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Gesundheitsministerin Behrens lobt Zentralklinik-Planung

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Von: Anke Seidel

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Alle dicht zusammen am Modell: Viele Beteiligte wirken an der Realisierung der Zentralklinik mit, deren Konzept Daniela Behrens (Mitte), niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, überzeugte.
Alle dicht zusammen am Modell: Viele Beteiligte wirken an der Realisierung der Zentralklinik mit, deren Konzept Daniela Behrens (Mitte), niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, überzeugte. © Seidel

Der Bau der Zentralklinik des Landkreises Diepholz in Twistringen-Borwede? „Am Land wird es nicht scheitern“, verspricht Gesundheitsministerin Daniela Behrens.

Twistringen – „Kompliment zu dieser Planung!“, kommentierte Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens am Mittwoch das Konzept für die Zentralklinik in Borwede – und stellte bei der Präsentation des Mammutprojekts im Twistringer Rathaus fest: „Das ist eine mutige Entscheidung in diesen Zeiten!“ Mit einem strahlenden Lächeln nahm Landrat Cord Bockhop eine schnörkellose, grundsätzliche Ankündigung der Ministerin zur Kenntnis: „Am Land wird es nicht scheitern.“

Landeszuschuss von etwa 200 Millionen Euro

Will heißen: Wenn der – überaus komplexe – Bauantrag für die Zentralklinik gestellt ist und alle baufachlichen Vorgaben erfüllt sind, kann der Krankenhausplanungsausschuss Mitte 2023 entscheiden – und dann der Startschuss für den Bau vorbereitet werden. Den Bewilligungskriterien zufolge kann der Landkreis mit einem Landeszuschuss von rund 200 Millionen Euro rechnen.

344 Betten wird die neue Klinik haben. Den offiziellen Feststellungsbescheid dafür hatte der Klinikverbund schon 2020 erhalten. Damit wird die Zentralklinik als Ersatz für die kleinen Häuser in Diepholz, Sulingen und Bassum in den niedersächsischen Krankenhausplan aufgenommen. Der Krankenhausplanungsausschuss kennt das Konzept also bereits.

Medizinische Zukunft: Mehr ambulante und weniger stationäre Behandlungen

Mehr Menschen mit Pflegebedarf – aber immer weniger Pflegekräfte: In der medizinischen Versorgung müssen in der Zukunft große Herausforderungen gemeistert werden. Daran ließ Daniela Behrens, Niedersachsens Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, bei ihrem Besuch in Twistringen keinen Zweifel. Es brauche „Konzepte, die eine gewisse Strahlkraft haben“. Wie die Zentralklinik in Borwede, das Projekt des Landkreises Diepholz: „Es ist überall sehr unterstützt“, formulierte es die Gesundheitsministerin. Die 344 Planbetten seien in einem „sehr intensiven Prozess“ mit den Kostenträgern festgelegt worden.

In der Zukunft müsse man sich darauf einstellen, dass mehr Behandlungen im ambulanten und weniger im stationären Bereich durchgeführt würden. Deshalb sei eine Verbindung zwischen stationären und ambulanten Versorgungsmöglichkeiten sehr wichtig. Die Zentralklinik könne zu einem Magneten werden mit Ausstrahlung auf andere Landkreise, hieß es grundsätzlich am Mittwoch in Twistringen. Daniela Behrens zeigte sich fest überzeugt: Die Einweisungen der Ärzte in der Region seien ein wichtiges Kriterium dafür. 

Einen „Rundgang“ durch die neue Zentralklinik erlebte die Gesundheitsministerin schon im Twistringer Rathaus, denn in einem Animationsfilm „lebt“ das Haus bereits. Mit bewegten 3 D-Bildern erklärte Architekt Matthias Ludes Einrichtung und Funktionsweise des neuen Klinikums. Die Philosophie, von der sich das Architektenteam bei der Konzeption hatte leiten lassen, erläuterte Michael Ludes. Viel Natur und Licht prägen die Klinik, deren Besonderheit ein großer Dachgarten ist.

Twistringens Bürgermeister Jens Bley erläuterte das anspruchsvolle Bauleitverfahren – Aufgabe der Stadt Twistringen. Wie intensiv Stadt, Landkreis und Klinikverbund an einem Strang ziehen, betonte Jens Bley so: „Vielen Dank, dass wir dabei helfen dürfen, die Gesundheitsversorgung im Landkreis Diepholz zu sichern.“

Landrat Cord Bockhop hofft auf Baubeginn 2024

Landrat Cord Bockhop war sichtlich stolz auf die zukunftsweisende Konzeption. Mit ihr kehrt endlich eine Abteilung für Geburtshilfe und Frauenheilkunde in den Landkreis zurück – wenn irgend möglich, schon in vier Jahren: „Mein persönlicher Ehrgeiz ist es, 2026 im Wesentlichen fertig zu sein“, formulierte Cord Bockhop sein Ziel. Allerspätestens 2028 solle die Zentralklinik in Betrieb genommen werden. Der Baustart ist für 2024 vorgesehen. Betriebskonzept und Leistungsplanung sind bereits mit dem Land abgestimmt. „Wir fühlen uns sehr gut angenommen bei den Zwischenentscheidungen“, formulierte es der Landrat.

Förmlich in „Hexengeschwindigkeit“, so Klinikverbund-Geschäftsführer Uwe Lorenz, waren alle notwendigen und genau berechneten Schritte sorgfältig abgearbeitet worden. Auch Uwe Lorenz betonte die Notwendigkeit der geburtshilflichen Abteilung. In dieser Hinsicht sei der Landkreis eine „totale Wüste“. Der Geschäftsführer erinnerte an den Architektenwettbewerb, den das renommierte Büro „Ludes Architekten“ gewonnen hatte. Im Landkreis entstehe eine Klinik, wie es sie in Deutschland noch nicht gebe.

Nicht nur optisch und konzeptionell: Matthias Ludes erläuterte, dass die gesamte Energie für das Krankenhaus mit Windkraft erzeugt und die Notstromversorgung mit Wasserstoff sichergestellt werde. Nur vorsorglich würden klassische Energieversorgungsanschlüsse installiert.

Bei Bedarf kann die Zentralklinik später noch erweitert werden

Pflegepersonal und Ärzte freuen sich auf das neue Haus, sie haben ihre Ideen in die Konzeption eingebracht. Das stellten Pflegedirektorin Brunhilde Ebenthal und Dr. Bernd Rasper als ärztlicher Leiter klar. Er hätte sich allerdings einen höheren Versorgungsgrad – mehr Betten – gewünscht. Aber die Zahl sei nach Kriterien wie Bevölkerungs- und Patientenzahl sowie Erreichbarkeit genau berechnet worden, entgegnete Uwe Lorenz.

Die Ministerin hielt eine spätere Erweiterung der Klinik nicht für ausgeschlossen – wenn es denn Bedarf dafür gebe. Was die Finanzierung des aktuellen Neubaus betrifft, zeigte sich der Landtagsabgeordnete Volker Meyer sehr optimistisch. Alle Parteien hätten in ihrem Programm zur Landtagswahl angekündigt, mehr Geld für die Gesundheitsversorgung ausgeben zu wollen. Dirk Wehrbein, Vize-Aufsichtsratsvorsitzender im Klinikverbund, war überzeugt: Nach diesem „Workflow“ könne man mit der Zentralklinik Marktanteile zurückgewinnen.

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