Aus dem Amtsgericht

Twistringer legt sich schlafen, während Jugendliche Alkohol trinken

Eine Justitiaskulptur, gegen die Sonne fotografiert.
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Ein Twistringer war nun vor Gericht.

Twistringen – Jugendlichen eine Flasche Branntwein hinzustellen und sich dann schlafen zu legen, kann schon einmal direkt auf die Anklagebank führen. So erging es jetzt einem 57-jährigen Twistringer, der in der Jugendarbeit im Sportverein und in der Kirche aktiv ist.

Seine 14-jährige Tochter hatte im September gleichaltrige Übernachtungsgäste eingeladen, mit denen sie auch noch „um die Häuser ziehen wollte“, wie der Angeklagte es jetzt dem Gericht schilderte. Damit sie nicht auf den Gedanken kamen, sich dabei Alkohol zu beschaffen, wollte er geringen Alkoholkonsum unter Kontrolle zulassen.

Er stellte eine Flasche Springer auf den Küchentisch. „Ich habe ausdrücklich gesagt, dass diese Flasche das Haus nicht verlässt“, sagte er. Dumm nur, dass er sich anschließend schlafen legte.

Es kam, wie es kommen musste. Die Flasche wurde geleert, eine weitere folgte. Beim Combi Markt gelang es den Jugendlichen dann, auch noch einen Erwachsenen dazu zu bewegen, ihnen weitere Spirituosen zu beschaffen.

Gegen 23 Uhr erwischte es dann eine 16-jährige Teilnehmerin. Sie war nach Schilderung der anderen Teilnehmer nicht mehr ansprechbar.

Nach Notarzteinsatz und Krankenhausaufenthalt wurde eine Alkoholvergiftung mit einem Blutalkoholgehalt von 1,51 Promille und anschließendem Koma diagnostiziert.

Der Angeklagte versteht nach eigenen Worten sein damaliges Verhalten heute selbst nicht. Es handelte sich „um einen einmaligen Ausrutscher, der mir heute unendlich leidtut“, erklärte er dem Richter. „Die Flasche wurde gegen meinen Willen mitgenommen. Von der Zweiten habe ich nichts gewusst. Ich habe darauf vertraut, dass die Kinder verantwortungsvoll damit umgehen und wurde enttäuscht“, sagte er.

Die geschädigte 16-Jährige sagte als Zeugin aus, dass sie die Flasche gegen den Willen des Angeklagten mitgenommen haben. Später sei noch eine zweite Flasche ohne Kenntnis des Vaters ihrer Freundin geholt, mit Cola gemischt und auch getrunken worden. „Ein Mann hat uns dann bei Combi noch einige Klopfer geholt, die wir auch tranken. Ich selber habe mir da auch noch eine Flasche Bier gekauft und ebenfalls getrunken“, sagte sie.

Sie habe eigentlich keinen Alkohol trinken wollen, das habe sich nach einem Streit mit dem Freund „einfach so ergeben“. Sie sei nach einem „Filmriss“ im Krankenhaus wieder aufgewacht und habe seitdem keinen Alkohol mehr angerührt.

Der Freundschaft zur Tochter des Angeklagten sowie zu deren Familie habe der Vorfall nicht geschadet. Sie seien nach wie vor befreundet und sie sei dort auch weiterhin willkommen.

Nach dieser Aussage, die Richter Matthias Wawrzinek zuvor mit sensibler Frageführung geschickt steuerte, ließ sich der Vorwurf des vorsätzlichen Handelns aus der Anklage nicht aufrecht halten. Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht kamen überein, das Verfahren nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung gegen eine Geldauflage einzustellen.

Da der Angeklagte bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten und außerdem ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig ist, hielt das Gericht eine Geldauflage von 200 Euro an den Verein Kontakt für angemessen.

Richter Wawrzinek äußerte abschließend den Wunsch, dass „alle Beteiligten aus den Vorfällen etwas gelernt haben“.

Von Horst Meyer

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