Innung betont Sicherheitsvorkehrungen

Staatsanwalt prüft Fremdverschulden

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Der Obermeister der Dachdecker-Innung, Karsten Kröff, blättert im umfangreichen Ordner mit Sicherheitsanweisungen und -informationen.

Twistringen - Von Ove Bornholt. Es war ein tragischer Unfall: Vor zwei Monaten stürzte ein Jugendlicher von einem Dach in Twistringen in den Tod (wir berichteten). Arbeitsunfälle auf dem Dach, wie dieser, sind für den Obermeister der Dachdecker-Innung im Landkreis Diepholz, Karsten Kröff, alles andere als Alltag: „In unserem Betrieb sind die schwersten Unfälle Kreuzbandrisse beim Fußballspielen“, erklärt er auf Nachfrage. Auch für Praktikanten würden die hohen Sicherheitsregeln gelten.

Zum genauen Ablauf des Unfalls in Twistringen gibt es offiziell kaum Informationen. Die Polizei schweigt, verweist an die Staatsanwaltschaft. Dort würden die üblichen Ermittlungen in so einem Fall laufen, heißt es. Es gehe darum, ein Fremdverschulden auszuschließen, so Sprecher Lutz Gaebel. Die Ermittlungen dauern noch an, deswegen gibt die Behörde keine Informationen heraus. Dazu gehören auch Einzelheiten zu den Beteiligten, zum Beispiel über deren Beruf.

Nach den Recherchen der Berufsgenossenschaft (BG) Bau gab es in den vergangenen drei Jahren keine tödlichen Unfälle mit einem Versicherten der BG Bau, der dem Landkreis Diepholz zugeordnet ist, teilt die Organisation mit. In der Organisation sind beispielsweise Dachdecker und Gerüstbauer organisiert.

Unabhängig davon, welchen Beruf ein Arbeiter ausübt, gelten auf dem Dach strenge Sicherheitsvorkehrungen. Rein rechtlich müsste jeder auf die Arbeit auf dem Dach gleich vorbereitet sein, sagt Obermeister Kröff. Ein Urteil über andere Branchen will er dabei explizit nicht fällen. Der Dachdeckermeister betont, dass „die Zahl der schweren Unfälle laut der Statistik der Berufsgenossenschaft Bau gerade in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen ist“.

Zu den Sicherheitsmaßnahmen in seinem Betrieb gehört zum Beispiel, dass alle 35 Mitarbeiter Ersthelfer sind. Auch werde bei jeder Baustelle eine Gefährdungsanalyse vorgenommen. Zudem gibt es jährliche Vorsorgeuntersuchungen für die Mitarbeiter und sogar an die Sonnencreme denkt Kröff. „Die stellen wir.“ Sogar für Arbeitsgeräte, bei denen Heimwerker in der Regel keine großen Vorsichtsmaßnahmen an den Tag legen, wie Akkuschrauber, gibt es in den Wintermonaten Schulungen, erzählt Kröff.

Der Beruf des Dachdeckers sei auch durch technische Hilfsmittel wie Akkuschrauber und Druckluftnagler nicht mehr von schwerster körperlicher Arbeit geprägt. Die Anforderungen seien gestiegen, sagt Kröff, dessen Gewerbe auch von der Niedrigzins-Phase profitiert: „Die Leute investieren in ihre Immobilien.“

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