Junge Leute früh in den Betrieb holen

Gemüse Meyer unterzeichnet Lernpartnerschaft mit Twistringer Schulzentrum

Lernpartnerschaft besiegelt (v.l.): Verena Beck, Wolfram van Lessen, Andrea Formella und Laurenz Meyer. - Foto: Wilke
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Lernpartnerschaft besiegelt (v.l.): Verena Beck, Wolfram van Lessen, Andrea Formella und Laurenz Meyer.

Twistringen - Von Theo Wilke. Die ersten 16  Realschüler aus Twistringen sitzen am Montagmorgen im Rahmen der Initiative KURS-Zukunft beim Auftakt-Workshop im Unternehmen Gemüse Meyer in Binghausen. Sie erfahren etwas über Betriebsabläufe, Ausbildungschancen und viel über Nachhaltigkeit. Es sind 15-Jährige, die von ihrer beruflichen Zukunft noch kaum eine Vorstellung haben. Währenddessen wird zwischen der Firma, der Schulleitung, dem Landkreis sowie Projekt-Koordinatorin Verena Beck von der Uni Vechta die erste Twistringer Vereinbarung für eine langfristige Kooperation unterzeichnet.

KURS-Zukunft ist eine Teilinitiative des Fachkräftebündnisses Nordwest zur Förderung der Nachwuchssicherung in den Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Federführend ist NieKE, das Niedersächsische Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft an der Universität Vechta.

Jugendlichen vom Twistringer Schulzentrum wird nun in Binghausen ein fächerübergreifender außerschulischer Lernort geboten. Mehrere trainergestützte Workshops in den kommenden zwei Jahren bereiten die Schüler auf zielgerichtete Erkundungen ihres Partnerunternehmens und den Dialog über die Zukunftsthemen des Betriebes vor. Im Wechsel werden Mitarbeiter in die Schule kommen, um die Themen weiter zu vertiefen.

Firmenchef Laurenz Meyer meint vor der Unterzeichnung: Man sei ein energieträchtiges Gemüse- und Obst-Unternehmen, etwa mit Fotovoltaik, Biogasanlage, Windkraft, Gesundheitsmanagement, Logistik-Betrieb mit elf eigenen Lastwagen – und 200 Beschäftigten. Die Kunden kommen aus der weiterverarbeitenden Lebensmittelindustrie.

„Spannende Ausbildungsberufe“

„Eigentlich wollen wir nur Gemüse verkaufen, aber als Familienunternehmen tragen wir auch eine hohe soziale und gesellschaftliche Verantwortung“, betont Meyer. Dazu zähle nicht nur die schonende Nutzung natürlicher Ressourcen, sondern auch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Schließlich möchte Gemüse Meyer junge Menschen „für unsere spannenden Ausbildungsberufe begeistern“, auch im Bereich Gesundheit, Arbeits- und Brandschutz sowie Technik. Wenn man junge Leute früh zu sich hole, dann hinterlasse dies bei ihnen bleibende Eindrücke“, so der Firmenchef.

Andrea Formella, Leiterin der Haupt- und Realschule freut sich sehr über die Kooperation. „Damit wir unseren Schülern die bestmögliche Berufsorientierung bieten können, ist es unerlässlich, dass sie bereits in der Schule Kontakt zur Berufswelt haben und dass unternehmerisches Handeln und betriebliche Wirklichkeit im Unterricht erfahrbar werden.“ Außerdem würden sich die Jugendlichen gleichzeitig mit den Zukunftsthemen der Branche auseinandersetzen. Formellas Kollegin Ines Ozegowski fügt hinzu, der Trend sei heute stärker hin zu einer Ausbildung als zum Abitur.

Fünfte Lernpartnerschaft Schule-Betrieb für van Lessen

Für den Ersten Kreisrat Wolfram van Lessen ist es die inzwischen fünfte Lernpartnerschaft Schule-Betrieb im Landkreis Diepholz: „Wir finden es wichtig, dass Jugendliche früh in die Berufs- und Arbeitswelt hineinschnuppern.“ Die Nachwuchsförderung sei in dieser Region eine große Herausforderung. In vielen Branchen herrsche Fachkräftemangel. Firmen suchten händeringend. Dies liege auch an den geburtenschwachen Jahrgängen. Und junge Leute strebten häufig in die Stadt. Der Landkreis unterstütze das KURS-Zukunftsprojekt auch, um den Nachwuchs in der Region zu behalten.

„Es ist großartig, dass Schule sich öffnet“, meint Twistringens Interims-Bürgermeister Horst Wiesch. Generell sei es wichtig, dass sich Schüler mit Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung beschäftigen, dass Jugendliche mehr Einblick in Unternehmen bekommen. Und dass es sich in unserer ländlichen Region gut leben und arbeiten lasse, sei ein Riesenvorteil, so Wiesch.

Koordinatorin Verena Beck unterstrich unter anderem: „Die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist die Schlüsselbranche, von der die wirtschaftliche Kraft unserer Region abhängt.“ Viele vor- und nachgelagerte Branchen wie die Elektrotechnik oder die Stallbauer profitierten von der Zugkraft dieser Branche. Auf der anderen Seite, so Beck weiter, „sehen wir auch, dass die Branche häufig in der öffentlichen Kritik steht. Wir wollen im Dialog der Jugend mit Unternehmen auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen eingehen und dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.“ Das Fachkräftebündnis Nordwest hat insgesamt 18  Lernpartnerschaften mit Schulen in den Kreisen Vechta, Diepholz und Cloppenburg angeschoben.

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