Stadt: Gespräche im Frühjahr

Twistringer Bahnhof und Umfeld schrecken Reisende ab

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Für den Kiosk wird ein Nachmieter gesucht.

Twistringen - Von Theo Wilke. Den „großen Wurf“ für einen modernen Bahnhof hat die Stadt Twistringen vor Jahren verpasst. Ein privater Käufer sollte es richten. Investor Klaus Knoll hat Wohnungen und Gebäudeteile saniert, aber in Sachen Kiosk-Pächter jetzt die nächste Pleite erlebt.

Und das Bahnhofsumfeld ist laut einer Studie der Agentur Bahnstadt aus Berlin „wenig einladend“. Bürgermeister Martin Schlake möchte dies 2018 ändern. Für eine Fördermaßnahme im Rahmen der Stadtsanierung ist es allerdings zu spät.

Der Bürgermeister kündigt im Gespräch mit dieser Zeitung an, der Bauausschuss solle sich im Frühjahr mit dem Thema beschäftigen. Schlake denkt an einen Ortstermin, schon wegen fehlender Fahrradboxen und der im Gutachten kritisierten Park- und Vorplatzsituation am historischen Bahnhof, der aus der Zeit um 1873 stammt. Der Eingang zum Bahnhof ist nicht barrierefrei. 

Auch ein Gespräch mit Bahnhofsbesitzer Knoll aus Bassum sei vorstellbar. „Das Sicherheitsgefühl für die Bahnreisenden steht oben an“, erklärt Schlake. Im Durchschnitt hat Twistringen täglich um die 1 800 Ein- und Aussteiger im Zugverkehr.

Gastrobetrieb erneut verweist

Klaus Knoll ist enttäuscht. Nach einem Jahr ist der Gastronomiebereich erneut verwaist. Schnellstmöglich müsse der Betrieb weitergehen, damit auch die Toiletten wieder zugänglich seien, betont der Eigentümer auf Nachfrage. Ihm schwebt für die Zukunft neben Kiosk, Bistro und Lounge ein Sportwettenbüro vor. Und er fügt hinzu: „Die fünf Wohnungen laufen!“

Modern geht aber anders, das hat die Deutsche Bahn bewiesen, als sie ihren Gleis- und Bahnsteigbereich erneuerte. Die Wartehalle im Bahnhof ist zurzeit keinen Besuch oder Aufenthalt wert. Der Schaukasten ist zerstört. Bahngäste meiden lieber das Gebäude.

Ohne Fördertopf der Stadtsanierung

Auf die Frage, ob sich die Stadt vorstellen könnte, den Bahnhof zurückzukaufen, kommt vom Bürgermeister ein klares Nein: „Wir sehen für die nächsten Jahre andere Schwerpunkte, zum Beispiel die Schulen, die Kitas, den Straßenbau.“

„Das Förderfenster ist geschlossen“, erklärt dann Christian Gelhaus aus dem Fachbereich Stadtentwicklung und Wirtschaft. Für eine Maßnahme im Rahmen der Innenstadtsanierung sei es zu spät, sie laufe nach drei Verlängerungen Ende 2018 aus. Im Übrigen hätte auch der Bahnhofsbesitzer Zeit genug gehabt, sich im Zuge der sattsam bekannten Stadtsanierung um Steuervorteile zu bemühen.

Kein Aushängeschild: der Twistringer Bahnhof.

„Eigentum verpflichtet“, fügt der Bürgermeister hinzu, meint damit nicht nur den Privateigentümer. Für Schlake und Gelhaus steht im Vordergrund, das Bahnhofsumfeld in städtischer Hand ansprechend zu gestalten.

Gelhaus erinnert daran, dass die Stadt den Bahnhof vor gut zehn Jahren verkaufen musste, weil sie keinen Ankermieter fand und viele Ideen nicht passten. Auch die Ansiedlung der Stadtbücherei sei nur bedingt eine Alternative gewesen. Gebäude und Gelände dösten vor sich hin. Christian Gelhaus weiter: „Wir haben den großen Wurf nicht auf die Reihe bekommen. Heute ist das Fenster der Stadtsanierung geschlossen.“

Im Frühjahr, meint Martin Schlake, werden sich Rat und Verwaltung mit den Mängeln in der Bahnhofsstudie beschäftigen.

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