Gestricktes für Flüchtlinge

Twistringer Frauen sorgen für wärmende Kleidung in den Flüchtlingscamps

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Der große Esstisch im Hause der Familie Fischer an der Osterstraße ist vollgepackt mit Socken, kleinen Pullovern, Mützen, Schals und Stulpen. 

Twistringen - Von Sabine Nölker. Es waren die Erlebnisse eines ihrer Söhne im Flüchtlingscamp Idomeni im Norden Griechenlands, die Margreth und Roland Fischer aus Twistringen dazu trieben, selbst aktiv zu werden. Bei Recherchen im Internet stießen sie auf den Bremer Verein Signal of Solidarity – Solidarität für Geflüchtete (SOS).

Mit Nachbarin Carola Haas holte das Ehepaar die Strickgruppen der katholischen Frauengemeinschaft mit ins Boot. Inzwischen stricken viele Frauen wärmende Kleidung für Flüchtlingscamps in Griechenland, Frankreich, Ungarn und Serbien. „Vielerorts ist die Situation für Geflüchtete auch heute noch menschenunwürdig“, heißt es.

Auf dem Esstisch bei Fischers an der Osterstraße stapeln sich Socken, kleine Pullover, Mützen, Schals und Stulpen. Kurz vor Weihnachten gleicht das Esszimmer einem Lagerraum. Überall stehen von Margreth Fischer gepackte Kartons, in englischer Sprache beschriftet, und warten auf die Abholung. Während Erika Meyer, Ulla Ellerhorst, Walli Böske und Marlen Müller noch letzte Maschen stricken, stoßen Niklas Golitschek und Lisa Bach vom Verein SOS dazu, um die Spenden abzuholen.

Die Helfer opfern Urlaub und Wochenenden 

„Schuhe sind dabei, sogar nagelneue“, freut sich Carola Haas. Decken, Schlafsäcke, wärmende Jacken und Schals werden ebenso wie Wollreste benötigt. „Daraus stricken wir Pulswärmer, Stulpen und Mützen und manchmal auch Pullover für Kinder“, so Ulla Ellerhorst. Dafür hat sich die Gruppe, auch von Edith Jürgens unterstützt, spontan gegründet. Zwei weitere Gruppen, die schon mehr als 20  Jahre gemeinsam diesem Hobby nachgehen, stricken für den guten Zweck. Das nächste Mal am 9. Januar ab 9.30 Uhr. Neulinge sind herzlich willkommen.

Die Bremer Helfer opfern ihren Urlaub oder ihr freies Wochenende. Niklas Golitschek und Lisa Bach sind berufstätig „Wir stecken auch privat Geld in unseren Verein“, erklärt Lisa. Etwa für Benzinkosten und Unterkunft.

Gegründet wurde der Verein erst 2015. Er zählt zwar nur wenige, dafür aber sehr engagierte Mitglieder. Ein harter Kern von sechs Personen hilft – im In- und Ausland.

Strickerinnen hoffen auf Wollspenden

Über die Zustände in Griechenland weiß Niklas Golitschek zu berichten, dass dort ein riesiges Containercamp im Nirgendwo steht. „Keiner weiß, wie viele Menschen dort zusammengepfercht sind.“ Schätzungen liegen bei 1 500, wobei das Camp nur für 500 Menschen ausgelegt ist. Das Militär beschütze die Menschen. Lebensmittel müssten von weit her geholt werden. Es gibt keine Busverbindung in die nächste Stadt.

Margreth Fischer zeigt ein kleines Fahrrad aus Draht. „Spielzeug, das ein Flüchtling aus Müll für die Mädchen und Jungen dort bastelt“, und das die Twistringerin als Dankeschön bekommen hat.

Die Fischers, Carola Haas und die Strickerinnen hoffen auf viele Wollspenden. „Dafür stehen im Foyer des Pfarrzentrums und in der St.-Anna-Kirche Sammelkörbe“, betont Ulla Ellerhorst. Aber auch alles, was die Menschen vor dem Winter schützt, ist willkommen. „Dies kann bei uns an der Osterstraße 30 abgegeben werden“, sagt Roland Fischer.

Die Helfer aus Bremen bedanken sich. Dann wird es Zeit, alle Pakete irgendwie ins Auto zu bekommen. Nichts soll zurückbleiben. Alles wird dringend benötigt. Bald machen sich die Vereinsaktiven mit ihrem Sprinter auf die Reise quer durch Europa.

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