Glück im Unglück

Neue Dekanatsjugendreferentin Judith Baalmann: Entspannter Start dank Corona

Twistringen – Den Start in ihren neuen beruflichen Lebensabschnitt hatte sich Judith Baalmann sicher anders vorgestellt. Seit dem 1. Juli ist die 27-Jährige neue Jugendreferentin im Dekanat Twistringen. Ihr Zuständigkeitsbereich erstreckt sich von Stuhr im Norden bis Stolzenau im Süden – ein Gebiet mit rund 25 000 Katholiken. Doch statt Veranstaltungen für junge Kirchenmitglieder zu planen, wälzt Baalmann vor allem Corona-Auflagen.

Besuch im gläsernen Gemeindehaus an der Twistringer St.-Anna-Kirche: Baalmanns Büro liegt im Obergeschoss. Viel Licht, knallbunte Einrichtungsgegenstände. Die Dekanats-Neuzugängerin aus Hunteburg (Kreis Osnabrück) sitzt in einer kleinen blauen Sofa-Landschaft und strahlt. „Die Leute hier sind toll“, sagt sie. Einen Monat lang habe ihr Vorgänger Martin Holtermann sie eingearbeitet. Der hatte den Posten fast sechs Jahre inne. Jetzt sitzt er auf einem bunten Sessel neben Baalmann und wirkt ebenfalls zufrieden. „Es ist gut, dass die Stelle nachbesetzt wurde“, sagt Holtermann. Er macht seit einem Jahr eine pastorale Ausbildung, hatte als Jugendreferent zuletzt nur noch Zeit für das Nötigste. „Das war keine Lösung“, gibt er zu.

Jetzt ergänzt der 32-Jährige im Rahmen seiner Ausbildung das Twistringer Pastoralteam – und macht Platz für Judith Baalmann. Die war zuvor für das Kursangebot am Jugendhof in Vechta zuständig, suchte langfristig einen Job mit mehr Kreativität und Abwechslung. Fündig wurde die studierte Theologin und Philosophin in Twistringen.

Gelungener Start trotz Corona. Judith Baalmann hat im Juli als neue Dekanatsjugendreferentin in Twistringen angefangen. Martin Holtermann freut sich, das Amt in verantwortungsvolle Hände abgeben zu können.

Dass Baalmanns Berufswechsel in der Corona-Pandemie lag, bezeichnet ihr Vorgänger als „Glück im Unglück“. Baalmann hatte dadurch Zeit, sich in Ruhe einzuarbeiten und einzulesen. Auch wenn der praktische Teil trotz Covid-19 nicht komplett ausblieb: Die Dekanatskinderfreizeit war zwar ins Wasser gefallen: Kleine Tagesveranstaltungen für junge Kirchenmitglieder gab es dennoch. Und hier konnte Baalmann sich bereits einbringen. Und langfristig? Da wünscht sich die 27-Jährige vor allem ein „offenes Büro“. Bei ihr sollen nicht nur die Fäden aus dem Dekanatsleitungsteam zusammenlaufen, sie will auch immer ein offenes Ohr haben für die Anliegen der jungen Kirchenmitglieder.

Auch wenn Judith Baalmann nicht vor hat, bald wieder zu gehen: Ganz allein muss sie ihr neues Amt zumindest derzeit noch nicht stemmen. Martin Holtermann unterstützt sie mit 20  Prozent seiner Stelle – als Jugend-Seelsorger. „Das ist toll, weil ich die Leute da alle kenne“, freut er sich. Was ist mit den anderen 80 Prozent? Die waren beim Gespräch in der Sofa-Landschaft noch weitgehend unklar. Für den Folgetag war ein Teamtreffen geplant. Gemeindeassistentin Johanna Ratte verabschiedet sich aus Twistringen. Ein Teil ihrer Aufgaben könnte zukünftig an Holtermann übergehen.

Der ist erst einmal froh, wenn er die Jugendarbeit ein wenig reduzieren kann. Er rechnet mit einer „großen Umstellung“. Am vergangenen Wochenende dürfte ihn seine Vergangenheit allerdings noch einmal eingeholt haben. Da hatte er mit Pastorin Anke Orths einen ökumenischen Gottesdienst für die Einschulung der Erstklässler in Heiligenloh geplant – seine erste Amtshandlung.

An das Strahlen von Judith Baalmann kommt Holtermann derzeit aber noch nicht heran. Vielleicht auch deswegen platzt es aus ihm heraus: „Ich bin total gespannt!“ Worauf? Darauf, wie sich Judith einfindet.

Kirchenarbeit in Zeiten von Corona

Die Corona-Pandemie wirkt sich nicht nur auf Judith Baalmanns neuen Arbeitsalltag aus, in dem sie jetzt Hygienekonzepte für Veranstaltungen aufstellen muss. Auch andere Haupt- und Ehrenamtliche haben umgestellt. Baalmann berichtet unter anderem von mehreren Video-Konferenzen in den vergangenen zwei Monaten – etwa mit Teams in Münster oder Gelsenkirchen. Aber auch im Dekanat Twistringen ist die Internet-Telefonie auf dem Vormarsch: Die Wahl für das neue Dekanatsleitungsteam am 5. Juli lief nur online.

„Das wird sich weiter so halten“, ist Martin Holtermann überzeugt. Gerade für kurze Absprachen, bei denen sich die Anfahrt kaum lohne, seien die Konferenzen praktisch, findet Baalmann. Für komplexe Themen, da sind sich beide einig, seien richtige Treffen auch in Zukunft unverzichtbar.

Wie sieht es mit dem digitalen Wandel bei Dekanats-Veranstaltungen aus? Sind Treffen im echten Leben überhaupt noch „in“ bei jungen Leuten? Holtermann: Im Grunde sei es gar nicht wichtig, was man genau mache. Vielmehr zähle das Zusammenkommen, die Gemeinschaft, der Austausch. Ein Konzept, das offenbar bei vielen jungen Leuten nach wie vor ankommt. So berichten beide, dass bei den Veranstaltungen auch viele ältere Jugendliche und Studenten dabei seien, die den Formaten über die Jahre treu geblieben sind. „Das ist ein sehr, sehr positives und gutes Zeichen“, so Baalmann.

Rubriklistenbild: © Luka Spahr

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