Hilfen für die Kriegsopfer

Sozialverband Twistringen wird 70 Jahre alt

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Der Sozialverband Twistringen feiert im Oktober sein 70-jähriges Bestehen. Vorsitzender Bernhard Landwehr mit dem alten Buch des Gründungsmitgliedes Fritz Behrens (94).

Twistringen - Von Theo Wilke. Der Vorsitzende des Twistringer Sozialverbands blättert in den alten Schriften und zieht einen „kleinen historischen Schatz“ hervor: „Das ist das Mitgliedsbuch unseres Mitbegründers Fritz Behrens, er ist heute 94 Jahre alt“, schwärmt Bernhard Landwehr. Der Sozialverband feiert am Sonnabend, 7. Oktober, sein 70-jähriges Bestehen.

Auch Gründungsmitglied Knut Schmees, ebenfalls 94, sowie ehemalige Vorstände und Ehrengäste werden vom Vorsitzenden zur kleinen Jubiläumsfeier ab 15 Uhr im Bahnhofshotel Zur Börse eingeladen – zur Kaffeetafel, Chorauftritt, Jubilarehrung, Sketchen und zum gemeinsamen Lieder singen.

Behrens, bekannt durch seine Hutfabrik, und Schmees sind im Oktober 1947 in die damalige Reichsbund-Ortsgruppe eingetreten. Es sei ein schlimmes Nachkriegsjahr gewesen, sagt Bernhard Landwehr von der Steinstraße. Damals wie heute unterstützt der Sozialverband Ratsuchende unter anderem in Sachen Rente, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Behinderung, Berufskrankheit, Arbeitsunfall oder auch bei staatlichen Entschädigungsleistungen.

Mit klapprigem Motorrad unterwegs

Die Gründung und Entwicklung des damaligen Reichsbundes in Twistringen ist mit einem Namen ganz besonderes verbunden: Theo Kunst. Er hat die Ortsgruppe und zahlreiche weitere im Landkreis aus der Taufe gehoben. Der 1997 im Alter von 73 Jahren verstorbene Kunst war maßgeblich daran beteiligt, dass die Mitgliederzahl in Twistringen von anfänglich 80 nach drei Monaten sogar auf 212 kletterte. Und 1968 zählte die Ortsgruppe bereits 652 Mitglieder, 1988 waren es 520. Heute hat der Sozialverband 767 Mitglieder. Ein Grund dafür ist die Übernahme von 80 Mitgliedern der 2013 aufgelösten Ortsgruppe Heiligenloh – bereits 1941 gegründet.

Theo Kunst wirkte von 1947 bis 1992 als Vorsitzender. Ab 1964 war er bei der Kreisverwaltung im Sozialbereich beschäftigt. Der unermüdliche Twistringer auf „seinem klapprigen Motorrad“ sei eine der Keimzellen des Reichsbundes im damaligen Kreis Grafschaft Hoya gewesen, heißt es. Zu einer Zeit, als es noch keine Kriegsrente gab und viele in Not geratene Menschen Hilfe brauchten.

Jeden Sonntag Sprechstunde

Bernhard Landwehr erinnert an den 18. September vor 70 Jahren: „Im Saal von Balke-Krützmann, gegenüber der heutigen Kreissparkasse, erklärten 80 Teilnehmer spontan ihren Eintritt in den Reichsbund.“ Der erste Vorstand setzte sich unter anderem aus Theo Kunst, Heinz Kokemüller und Bernhard Meyer zusammen.

Jeden Sonntagmorgen bot der Reichsbund Sprechstunden im Clubzimmer von Gade an der Kirchstraße (heute griechisches Restaurant) an. Anträge konnten gestellt werden – für die Kriegsbeschädigten-Rente, für die Hinterbliebenen- sowie Witwen-, Waisen-, Eltern- und auch Unfallrente. Bernhard Landwehr: „Vor allem Theo und Steffi Kunst, Paul Finger, Bernhard Meyer, Heinz Nienaber und Heinz Kokemüller haben sich dabei unermüdlich eingesetzt.“

Der Reichsbund stellte seit seiner Gründung viel auf die Beine, beispielsweise die geselligen Tanzabende in den Sälen von Mohrmann und Gade. Die finanziellen Überschüsse verwendete der Reichsbund für den Kauf von Spielzeug für die Kinder von Hinterbliebenen. Weihnachtsfeiern, zu denen die Gäste Teller, Tassen und Bestecke mitbringen mussten, wurden organisiert. Und der Verein musste für das Beheizen des Saales selbst das nötige Brennmaterial aufbringen. „Das hat sich alles geändert, aber die Geselligkeit pflegen wir auch heute noch“, betont Vorsitzender Landwehr. Ganz wichtig: Fachliche Beratungen werden in Syke und Sulingen angeboten.

Auch in Zukunft, so Landwehr, sei es das wichtigste Ziel des Sozialverbandes, seinen Mitgliedern in sozialen Fragen aller Art zur Seite zu stehen, ihnen zu helfen beziehungsweise Hilfen zu vermitteln.

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