Rosemarie Bistritzky mag ihren Außenarbeitsplatz im Haus Mörsen

„Hier werde ich gebraucht und angenommen“

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Rosemarie Bistritzky mag ihre Arbeit im Haus Mörsen. Im Bild mit Lucie Hopmann (r.) und Hedwig Hammann (l.).

Mörsen - Von Theo Wilke. Die Frühlingssonne scheint durchs Fenster im Haus Mörsen am Denkmal. Im Obergeschoss sitzt Lucie Hopmann in der Essecke. Die 75-Jährige lässt sich gern von Aushilfskraft Rosemarie Bistritzky eine Birne schälen. Rosi, wie sie von allen genannt wird, ist seit 2014 über das Projekt „Außenarbeitsplatz“ der Bassumer Delme-Werkstätten in der Senioreneinrichtung von proVitalis beschäftigt. „Die Arbeit hier hat mein Leben zum Positiven verändert“, erzählt die 52-Jährige.

Die geborene Hamburgerin hat es vor Jahren mit ihren Eltern nach Twistringen verschlagen. Heute wohnt sie in Binghausen. Rosemarie Bistritzky ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder, außerdem vier Enkelkinder. „Wenn ich morgens gegen 7.30 Uhr zur Arbeit komme, sage ich erstmal Guten Morgen.“ Sie helfe zunächst beim Frühstück verteilen auf den Zimmern. Das sei eine schöne Aufgabe. Und fügt hinzu: „Hier werde gebraucht und angenommen.“

Dafür ist sie den Delmewerkstätten und dem Haus Mörsen dankbar. Schließlich wird sie für ihre Arbeit auch bezahlt. Im Rahmen des beruflichen Bildungsangebotes der Delmewerkstätten hat die ungelernte Binghauserin ihre Chance genutzt und möchte diese Beschäftigung nicht mehr missen.

Im Haus Mörsen betreuen mehr als 30 Beschäftige zurzeit 34 Bewohner. Einrichtungsleiterin Anne Bräuer ist sichtlich zufrieden und lobt: Rosi werde von allen geschätzt. Vorher habe man keine Erfahrungen mit Außenarbeitsplätzen gehabt. „Rosi ist eine wirkliche Hilfe, und sie ist beliebt bei den Bewohnern“, betont die Chefin.

Anfangs sei es ungewohnt gewesen, gerade in solch einer Senioreneinrichtung jemanden ohne berufliche Vorbildung zu beschäftigen. Das habe zunächst viel Zeit und Begleitung erfordert, schildert Betreuungsfachkraft Michelle Gaßmann, die im Alltag die Ansprechpartnerin ist. Wenn Rosi mal krank sei und morgens nicht komme, dann werde sie gleich im Haus vermisst.

Gaßmann und das übrige Team werden mit ihrer Aushilfskraft nicht allein gelassen. Michaela Teitge hat sich in den ersten beiden Jahren als Bildungsbegleiterin von den Delmewerkstätten um Rosi gekümmert. Teitge bringt Menschen auf den ersten Arbeitsmarkt. Außenarbeitsplätze seien eigentlich für ein Jahr befristet, aber Rosi sei ein gutes Beispiel dafür, dass Verträge auch verlängert werden. „Wichtig ist hier die Teilhabe an allem, und ebenso wichtig bei Menschen mit Handicap die regelmäßige Begleitung.“

Bei Problemen im beruflichen Alltag ist Stefanie Ebeling zuständig. Sie kommt vom Qualifizierungs- und Vermittlungsdienst des Bildungszentrums der Delme-Werkstätten in Syke.

Ebeling freut es auch, dass Rosemarie Bistritzky ihren Job mag, dass sie anpackt, wo sie gebraucht wird – ob beim Anreichen im Pflegebereich, Betten machen, beim Spüldienst in der Küche, oder um mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen, mit ihnen Spiele zu spielen oder einfach nur mit ihnen spazieren zu gehen.

Nachmittags reicht Rosi den Senioren noch Kaffee, Kuchen, weitere Getränke oder Obst. Wenn alle Bewohner versorgt sind, dann hat Rosi Bistritzky Feierabend, radelt nach Hause und freut sich auf den nächsten Tag.

„Wir möchten mit diesem Beispiel Unternehmen in Twistringen und umzu Mut machen, auch Außenarbeitsplätze anzubieten“, sagt Ute Stollreiter, bei den Delme-Werkstätten für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Firmen könnten erst einmal ein Praktikum ermöglichen.

Die Delme-Werkstätten haben bislang 27 Außenarbeitsplätze, von Diepholz im Süden bis Oldenburg im Nordwesten. In Twistringen gibt es zurzeit zwei Außenarbeitsplätze. Stefanie Ebeling wünscht sich, dass es mehr werden: „Wir haben ein breites attraktives Betreuungs-, Förder-, Bildungs- und Arbeitsangebot.“

Alle bisherigen Betriebe, die Außenarbeitsplätze anbieten, würden sagen, es sei ein Gewinn. Man müsse sich nur öffnen, heißt es. Ebeling: „Wir lassen die Betriebe auch nicht allein mit den Menschen, sondern unterstützen und begleiten sie. Wer interessiert ist, meldet sich im Bildungszentrum in Syke unter 04242/ 1688325 oder E-Mail s.ebeling@delme-wfbm.de melden.

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