Caritas auf das Abstellgleis?

Bildungsausschuss vertagt Entscheidung zur Zukunft der Flüchtlingssozialarbeit

„Warum sollen die bewährten Strukturen verändert werden? Wir sind schon lange nicht mehr bei der Willkommenskultur.“ - Bernhard Sauer für die FiT

Twistringen - „Warum soll die Caritas aufs Abstellgleis, wo doch ein großes Potenzial vorhanden ist? Wir brauchen die Caritas“, betont Bernhard Sauer für die Flüchtlingsinitiative in Twistringen (FiT). Sauer spricht den Kritikern aus dem Herzen, die am Donnerstagabend zur Sitzung des Ratsauschusses für Bildung, Erziehung, Senioren und Soziales ins Rathaus gekommen sind.

Im Zuschauerraum sitzen viele Ehrenamtliche der FiT, die um die Fortsetzung der Flüchtlingssozialarbeit fürchten. Der Grund: Die Stadt möchte das Arbeitsfeld mit einem Integrationsbeauftragten auf neue Beine stellen. Der Fachausschuss unter dem Vorsitz von Jürgen Schulze (Die Grünen) vertagt seine Entscheidung auf Mitte Dezember.

Der Hintergrund: Am 31.  Dezember läuft der Kooperationsvertrag mit der Caritas aus. Zeitgleich stellt der Landkreis seinen Zuschuss für die Flüchtlingssozialarbeit ein (wir berichteten). Es geht um rund 45.000 Euro im Jahr. Erster Stadtrat Harm-Dirk Hüppe muss sich erhebliche Kritik anhören. Ausschussmitglieder und Zuhörer vermissen eine umfassende Information und eine Stellungnahme der Caritas. Fachbereichsleiterin Anke Raven will nun mehr Infos liefern und bittet den Ausschuss, alle offenen Fragen an sie zu richten.

In der Sitzung vor Weihnachten könnte die Verwaltung beauftragt werden, für das Aufgabengebiet „Flüchtlingssozialarbeit/Integration“ in enger Abstimmung mit der Caritas ein Stellenprofil auszuarbeiten, dass sich an der bisherigen Unterstützung der FiT orientiert, aber auch neue Aspekte einer ganzheitlichen Integration berücksichtigt. Die Stelle soll mit 30  Wochenstunden ab Sommer 2020 im Stellenplan stehen. Bis dahin setzt die Verwaltung auf eine Übergangslösung mit der Caritas. Kostenpunkt: rund 20.000 Euro.

FiT-Sprecher Bernhard Sauer erklärt, man sei von der Nachricht überrascht worden, dass die Kooperation mit der Caritas beendet werden soll. „Warum sollen die bewährten Strukturen verändert werden? Wir sind schon lange nicht mehr bei der Willkommenskultur.“ Die FiT stecke bereits in der Integrationsarbeit, so Sauer.

Ausschuss-Vorsitzender Schulze sieht auch die Sorge der FiT und bedankt sich ausdrücklich für deren Engagement und bedauert: „Es gab Irritationen.“

Erster Stadtrat Hüppe gibt zu, die Überschrift zum Tagesordnungspunkt sei nicht gut getroffen: „Beendigung der Kooperation mit dem Caritasverband (...).“ Nach Vertragsende wolle man eine eigene Schnittstelle zur Caritas schaffen – und keineswegs das, was bisher geleistet werde, kaputtmachen. Allerdings müsse eine Entscheidung her, damit die Flüchtlingssozialarbeit am 1. Januar 2020 nicht in ein Loch stürze. Man habe erkannt, dass es „weitergehen muss“.

Heinfried Dießelberg (Die Grünen) spricht von einer „kleinen Panne“ und bedauert, dass es zu Missverständnissen gekommen ist. Er glaubt aber nicht, dass es einen passenden Integrationsbeauftragten für die Stadt auf dem Markt gibt.

Markus Thiede (FDP) möchte die funktionierenden Strukturen nicht aufbrechen. Katrin Schwarze (CDU) und Hedwig Harms (Seniorenbeirat) lehnen eine hauptamtliche Stelle ab. Während Horst Küpker (FWG) eine Lanze für die Verwaltung bricht, tut sich auch Vorsitzender Schulze schwer. Er rät letztlich dazu, das Thema zu vertagen. Gespräche, die vorher hätten geführt werden müssen, sollten folgen und bis zur nächsten Sitzung erledigt sein.

Bürgermeister-Vertreter Hüppe erläutert, es gehe hier nur um einen Arbeitsauftrag an die Verwaltung und nicht mehr.

Die Caritas äußert sich am Abend auf Nachfrage eindeutig. „Wir möchten die Kooperation fortsetzen und sind auch weiterhin ein verlässlicher Partner der Stadt“, versichert Geschäftsführerin Karin Kröger dem Ausschuss.

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