Holger Willemsen baut alten VW Lupo zum Elektroauto um

Volltanken für 2,50 Euro

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Ute Abeling und Holger Willemsen würden sich über mehr Elektroautos auf deutschen Straßen freuen.

Heiligenloh - Von Maik Hanke. Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen – damit geben manche Vollblut-Autofans gerne an. Holger Willemsen nicht. Der Motor seines VW Lupo, Baujahr 2000, ist leiser. Eigentlich ist er fast gar nicht zu hören. Wie kann das sein? Willemsen vom Heiligenloher Fahrzeughaus Johann Abeling hat den Benziner in ein umweltschonendes Elektroauto umgebaut – und erkennt eine Marktlücke.

Willemsens Lupo ist ein Multitalent. Er fährt sich wie ein Automatikauto – hat aber trotzdem eine Kupplung. „Viele Leute schalten gerne. Dann sollen sie das auch können“, sagt Willemsen und fährt im fünften Gang an. Das zeigt: Er hat das Auto nicht nur für sich gebaut. Es ist ein Vorführwagen.

Natürlich hat das Auto eine Bremse. Aber im Prinzip reiche es schon, sagt Willemsen, vom Gas zu gehen, dann bremst der Motor automatisch. Und lädt dabei sogar ein Stück weit seine Batterien auf.

Einmal volltanken? Kostet gerade mal 2,50 Euro und geht mit einem ganz gewöhnlichen Stecker in einer ganz gewöhnlichen Steckdose. Auch Steuern und Versicherungen seien günstiger als bei Benzinern, berichtet Willemsen.

„Ich fahr am liebsten mit diesem Auto“, sagt der gelernte Kommunikationstechniker. „Ich habe ein sicheres Gefühl, weil nichts mehr kaputtgehen kann.“ Zumindest viel weniger als bei seinem bisherigen Auto.

So war Willemsen überhaupt auf die Idee gekommen: Sein Privatwagen hatte einen Motorschaden. Eine Ventilfeder war gebrochen. „Das wäre bei einem Elektroauto nicht passiert“, dachte sich Willemsen.

Zusammen mit seiner Chefin Ute Abeling arbeitete Willemsen die Idee aus. Die beiden kauften ein altes Auto mit stabiler Karosserie, einen Bausatz mit allen Teilen für ein E-Auto und legten los. Motor, Auspuff, Tank, Kühler – alles raus. Für 34 Batterien fand Willemsen dann Platz im Bereich des Tanks und in der Mulde für das Reserverad.

Zwischen Februar und Mai schraubte der Mechaniker am Auto, drei Stunden am Tag, neben dem Beruf. „Ich hab‘ das bewusst gebaut und mir Zeit gelassen“, sagt er. „Dass sich das einprägt fürs nächste Auto.“

Denn Willemsen und Abeling haben von Anfang an ein großes Geschäftspotenzial im Umbau von E-Autos gesehen. Auf Wunsch wollen sie künftig für Kunden Benziner zu Elektroautos umbauen.

Auto schafft bis zu

100 Kilometer

Ganz günstig ist das nicht. Der Bausatz kostet in der Anschaffung rund 12000 Euro. Das sei aber immer noch viel günstiger als ein E-Auto im Handel. Da gingen die Preise erst bei 30000 Euro los.

„Es ist eine Lobby da, die nicht daran interessiert ist, Elektroautos voranzubringen“, sagt Ute Abeling. Sie meint Staat, Auto- und Kraftstoffindustrie. Während sich etwa Handys rasend schnell entwickelten, gehe auf dem Batteriesektor seit Jahren nichts voran, ärgert sich Abeling.

Und da fangen die Nachteile des E-Autos an: In den Urlaub kommt man damit eher nicht. Mit voll aufgeladenen Batterien schafft das Auto gerade mal eine Strecke von 80 Kilometern, wenn man sparsam fährt, bis zu 100. Und einmal vollladen dauert fünf Stunden.

Das ist nicht gerade wenig. Daher rührt auch die Angst einiger Autofahrer, mit so einem Auto mitten auf der Strecke stehen zu bleiben. Abeling und Willemsen wollen daher Aufklärungsarbeit leisten.

„Das Auto lohnt sich für alle, die nicht mehr als 50Kilometer zur Arbeit fahren“, sagt Willemsen. Es sei auch als Zweitwagen geeignet. Während nur kurze Strecken zu fahren Benzin-Motoren schadet, mache auch das dem E-Motor nichts aus.

E-Autos voranzubringen, scheint für Willemsen fast schon eine Art Mission zu sein. „Ich gebe da nicht auf“, sagt er. „Auch wenn die Politik dagegen redet.“

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