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CO2-Ampeln und Luftreinigungsanlagen an Twistringer Schulen und Kitas?

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Von: Katharina Schmidt

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Auch im Winter muss gelüftet werden. Dieser hübsche Schneemann ziert ein Fenster der evangelischen Kita, die derzeit noch in den Mobilbauten in Scharrendorf haust.
Auch im Winter muss gelüftet werden. Dieser hübsche Schneemann ziert ein Fenster der evangelischen Kita, die derzeit noch in den Mobilbauten in Scharrendorf haust. © -

Twistringen – Bei Grün ist alles in Ordnung, Rot bedeutet: Lüften! Sogenannte CO2-Ampeln signalisieren, wann es Zeit ist, die Fenster aufzureißen. Sollte die Stadt Twistringen solche Ampeln für Schulen und Kitas anschaffen? Und was ist mit mobilen Luftreinigungsanlagen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Ausschuss für Soziales, Schulen, Jugend, Integration und Sport am Donnerstagabend im Gymnasium.

Twistringen - Die Mehrheit der Ausschussmitglieder votierte dafür, erst einmal eine vierwöchige Testphase zu machen, bevor die Stadt Geräte bestellt, die womöglich gar nicht nötig sind.

Udo Helms (FWG) hielt dagegen: „Wir kommen doch mit Prüfen nicht weiter. Wir müssen jetzt handeln!“ Er stimmte als Einziger dem Beschlussvorschlag der Verwaltung zu, direkt CO2-Ampeln für alle Klassenräume in den Grundschulen und im Gymnasium zu beschaffen, in denen unter Zwölfjährige unterrichtet werden. Für die Haupt- und Realschule ist nicht die Stadt zuständig, sondern der Landkreis.

Das Problem mit dem Straßenlärm

Grundlage für die Diskussion über die Ampeln und Luftreinigungsanlagen bildete ein Antrag der Grünen. Die Fraktion hatte Ende November angesichts der Pandemie gefordert, die Verwaltung möge alle Klassenräume prüfen: Lassen sie sich gut lüften? Sind Luftreinigungsanlagen sinnvoll? Gibt es Fördergelder für solche Anlagen? Die Fraktion hob in dem Antrag insbesondere Räume im Altbau der Grundschule am Markt hervor, deren Fenster zur Bahnhofstraße raus gehen. Bei offenen Fenstern sei es dort durch den Straßenlärm schwer, dem Unterricht zu folgen.

Die Verwaltung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich sämtliche Klassenräume im Twistringer Stadtgebiet gut lüften lassen. Drum gebe es keinen Anspruch auf Fördermittel für Luftreinigungsanlagen. Daran ändere auch der Straßenlärm nichts.

Schön sind solch laute Geräusche natürlich trotzdem nicht. Laut Anke Raven, Leiterin des Fachbereichs Schule und Soziales, sollen diese Räume der Grundschule Am Markt künftig als Lehrerarbeitsräume dienen. Die Klassen können stattdessen im Neubau unterkommen.

Dort gibt es bereits fest installierte Anlagen, die Luft umwälzen. So etwas in die Bestandsgebäude einzubauen, würde der Verwaltung zufolge rund 20 000 Euro pro Klassenzimmer kosten. Und: „Wir bräuchten eine sehr lange Vorlaufzeit“, erklärt Raven.

Mobilie Luftreinigungsanlagen können Lüften nicht ersetzen

Die mobilen Luftreinigungsanlagen seien mit einem Stückpreis von 4000 Euro günstiger, würden dem Raum jedoch keine Frischluft zuführen und das Lüften somit nicht ersetzen. Zudem seien viele Geräte vom Geräuschpegel mit dem Brummen eines Kühlschranks vergleichbar. Das sei für die Konzentration nicht gerade förderlich, insbesondere bei Klassenarbeiten.

Die Verwaltung schlägt vor, von Luftreinigungsanlagen abzusehen und stattdessen mit CO2-Ampeln das richtige Lüften zu unterstützen. Für die Ampeln würde es auch Fördergelder geben. „Der Förderbescheid ist da. Die Gelder sind also sicher“, sagt Raven. Die Kosten würden voraussichtlich etwa 8000 Euro betragen, 20 Prozent davon müsste die Stadt selbst zahlen.

Ein Schnäppchen. Aber immer noch Steuergelder. Darauf machte unter anderem Schülervertreterin Naomi Mbiyeya aufmerksam, die das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium besucht. Ihr zufolge sollte man erst testen, ob die Geräte überhaupt gebraucht werden. „Es ist mittlerweile zur Regelmäßigkeit geworden, alle 20 Minuten das Fenster aufzumachen“, erzählte Mbiyeya. Daher wäre es ihrer Ansicht nach spannend zu wissen, wann die Ampeln von Gelb auf Grün springen.

Im Ausschuss tauchte noch die Sorge auf, die Ampeln könnten ablenken. Insgesamt hatte aber niemand was dagegen, die Ampeln zumindest in ein paar Räumen auszuprobieren.

Luftreinigungsanlagen: Die Meinungen gehen auseinander

Bei den Luftreinigungsgeräten gingen die Meinungen weiter auseinander. Fritz Wüppenhorst (FDP) findet zum Beispiel: „Damit brauchen wir gar nicht erst anfangen.“ Mirsad Berisha (Grüne) ist anderer Meinung: „Wenn durch Luftreinigungsanlagen ein Kind weniger infiziert wird, ist schon viel gewonnen.“

Die Schulen stehen den CO2-Ampeln laut Raven offen gegenüber, sind bezüglich der mobilen Luftanlagen aber skeptisch – wenn überhaupt, sollten sie nicht zu viel Platz wegnehmen und leise sein.

Der Beschlussvorschlag des Ausschusses sieht vor, beides zu testen: mobile Luftreinigungsanlagen und Ampeln. Nach der Testphase soll die Verwaltung ohne weitere Beratungen im Ausschuss entscheiden können, wie sie vorgeht, damit sich die Geschichte nicht zu lange hinzieht. Bevor es in die Testphase gehen kann, hat der Verwaltungsausschuss noch ein Wörtchen mitzureden.

Luftreinigungsanlagen könnten auch in Kitas sinnvoll sein

Im ursprünglichen Antrag war von Kitas noch gar nicht die Rede, dementsprechend hat die Verwaltung sich bei ihren Prüfungen und Berechnungen auf die Schulen konzentriert. Dagmar Beuke-Pölking, Vertreterin der Kitas im Ausschuss, merkte aber an, dass CO2-Ampeln gerade für Kinder sinnvoll wären. Diese könnten noch nicht die Uhr lesen und selbstständig nach 20 Minuten lüften – durch eine Ampel könnten sie beim Lüften stärker eingebunden werden.

Mit ihrem Vorschlag traf sie auf Zustimmung. So sagte etwa Marvin Schwenker (CDU): „Wir sollten das gerade für Kitas ausprobieren, um Kinder früh für das Lüften zu sensibilisieren.“

Von Katharina Schmidt

Das Kopfsteinpflaster der Bahnhofstraße lässt den Verkehr nicht gerade vorbeischleichen.
Das Kopfsteinpflaster der Bahnhofstraße lässt den Verkehr nicht gerade vorbeischleichen. © Schmidt

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