 1945 in Heiligenloh gelandete Grade ist vor Kurzem für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Ortsfeuerwehr, davon 44 Jahre aktiv, ausgezeichnet worden,

„Ich habe mit 17 Jahren angefangen. Ich habe das nie bereut – im Gegenteil“, betont der Hauptfeuerwehrmann. Wenn Heinz Grade erzählt, dann ausgiebig und gerne von seinem äußerst bewegten Leben. Im August 1942 in Groß-Wolz (Kreis Graudenz, Westpreußen) geboren, flüchtet der knapp dreijährige Heinz im harten Winter- Januar 1945 mit Geschwistern, Eltern, Großeltern und neun Pferden über die zugefrorene Weichsel nach Westen.

Das Ziel ist Ende März das Dorf Heiligenloh – mit noch sechs Pferden. „Wir sind gut aufgenommen worden“, lobt Grade. 1950 baut die Familie ihr Eigenheim. Mit seinen Pferden baut der Vater ein Fuhrunternehmen auf. Als Kind geht Sohn Heinz in den Turnverein – jeden Sonntag in Humpes Saal.

„Ich bin als Kind mit Pferden aufgewachsen. Das ist heute noch mein größtes Hobby“, so der 77-Jährige. Er legt stolz ein Bild auf den Wohnzimmertisch: Heinz Grade sitzt auf dem Kutschbock der historischen Heiligenloher Feuerwehr-Handdruckspritze aus Anlass des 100-Jährigen im Jahr 2005.

Nach der Schulzeit wird der 14-Jährige erst Milchfahrer, zunächst mit Pferd und Wagen, später mit dem Traktor, einem Deutz, Baujahr 1950. Den Oldie hat er heute noch. 16 Jahre lang macht er den Job. Grade transportiert auch Holz, Steine und Kies. Der spätere Fuhrunternehmer und Landwirt startet 1960 nicht im klassischen Sinne in der Feuerwehr.

„Unser Nachbar Kurt Hofmeister war damals Leiter der Wettkampfgruppe. Er kam zu uns und meinte: Us fäält ‘n Mann.“ Und schon ist Heinz Grade dabei. Danach meint einer im Dorf: „Du büst nu uk inne Füürwehr!?“ Damit ist alles gesagt.

Im Mai 1960 bekommt Grade eine Uniform von Maurer Müller: Jacke, Helm und Breitgurt. Seinerzeit gibt es 20 Aktive um Ortsbrandmeister Fritz Plümer – heute sind es mehr als 40. „Den alten Opel Blitz habe ich oft gefahren. Die Wenigsten hatten den Führerschein Klasse zwei. Den habe ich schon mit 18 gemacht, auch den Motorradschein.“

Im selben Jahr fährt der Jungfeuerwehrmann mit der Wettkampfgruppe nach Harpstedt. „Der Marktplatz war noch unbefestigt, es hatte auch geregnet. Das war der reinste Modderkram“, erinnert sich Grade an eine Schlammschlacht. Auch an die Generalversammlungen der Feuerwehr in den folgenden Jahrzehnten, und an die beliebten Maskenbälle mit Tombola auf Humpes Saal. Insgesamt 27  Jahre gehört er der Wettkampfgruppe an. Nicht selten platzen damals Schläuche oder lösen sich Kupplungen. Für den Heiligenloher eine aufregende und spannende Zeit.

Von Anfang an engagiert sich Grade im Festausschuss der Feuerwehr. Im Dorf und darüber hinaus bis nach Drentwede „bettelten wir um Preise für die Tombola beim Maskenball. Wir hatten ja kein Geld dafür“.

Erst mit 39 heiratet der Heiligenloher dann Gerda aus Vechta. Sie bringt zwei Kinder mit in die Ehe, danach kommt eine gemeinsame Tochter zur Welt. Inzwischen gehören drei Enkelkinder zur Familie.

Seit zwölf Jahren trifft sich Grade regelmäßig mit den anderen Alterskameraden, dreimal im Jahr zum gemütlichen Beisammensein im Feuerwehrhaus.

Tief eingebrannt ins Gedächtnis haben sich die schrecklichsten Ereignisse und Einsätze aus seiner aktiven Feuerwehrzeit, etwa der Flugzeugabsturz von 1973 in Mörsen, der Großbrand der Mühle Bottermann 1980 an der Bahnhofstraße in Twistringen oder auch auffällig viele Feuer in kurzer Zeit im Bereich Rüssen.

Was Heinz Grade besonders freut: Er hat die alte Feuerwehrhanddruckspritze von 1858 für die Nachwelt gerettet, die inzwischen unter dem Göpel am Feuerwehrhaus steht.

Entdeckt hat Grade sie einst als Milchwagenfahrer in einem maroden Schuppen in Ellinghausen. Von Schrotthändler Vogt erfährt er: Sie soll „kaputtgemacht“ werden. Das kann er nicht zulassen. „Wir haben die Handspritze nach Heiligenloh geholt und restauriert. Damit bin ich schon überall rumgefahren,“ erzählt der 77-Jährige. Er schaut noch mal auf das gerahmte Bild und legt es liebevoll zurück zu seinen vielen anderen Erinnerungsfotos.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Video: Friedl über Abstiegskampf, ständige Positionswechsel und die neue Frisur

Video: Friedl über Abstiegskampf, ständige Positionswechsel und die neue Frisur

Amtsenthebungsverfahren - Trump: Würde gern hingehen

Amtsenthebungsverfahren - Trump: Würde gern hingehen

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Teenager träumen eher von traditionellen Jobs

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

Kreuzfahrten: Wie umweltfreundlich und vertretbar sind sie wirklich?

Meistgelesene Artikel

Autohändler gibt mit Bugatti Chiron Vollgas - Polizei schreitet ein

Autohändler gibt mit Bugatti Chiron Vollgas - Polizei schreitet ein

DSDS-Kandidatin flasht Dieter Bohlen - der zieht Vergleich mit DSDS-Sieger

DSDS-Kandidatin flasht Dieter Bohlen - der zieht Vergleich mit DSDS-Sieger

Heftiger Unfall: Auto prallt gegen Garage und landet kopfüber im Graben

Heftiger Unfall: Auto prallt gegen Garage und landet kopfüber im Graben

Parkplatzsuche bei IKEA außer Kontrolle: Autofahrer tritt Konkurrenten

Parkplatzsuche bei IKEA außer Kontrolle: Autofahrer tritt Konkurrenten

Kommentare