Keine Minusgrade zu Weihnachten

Heiligabend in der Tiefkühlhalle: Pfarrei St. Anna feiert Gottesdienst bei Gemüse Meyer

Normalerweise herrschen Minusgrade in der Tiefkühlhalle von Gemüse Meyer. Doch an Heiligabend ist sie Veranstaltungsort für die Pfarrei St. Anna in Twistringen.

Twistringen – Draußen bricht die Dämmerung herein, aber in der großen Halle ist es taghell. Dafür sorgen mehr als 100 Leuchtröhren. Unter ihnen stehen auf einer Fläche von rund 3 650 Quadratmetern Klappstühle und Tannen. Die prächtigen Bäume reichen trotz einer Höhe von gut vier Metern nicht einmal ansatzweise bis an die Decke. Dort, in der neuen Tiefkühlhalle von Gemüse Meyer, soll schon im nächsten Frühling bei minus 22 Grad Gemüse lagern. Aber am 24. Dezember dient die Halle zunächst einem ganz anderen Zweck: Dann ist sie Schauplatz der Krippenfeier und des Weihnachtsamts der Pfarrei St. Anna.

StadtTwistringen
Bevölkerung12.417
BürgermeisterJens Bley
Postleitzahl27239

Am Dienstagnachmittag gab es noch einiges zu regeln. Wo soll die Bühne hin? Und wie stehen die Stühle am besten? Die Location ist immerhin ungewöhnlich. Aber die aktuellen Zeiten sind es auch. Weil es in der St.-Anna-Kirche angesichts der Coronapandemie zu eng werden würde, weichen die Verantwortlichen auf die Halle von Gemüse Meyer aus. Irgendwie passt es ja ein Stück weit zur Weihnachtsgeschichte. Der Stall von Bethlehem war schließlich auch eine aus der Not heraus geborene Lösung.

Gemüse Meyer: Mitarbeiter packen mit an

Die Firma Meyer stellt nicht nur den noch nicht vollends fertiggestellten Neubau zur Verfügung. Mitarbeiter des Unternehmens packen auch kräftig mit an. Sie haben die Tannen besorgt, Verlängerungskabel verlegt und sogar eine Krippe herangeschafft. Pfarrer Joachim Kieslich freut das. „Die sind mit Herzblut dabei“, sagt er anerkennend.

Könnte glatt ein Filmset sein: Die neue Lagerhalle von Gemüse Meyer samt Bestuhlung und Tannenbäumen.

Damit eine stimmungsvolle Atmosphäre aufkommt, werden die Leuchtröhren an der Decke wohl ausgeschaltet und durch einzelne Strahler ersetzt. Ein paar Strohballen hier, ein dekorativer Ackerwagen dort – und aus einer eher nüchtern wirkenden Halle wird ein Ort, der Weihnachten würdig ist. Auch wenn der Bau künftig als Kühlhaus dienen soll: minus 22 Grad müssen die Gottesdienstbesucher nicht befürchten. Gleichwohl könnte es frisch werden.

Die Entscheidung, die Gottesdienste an Heiligabend überhaupt zu feiern, fiel schwer. Überall im Bistum Osnabrück und im Dekanat Twistringen lag sie den Haupt- und Ehrenamtlichen schwer auf dem Magen. Eine klare Empfehlung gab es laut Pastoralreferentin Birgit Hosselmann seitens des Bistums nicht. So müssten es die Gemeinden vor Ort selbst entscheiden, ob und wenn ja: wie sie Gottesdienste feiern.

Im Vertrauen auf verantwortiches Handeln

Für die Pfarrei St. Anna mit den Kirchenorten Twistringen, Marhorst, Bassum und Harpstedt gilt: Im Vertrauen auf allgemeines verantwortliches Handeln und unter besonderer Beachtung der überarbeiteten Hygienekonzepte finden die Gottesdienste wie angekündigt statt. Pfarrer Kieslich zufolge zeigt sich, dass einzelnen Gemeindemitglieder um die Teilnahme an den Festgottesdiensten ringen. Das würden die Anmeldezahlen belegen. Einige gäben ihre Einlasskarten zurück. Das Zurückgeben sei hilfreich und erwünscht, erleichtere es doch die Planung.

Gesungen werden darf nicht. Und: Höchstens fünf Musiker sind erlaubt. Daher kann das Blasorchester in diesem Jahr beim Weihnachtsamt um 17 Uhr nicht auftreten. Juliane Borchers springt dafür ein und wird mit ihren Söhnen Philipp und Jonas musizieren. Die Krippenfeier beginnt um 15 Uhr.

Zusätzlich zu den Feiern in der Gemüsehalle und zu den Gottesdiensten in den anderen Kirchorten gibt es kleine Outdoor-Gottesdienste, zum Beispiel am Centralplatz. Darüber hinaus sind in den Ortskirchen die Krippen aufgestellt. Allerdings gelten auch dort die Hygienevorschriften. Wer einen Gottesdienst besucht, muss sich anmelden und seine Einlasskarte dann mitbringen. Die genauen Zeiten und weitere Infos sind im Pfarrbrief zu finden.

Krippenspielgottesdienste vor der Kirche

Der Kirchenvorstand der evangelischen Martin-Luther-Gemeinde führt seine Gottesdienste ebenfalls als Präsenz-Veranstaltungen durch. Krippenspielgottesdienste gibt es um 14.30 und 16 Uhr draußen vor der Kirche. „Derzeit ist der Anmeldestand noch niedrig“, sagt Pastor Elmar Orths. „Ich kann nachvollziehen, dass Menschen sehr unsicher sind, ob sie in diesem Jahr, unter diesen Bedingungen, einen Gottesdienst wahrnehmen wollen. Und jede Entscheidung ist vollkommen in Ordnung.“ Jedoch seien Anmeldungen aufgrund der Landes-Corona-Verordnung zwingend erforderlich. „Wir können nicht zusagen, dass eine spontane, unangemeldete Teilnahme an einem Gottesdienst möglich ist“, so der Pastor. Anmeldungen sind nur noch bis Mittwoch möglich unter ev-twistringen.gottesdienst-besuchen.de.

Das Krippenspiel wird in der Gemeinde in diesem Jahr als Film gezeigt (wir berichteten). „Die Eltern und Kinder haben sich sehr kreative Drehorte einfallen lassen. Dadurch wird die Frohe Botschaft direkt in unsere Gegend und sehr deutlich in unsere Zeit verlegt“, so Orths.

Selbst wenn das Wetter sich nicht von der besten Seite zeigen sollte: Die Kirchengemeinde Heiligenloh-Colnrade will in Heiligenloh ebenfalls draußen vor dem DGH in Heiligenloh zum Krippenspiel und zu Posaunenmusik zusammenkommen. In Colnrade gibt es weitere Angebote unter freiem Himmel. Später folgt dann die Christnacht in den Kirchen (22 Uhr in Colnrade und 23 Uhr in Heiligenloh). Auch hier gilt: Anmeldung ist Pflicht – und noch bis spätestens Mittwochabend möglich.

Rubriklistenbild: © Schmidt

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