Anklage gegen Frau aus Twistringen

Gestohlener Wein war zu verlockend

Twistringen - Von Dieter Niederheide. Es stand im Syker Gerichtssaal für eine alkoholkranke Frau aus Twistringen viel auf dem Spiel. Die Vertreterin der Anklage warf ihr vor, in Twistringen eine Flasche Wein gestohlen zu haben. Angesichts der Vielzahl an Einträgen im Strafregister drohte ihr eine Gefängnisstrafe.

Dass die abgewendet wurde, hat die Frau nicht zuletzt ihrem Verteidiger zu verdanken, der sich für sie „ins Zeug legte“. So kam es, dass sie am Ende „nur“ wegen Hehlerei verurteilt wurde, und zwar zu einer geringen Geldstrafe von 180 Euro (60 Tagessätze zu je drei Euro).

Der Strafrichter des Amtsgerichts Syke ging von einer verminderten Schuldfähigkeit aus: Immerhin hatte die Frau, als sie zur Flasche Wein griff und sie in die Tasche steckte, etwa 2,8 Promille Alkohol im Blut.

Zudem war ihre Einlassung nicht zu widerlegen, wonach eine Bekannte mit der Flasche Wein aus einem Laden kam und diese abstellte. Sie steckte die Flasche ein und machte sich damit der Hehlerei statt eines Diebstahls schuldig.

Der Strafrichter sprach in der Urteilsbegründung von einem klassischen Fall der Hehlerei. Bei der Urteilsfindung spielte auch der geringe Wert der Beute, 15  Euro, eine Rolle. Der geringe Tagessatz von drei Euro ging vom Minimaleinkommen der Frau aus. Die Angeklagte gab an, an dem Tag, wie so oft, in erheblichem Maße dem Alkohol zugesprochen zu haben. Dass ihr die Polizei attestierte, dass sie trotz des hohen Alkoholwertes noch gut beieinander war, war für den Strafrichter ein Zeichen ihrer Alkoholgewöhnung.

Die Anklagevertreterin hatte zuvor in ihrem Plädoyer drei Monate Gefängnis ohne Bewährung gefordert. Eine günstige Sozialprognose könne sie bei der Angeklagten nicht sehen. Die Frau sei zudem eine Bewährungsversagerin.

Das sah der Verteidiger ganz anders. Die Frau habe die Flasche Wein nur vorübergehend in Besitz gehabt, ein Schaden sei nicht entstanden, weil der Geschädigte die Flasche Wein zurückbekam. Der Anwalt forderte Freispruch und für den Fall einer Verurteilung eine geringe Geldstrafe. Der Strafrichter beließ es bei der Geldstrafe, die er für tat- und schuldangemessen hielt.

Rubriklistenbild: © dpa

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