Fälschung einkassiert

Apotheker erkennt gefälschten Impfausweis: „So etwas darf nicht durchkommen!“

Apotheker Volkmar Schmees.
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Volkmar Schmees und sein Team der Hirsch-Apotheke sind gegen das Coronavirus geimpft.

Wenn Unrecht geschieht, schaut nicht jeder hin. Nicht so Volkmar Schmees aus Twistringen. Ein Kunde hat in seiner Apotheke versucht, sich mit einem verdächtigen Impfausweis ein digitales Impfzertifikat zu erschleichen. Für das geschulte Auge des Apothekers war klar: Das ist eine Fälschung, und das lasse ich nicht zu.

Twistringen – Die Polizei im Landkreis Diepholz hat einen Impfausweis sichergestellt, bei dem der dringende Verdacht einer Fälschung besteht. Doch wie kam es dazu? Die Kreiszeitung hat mit dem Twistringer Apotheker Volkmar Schmees gesprochen, der maßgeblich an der Festsetzung beteiligt war. Unbeirrt und mit deutlichen Worten hat er das Dokument vergangene Woche von einem Mann eingezogen.

Mehrere Hundert Kunden im Monat lassen sich ihren Impfausweis in der Hirsch-Apotheke digitalisieren. Viele bevorzugen das europäische Impfzertifikat als Nachweis ihrer Corona-Schutzimpfung, anstatt den gelben Impfpass mit sich rumtragen zu müssen.

Doch an jenem Mittwoch war etwas seltsam. Einer aufmerksamen Apotheken-Mitarbeiterin fielen zuerst „Unstimmigkeiten“ bei dem Impfausweis eines Kunden auf. Sie informierte ihren Chef, Inhaber Volkmar Schmees. „Wir brauchen Zeit“, dachte er sich nach dem ersten Augenschein und vertröstete den Kunden auf den Folgetag. „Längere Bearbeitung“, sagte Schmees, ließ sich den Impfausweis übergeben und begann mit Nachforschungen.

Das Gebrauchen eines gefälschten Gesundheitszeugnisses [Impfausweis] im privaten Bereich ist nach der zurzeit bestehenden Rechtslage straffrei.

Beschluss des Oberlandesgerichts Osnabrück vom 26. Oktober

Die Hirsch-Apotheke war zuvor gewarnt worden. Eine Person habe bereits in einer anderen Apotheke versucht, das begehrte Impfzertifikat zu erlangen. Dort wurde er abgewiesen. Anschließend warnten die Mitarbeiter ihre Apotheker-Kollegen in der Region.

Zurück zum verdächtigen Impfausweis. Dem erfahrenen Apotheker Schmees fielen sofort die Ungereimtheiten auf. Chargencode, Unterschrift, Etikett des Impfstoffes, Stempel und Impfschlüssel waren „unplausibel“, so Schmees. Um welche Details es sich genau handelt, erwähnt die Kreiszeitung aus taktischen Gründen nicht. Dazu soll dem Kunden ein bestimmter Impfstoff im Bremer Impfzentrum gespritzt worden sein. Per Hotline nur für Apotheker fragte Schmees dort nach. „Der wurde an dem Tag gar nicht verabreicht“, hieß es aus der Hansestadt als Antwort.

Impfausweis eingezogen

Am Folgetag kam der Kunde zurück, berichtet Schmees weiter. In der Apotheke ging er mit dem Mann ins Beratungszimmer. Dort konfrontierte der Apotheker den Mann: „Der Impfausweis ist eine Fälschung, daher werde ich ihn einziehen.“ Der Kunde verließ die Apotheke unter Protest aber ohne Radau. Schmees brachte laut eigener Darstellung anschließend das Dokument zur Polizei. Aktuell führt die Staatsanwaltschaft Verden die weiteren Ermittlungen.

In der Hirsch-Apotheke war das erste Fall dieser Art, sagt Schmees. Für ihn und sein Team sei jedoch sofort klar gewesen: „So etwas darf nicht durchkommen!“ Alle Mitarbeiter sind geimpft. „Wir versuchen, alles rechtschaffen zu machen und solche Leute sorgen dafür, dass wir aus der Coronakrise nicht rauskommen“, ärgert er sich. „Solche Leute sollten mal die Intensivstationen besuchen“. 90 bis 95 Prozent der Menschen dort seien Ungeimpfte.

Gefälschte Impfausweise seinen hingegen kein neues Phänomen im Landkreis Diepholz, teilt die Polizei mit. Im vergangenen Monat sind den Ermittlern drei Fälle bekannt geworden. Ein Fall einer im Kreis wohnhaften Person flog an einem Flughafen auf. „Es gibt keinen Trend“, teilt die Polizei im Gespräch mit der Kreiszeitung mit. Beunruhigend sei hingegen die Professionalität der Fälschungen. „Der ist schon gut gemacht“, so eine Beamtin über den gefälschten Twistringer Impfpass.

Regelungslücke im Strafgesetzbuch

Für Unsicherheit unter Apothekern sorgt derweil ein Beschluss des Landgerichts Osnabrück vom 26. Oktober. Demnach ist „das Gebrauchen eines gefälschten Gesundheitszeugnisses im privaten Bereich nach der zurzeit bestehenden Rechtslage straffrei.“ Die Richter begründen das laut Mitteilung damit, dass das Strafgesetzbuch nur das Vorzeigen vor einer „Verwaltung im staatlichen Gefüge“ umfasst. Eine Apotheke ist aber keine Behörde, sondern ein privates Unternehmen. Juristen sprechen von einer Regelungslücke.

Nun laufen die Staatsanwaltschaften Sturm gegen diese Rechtsauffassung. Eine zeitnahe Überprüfung der Rechtslage durch das Oberlandesgericht soll erfolgen. Laut Polizei ist aber das Einziehen von mutmaßlich gefälschten Impfausweisen durch Apotheken definitiv rechtens, betont die Polizei Diepholz.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Für die Zukunft wünscht sich Apotheker Schmees dennoch schnellstens Rechtssicherheit von der Politik: „Wir sind die Experten, wir können die Fälschungen erkennen.“ Pharmazeuten seien zudem direkt im Kundenkontakt. Ist ein digitales Impfzertifikat erst einmal ausgestellt worden, könne niemand mehr prüfen, ob der zugrunde liegende Impfausweis gefälscht ist oder nicht. Der Coronaschutz in Deutschland werde durch Impffälschungen massiv untergraben.

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