Klimaneutral bis 2035 ist das Ziel

Grüne Lunge Twistringen: „Eine Win-win-Situation“

Klimafachgruppen-Gründer Christian Masurenko.
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Projekt-Entwickler in der Wirtschaft und für den Klimaschutz vor Ort: Christian Masurenko.

Klimaneutralität bis 2035: Hierzu soll das Projekt Grüne Lunge Twistringen beitragen. Damit sei er im Rathaus offene Türen eingerannt, erzählt Christian Masurenko.

Twistringen – Manchmal kann Politik auch schnell gehen: Im März hatte die Kreiszeitung erstmals über eine neue Klimafachgruppe in Twistringen und das damals noch „Grüne Zunge“ genannte Projekt berichtet. Vor Kurzem hat der Stadtrat über die ersten Projekte der Gruppe abgestimmt: Er gab mit großer Mehrheit grünes Licht für die Grüne Lunge Twistringen.

Dahinter verbirgt sich die Idee, drei innerstädtische Parkanlagen – den kleinen Park hinter der Bücherei, den Hochzeitswald sowie den Reisegarten – im Sinne des Klimaschutzes zu gestalten.

Der Hochzeitswald: Die Grüne Lunge greift die Idee „Mehrgenerationenplatz“ neu auf.

Von der Geschwindigkeit, mit der die Stadtpolitik die Initiative pro Klimaschutz aufgegriffen hat, war auch Christian Masurenko überrascht. Der studierte Geologe arbeitet in der freien Wirtschaft in der Rohstoffgewinnung – was er mit einem Augenzwinkern die „dunkle Seite der Macht“ nennt.

Damit, wo Rohstoffe herkommen und wie „vernünftig“ damit umgegangen werden könne, beschäftigt sich Masurenko also schon länger. Er erzählt: „Für mich war das ein logischer Schritt: Zu fragen, was kann ich vor Ort machen?“

Sein Engagement fürs Klima habe einerseits mit seiner Zugehörigkeit bei den „Scientists for Future“ zu tun. Die „Wissenschaftler für die Zukunft“ unterstützen die Jugendbewegung „Fridays for Future“ mit Forschungsdaten und Analysen. „Die Kurve geht hoch“, sagt Masurenko über die Klimadaten. Und: „Starkwetterlagen werden zunehmen.“

Klimaschutzorganisation „German Zero“ als Impuls

Andererseits war er auf die Klimaschutzorganisation „German Zero“ gestoßen. Die fordert, dass Deutschland bis 2035 klimaneutral wird: Ein Ziel, das die Organisation über kommunales Engagement erreichen will. Um Druck zu machen, empfiehlt „German Zero“, einen sogenannten Klimaentscheid per Bürgerbegehren und gegebenenfalls folgendem Bürgerentscheid durchzusetzen.

Aber anders als in anderen, zumeist größeren, Städten habe er in Twistringen nicht erst Unterschriften sammeln müssen, damit die Politik seinem Anliegen Aufmerksamkeit schenkt. Vielmehr habe sich Bürgermeister Jens Bley sofort „sehr offen“ gezeigt.

Wenn auch zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten: Seit 2014 existiert ein – seinerzeit in Kooperation mit Bassum entstandener – Klima-Katalog mit mehr als einhundert Punkten. Auf den können Stadt und Bürgerinitiative in Twistringen nun zurückgreifen, auch wenn nicht mehr alles auf dem neuesten Stand ist. Und auch wenn Twistringen ein eigener Klimaschutzmanager fehlt – die städtische Gleichstellungsbeauftragte Heike Harms springt dafür neben ihren anderen Aufgaben ein.

„Wir versuchen, Nägel mit Köpfen zu machen“, sagt Christian Masurenko. An das Thema Klimaschutz geht er heran wie jemand, der aus der Wirtschaft mit Projektmanagement vertraut ist: systematisch, lösungsorientiert. Von der großen Klimafachgruppe mit rund 20 Mitstreitern sei die Grüne Lunge ein Unterprojekt, jeweils mit Untergruppen für die verschiedenen Themenschwerpunkte.

Finanzierungsmodelle und Förderprogramme nötig

Zur Machbarkeit zählt für Masurenko auch das Finanzielle: „Wie können wir das wirtschaftlich umsetzen?“ Deswegen müsse man schauen, was es für Förderprogramme gebe und genaue Finanzierungsmodelle vorbereiten: Laut Masurenko ein Beispiel dafür, wie Projektmitglieder ihre unterschiedlichen Hintergründe in der Wirtschaft oder in der Verwaltung einbringen.

Mit der Grünen Lunge, hofft Masurenko zu einem Umdenken beizutragen. Die Frage, „Was ist Klimaschutz?“, richte sich dabei nicht nur nach außen. „Die Klimafachgruppe dient als Lernprojekt“, sagt er.

Masurenko ist wichtig, „dass man gemeinsam versucht, etwas zu entwickeln.“ Dazu gehöre auch, dass die Klimafachgruppe in Dialog und nicht in Konkurrenz zu anderen treten will. Er nennt etwa den Seniorenbeirat, das Klima-Aktions-Bündnis, die Unternehmensgemeinschaft GUT. Oder auch die – gegenüber der Mehrgenerationenpark-Idee skeptischen – Anwohner am Hochzeitswald. „Stakeholder“, noch ein Begriff aus der Wirtschaft, fällt Masurenko dazu ein: „Die Anwohner sind Teilhaber“, stellt er fest.

Grüne Lunge „ist eine Win-win-Situation“ für Twistringen

Die Grüne Lunge, findet der Projekt-Initiator, „ist eine Win-win-Situation“: Die Stadt könne die Klimaneutralität schaffen, die Firmen könnten sich präsentieren und die Bürger attraktiver leben.

Und was trägt die Grüne Lunge zum Klimaschutz bei? Masurenko verweist auf das geplante Staudenbeet im Reisegarten, das Anregungen für den eigenen Garten bieten soll. Und Gärten, unterstreicht er, sind fürs Klima durchaus relevant: „Gärten machen 60 Prozent der Natur in Deutschland aus – weil wir so zugebaut sind.“

Ihr erstes Projekt hat die in Corona-Zeiten gegründete Klimafachgruppe Twistringen übrigens auf den Weg gebracht, ohne sich einmal im selben Raum getroffen zu haben. „Bisher war alles online, aber es hat funktioniert“, erzählt Masurenko. Nun hofft er, dass es nach der Sommerpause in Präsenz weitergehen kann. Er denkt auch schon an Folge-Projekte, wenn er sagt: „Klima ist in aller Munde, Covid geht wieder zurück.“

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