Gleichstellungsbeauftragte Heike Harms ist mit ihrem Programm für Twistringen selbst nicht zufrieden / „Nächstes Jahr machen wir mehr“

Weltfrauentag: Reklame statt politische Inhalte

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Weltfrauentag 2014: Heike Harms verteilt Rosen in Twistringen.

Twistringen - Von Michael Walter. 1908: Das Nationale Frauenkomitee der Sozialistischen Partei Amerikas beschließt, in den USA einen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren.

März 1911: In Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz wird der erste Frauentag gefeiert. Von London und Paris breitet sich die Suffragetten-Bewegung aus, in der bürgerliche Frauen und Arbeiterinnen Seite an Seite Gleichberechtigung und das Wahlrecht einfordern.

1921: In Moskau erklärt die Zweite Internationale Konferenz kommunistischer Frauen den 8.März zum Weltfrauentag.

8. März 2016 in Twistringen: In einer Bar treffen sich Frauen zu einem Frühstücksbuffet. Geschäfte verteilen Blumen und kleine Geschenke an Frauen. Es gibt Rabatt auf die neue Frühjahrsmode und im Rathaus kostenlose Wellness-Schnupperkurse.

Hat sich der Frauentag im Lauf von rund 100 Jahren überlebt? „Keinesfalls“, sagt Heike Harms. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt hat das Twistringer Programm zum Weltfrauentag koordiniert. Dass es sich in diesem Jahr auf reine PR reduziert, stellt aber auch sie nicht zufrieden. „Es hätte umfangreicher und politischer sein können“, sagt Harms. „Wir hatten schon mal mehr Aktionen: Abends eine Lesung, ein musikalischer Beitrag. Aber das war dieses Jahr einfach nicht möglich.“

Zum einen, weil die Zeit nicht gereicht habe, zum anderen, weil sich unerwartet Terminschwierigkeiten ergeben hätten. Etwa das Frauenkulturfrühstück: Ein Standard zum Frauentag. Dieses Jahr verschiebt es sich um sechs Wochen nach hinten.

Harms‘ Ansatz ist, das, was Frauen machen, in der Stadt darzustellen. „Wir haben dabei immer politische Informationen mit hineingegeben. Mal mehr, mal weniger. In Lesungen, auf Vorträgen. Dabei ging es immer um frauenspezifische Themen.“ Diesmal habe das nicht geklappt. „Im nächsten Jahr machen wir wieder mehr.“

Rückendeckung hat sie dabei von den Frauen im Twistringer Rat. Zum Beispiel von Sylvia Holste-Hagen (Grüne), die jahrelang in der Gewerkschaft frauenpolitisch engagiert war. „Frauen bekommen noch immer nicht gleiches Geld für gleiche Arbeit“, sagt sie. „Und noch immer sind Frauen in Führungspositionen die Ausnahme. Gleichzeitig streicht die EU Förderprogramme zusammen, und die AfD will den Paragraf 218 reformieren, um die Geburtenrate hochzutreiben. Wir müssen aufpassen, dass die Frauenrechte nicht wieder zurückgedrängt werden.“ Daher wünscht auch sie sich wieder mehr politische Inhalte zum Frauentag.

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