Twistringer Bernhard Diephaus erweckt den Treckerveteran wieder zum Leben

30 Jahre alter Deutz springt nach nur sieben Sekunden an

Drei Jahrzehnte lang wurde der 24er-Deutz keinen einzigen Zentimeter bewegt. Jetzt hat ihn Bernhard Diephaus aus dem Dornröschenschlaf erweckt. - Fotos: Ulf Kaack

Twistringen - Von Ulf Kaack. Dreißig Jahre lang stand der alte Deutz ungenutzt in einer Scheune in Stemwede. Dort hat ihn Bernhard Diephaus entdeckt, gekauft und mit wenigen Handgriffen wieder zum Leben erweckt. Der Motor startete exakt nach sieben Sekunden.

Tieftraurig sieht er aus, der 24er-Deutz. „F2 L 612“ lautet die genaue Typenbezeichnung des Ackerveterans, der im Jahre 1957 in Köln vom Band lief. Seine Frontscheinwerfer mit fehlendem Glas und heraushängenden Kabeln suggerieren einen melancholischen Blick. Klebrig-brauner Staub verhindert jede Sicht durch die Frontscheibe.

Flugrost patiniert das solide Blech, vergilbtest Laub in allen Ritzen des luftgekühlten Motors, alle vier Reifen platt und verschlissen. Doch: der Zahn der Zeit hat sich an diesem Trecker den Schmelz abgebissen.

Berni, unter diesem Namen ist Landwirt Bernhard Diephaus in Twistringen und darüber hinaus in der Szene der Oldtimertraktoren bekannt, hat den Deutz kürzlich aus der Scheune in Stemwede geborgen, wo er in der hintersten Ecke die letzten drei Jahrzehnte vor sich hin gestanden hat. Angekommen auf seinem Hof in Twistringen hat er den 1 526 Kubikzentimeter großen Motor das erste Mal seit 1986 wieder in Betrieb genommen. Das Ergebnis war sensationell.

„Bei so einer Aktion muss man natürlich behutsam vorgehen, andererseits können die robusten Dieselmotoren von Deutz auch eine Menge ab“, plaudert der 43-Jährige. „Ich habe die Kraftstoffleitungen entlüftet, damit der Diesel ungebremst in die Einspritzdüsen fließt. Klar, auch das Motoröl habe ich vorher gewechselt und für das Startprocedere war auch eine frische Batterie notwendig.“

Und dann der magische Moment: Berni dreht den Schlüssel um und drückt den schwarzen Startknopf. Vernehmlich nimmt der Anlasser seine Arbeit auf, dreht die Kurbelwelle, zündet den Kraftstoff. Exakt sieben Sekunden dauert es, bis der Motor läuft – erstmals nach drei Jahrzehnten. Eine hellblaue Abgasfahne zeugt von einem guten technischen Zustand des Zweizylinders.

In den kommenden Wochen und Monaten wird sich Berni dann dem Deutz intensiv widmen. Zunächst steht eine aufwändige Generalreinigung an. Die komplette Elektrik muss überholt werden, ebenso die Bremsanlage. Außerdem sind vier neue Reifen fällig. Erfahrungsgemäß treten während der Restaurierungsphase diverse Kleinigkeiten auf. Aber das kennt Bernhard Diephaus schon. Er hat in der Vergangenheit bereits einigen alten Traktoren zu einem zweiten Frühling mit einer TÜV-Plakette auf dem hinteren Nummernschild verholfen.

„Technisch perfekt, optisch patiniert“

„Ich gehöre nicht zu den Leuten, die ihren Oldtimer bis hin zum Neuzustand restaurieren“, erklärt Bernhard Diephaus seine Philosophie. „Trecker sind Arbeitsgeräte und so sollen sie auch nach jahrzehntelangem Einsatz aussehen. Technisch perfekt, optisch patiniert. Und bei mir stehen sie auch nicht im Showroom, sondern werden – wie der 24er Deutz in Zukunft auch – täglich in meinem landwirtschaftlichen Betrieb zur Arbeit eingesetzt.“

Mehr zum Thema:

Delaney im Kraftraum: Das Werder-Training am Dienstag

Delaney im Kraftraum: Das Werder-Training am Dienstag

Bunte Straßenwagen und Kostüme

Bunte Straßenwagen und Kostüme

Mutmaßlicher zweifacher Frauenmörder in Leipzig gefasst

Mutmaßlicher zweifacher Frauenmörder in Leipzig gefasst

Schwerer Unfall auf der A28 bei Stuhr

Schwerer Unfall auf der A28 bei Stuhr

Meistgelesene Artikel

Baum auf fahrendes Auto gefallen 

Baum auf fahrendes Auto gefallen 

A28: 44-Jährige bei Kollision lebensgefährlich verletzt

A28: 44-Jährige bei Kollision lebensgefährlich verletzt

Bühnenshow und Bonbonregen

Bühnenshow und Bonbonregen

Baustelle an der Leester Straße: Klagen über Umsatzeinbußen

Baustelle an der Leester Straße: Klagen über Umsatzeinbußen

Kommentare