Leben in Notunterkunft „nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen“

Flüchtlinge werden wie Zootiere behandelt

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In einem kurzen Theater-Beitrag zu Beginn konfrontierten Schüler einen „Flüchtling“ mit schweren Vorurteilen.

Twistringen - Gut 350 Menschen waren am Montag zu einem Infoabend über die Flüchtlings-Situation in Twistringen ins Gymnasium gekommen.

Auf dem Podium saßen Bürgermeister Martin Schlake, Fachbereichsleiter Entwicklung und Ordnung Carsten Werft, Schulsozialarbeiterin Maria Stenner-Diekmann, Sonja Kirchner von der Caritas, der ehemalige Gymnasiast Mirsad Berisa und der Flüchtling Hassan Abdelrahman. Auch Michael Escher, der fürs DRK in der Notunterkunft arbeitet, stand Rede und Antwort. Hier einige zentrale Aussagen.

Wie viele Flüchtlinge leben in Twistringen?

Carsten Werft stellte die Zahlen vor. Derzeit wohnen knapp 100 Flüchtlinge in 26 Wohnungen. Eigentlich muss die Stadt bis Januar 167 Menschen aufnehmen, aber das werde nicht klappen. Die Stadt versuche weiter, die Menschen dezentral unterzubringen. Michael Escher berichtete, dass in der Notunterkunft derzeit 124 Menschen leben.

Warum ist die Notunterkunft abgeschottet?

An der Notunterkunft arbeitet ein Sicherheitsdienst rund um die Uhr, sagte Carsten Werft. Durch die Abschottung sei es einfacher, den Überblick zu behalten: Es gibt nur einen Zugang.

Wie sieht ehrenamtliche Hilfe der Twistringer aus?

Fast 30 Menschen engagieren sich in Twistringen ehrenamtlich, sagte Sonja Kirchner. Einmal im Monat gibt es ein Flüchtlingscafé, eine Fahrradwerkstatt ist im Aufbau. „Wir haben viele Ideen, aber dafür braucht es viele Menschen“, sagte Maria Stenner-Diekmann. Wer helfen will, meldet sich bei der Caritas.

Wie bezahlt die Stadt das?

Bürgermeister Martin Schlake sagte, dass es zu Beginn des Jahres eine Anschubfinanzierung durch den Landkreis gegeben habe. „Nächstes Jahr werden wir erheblich mehr Geld bekommen.“ Davon soll eine neue Sozialpädagogin angestellt werden.

Wie gehen die Flüchtlinge miteinander um?

Die meisten Flüchtlinge seien „sehr offen und aneinander interessiert“, sagte Sonja Kirchner. Michael Escher berichtete, dass es in der Notunterkunft unter den vielen Nationalitäten durchaus Spannungspotential gebe. „Das ist nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen – das stimmt einfach nicht.“

Wie sieht das Leben in der Notunterkunft aus?

Die meisten Neuankömmlinge seien sehr erschöpft und gingen schnell schlafen. Es herrscht viel Langeweile. Leider, berichtete Escher, müssen sich die Flüchtlinge immer wieder von Balkonen fotografieren lassen – wie Tiere im Zoo.

han

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