Ilona Hillebrand aus Twistringen fertigt Kunstwerke aus Wolle

Eine strickende Malerin

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Ilona Hillebrandt „malt“ lieber Wandbilder.

Twistringen - Von Janet Binder. Ilona Hillebrand „malt“ mit Wolle. Für ihre Bilder nimmt sie nicht Pinsel und Farbtopf zur Hand, sondern Stricknadeln und Garne. In einem Stück strickt die Twistringerin Landschaften oder Blumen. Ihre Werke sind Unikate.

Pullover und Jacken nach Anleitung stricken – das hat Ilona Hillebrand schon sehr oft gemacht. Inzwischen ist ihr das zu langweilig geworden. Lieber Wandbilder. Auf ihnen sind der Kilimandscharo, Stonehenge, Herbstlandschaften oder Blumen zu sehen. 15 Kunstwerke hat die 52-Jährige schon geschaffen, die sich selbst als „strickende Malerin“ bezeichnet. Das Besondere: Es werden keine Einzelteile zusammengenäht. „Mit dem eigentlichen Stricken hat das nichts mehr zu tun“, betont Hillebrand.

Für ihre Kunst hat sie sich eine besondere Strickmethode angeeignet: Die Kluge-Strickart, erfunden von der Berliner Textilgestalterin Gabriele Kluge. Strickanleitungen gehören für Hillebrand nun der Vergangenheit an. Für ihre Bilder braucht sie stattdessen einen „Lebensplan“ und die dazugehörigen Zahlen. „Feldbreite 25, Zahlenfolge 321112345 – mit dieser Vorgabe kann ich 200 Maschen aufnehmen und losstricken bis ich keine Lust mehr habe“, sagt Ilona Hillebrand. Als Navigationshilfe im Kunstwerk dienen ihr zahlreiche Sicherheitsnadeln. „Bei einem Pulli weiß ich schon am Anfang, was ich in Reihe 20 stricken muss“, sagt die Künstlerin. Beim Bild weiß sie es erst, wenn sie in Reihe 20 angekommen ist. „Das macht es aufregend.“

Vor sechs Jahren hat sie mit dem Bilderstricken angefangen. „Ich bin im Internet darauf gestoßen“, erzählt Hillebrand. Seitdem ist sie angefixt. Zurzeit werden einige ihrer Werke in einer Ausstellung im Gemeindehaus von Heiligenloh gezeigt. Die 52-Jährige sieht sich selbst als Künstlerin, nicht als Kunsthandwerkerin oder Handarbeiterin. „Ich muss genauso aufpassen wie ein Maler, ob die Farbzusammenstellung, der Kontrast, die Aufteilung und die Perspektive passen.“

Gabriele Kluge, bei der Hillebrand das Handwerk für ihre Kunst lernte, gibt seit zwölf Jahren Kurse in ihrer Stricktechnik. Mehr als 1000 Menschen weltweit hat sie bereits in die Geheimnisse eingeweiht, zumeist über das Internet. Viele der Strickbegeisterten treffen sich regelmäßig, um sich auszutauschen oder gemeinsam auszustellen.

Erfunden hat Kluge die Methode 1989, als sie eine Beschäftigung für einen langen Krankenhausaufenthalt brauchte. „Ich habe gelernt, Bilder zu weben“, erinnert sich die 67-Jährige. „Da dachte ich, das muss auch mit Stricken gehen.“ Es war möglich und hatte sogar Vorteile: „Ich kann im Winkel von 45 Grad stricken, das geht beim Weben nicht, und ich brauche keinen Webrahmen.“

Wie genau hinterher ein Bild aussieht, weiß ihre Schülerin Hillebrand nicht einmal während des Entstehungsprozesses. „Jedes meiner Bilder ist ein Unikat“, sagt sie. Selbst mit derselben Zahlenfolge komme beim nächsten Mal etwas anderes heraus. „Weil ich das Ergebnis vorher nicht kenne, habe ich die Motivation, immer weiter zu stricken.“ Die benötigt sie auch, denn 300 Stunden dauert es im Durchschnitt, bis ein Bild fertig ist.

Gestrickt wird mit dünnem Baumwollgarn und der kleinsten Nadelstärke. Dagegen sei früher so manch angefangener Pullover, der weniger Stunden in Anspruch nahm, nicht fertig geworden, fügt Hillebrand schmunzelnd hinzu.

Viele Betrachter seien fasziniert von den textilen Bildern, merkten aber an, dass sie doch schnell einstaubten. Den Einwand kann Hillebrand jedoch nicht nachvollziehen: „Ich nehme das Bild vom Keilrahmen ab, wasche es bei 40 Grad in der Waschmaschine und gebe es anschließend in den Trockner.“ Danach werde es wieder aufgespannt. So sei das Werk schnell frisch entstaubt. „Das kann man mit Ölbildern nicht machen.“

dpa/lni

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