Gastfamilien für minderjährige Flüchtlinge gesucht/Info-Abend in Twistringen

Wer begleitet junge Menschen ins Leben?

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Wünschen sich viele Interessierte für ihren Informationsabend in Twistringen: (v.l.) Verena Schwartz, Katharina Vetter und Rüdiger Scholz.

Twistringen - Von Anke Seidel. Er ist erst 15 Jahre alt. Aber er hat einen Auftrag, der ihn zu Fuß mehr als 4000 Kilometer weit nach Deutschland führt: Lernen, arbeiten, sich integrieren – und seiner Familie dann Geld schicken oder sie nach Deutschland nachholen. Verena Schwartz, stellvertretende Leiterin des Fachdienstes Jugend beim Landkreis Diepholz, weiß: Dieses Schicksal teilen etliche der 157 unbegleiteten minderjährigen Ausländer, um die sich der Fachdienst jetzt kümmern muss. Deshalb dringend gesucht: Gastfamilien, die diese jungen Menschen ins Leben begleiten.

Gemeinsam mit dem Fachzentrum Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Bethel im Norden (Diakonie Freistatt) entwickelt der Landkreis-Fachdienst Jugend ein Konzept, von dem sowohl die Gastfamilien als auch die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge profitieren sollen. Familien für diese spannende Aufgabe zu sensibilisieren und diese Lebenspartnerschaften auf Zeit zu organisieren, darum geht es zurzeit. Interessierte können sich bei einem Informationsabend am Dienstag, 2. Februar, von 19 bis 21 Uhr im Twistringer Rathaus informieren.

Es sind fast ausschließlich junge Männer im Alter zwischen 15 und 17,5 Jahren, für die Jugendamt und Familienhilfe gemeinsam Begleitfamilien suchen: Mütter und Väter, die Verständnis haben für den Lebensweg dieser jungen Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, dem Irak, Eritrea oder Afghanistan, ebenso aus Marokko und Gambia. Auf ihrer langen, viel zu oft gefährlichen Flucht mussten sie lernen, sich selbst zu versorgen. „Sie mussten sehen, wie sie überleben“, beschreibt Verena Schwartz die prägende Lebenserfahrung dieser jungen Männer. Sie brauchen Wohnraum sowie Verständnis für ihre traumatischen Erlebnisse – und respektvolle Begleitung statt Bemutterung. Die Begleitfamilien sollen ihnen die kulturellen Werte und Gepflogenheiten der deutschen Gesellschaft vermitteln – sowohl im Umgang der Menschen miteinander als auch bei den ganz alltäglichen Dingen im Haushalt. Denn was hierzulande selbstverständlich ist, empfinden Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis zunächst als fremd – in einem Land, in dem sie viel zu oft nicht einmal die Sprache verstehen.

Nur eines ist ihnen vertraut: „Ihre Familie in ihrem Heimatland. Zu der halten sie täglich Kontakt“, weiß Verena Schwartz. Aufgabe von Jugendamt und Familienhilfe ist es jetzt, die passenden Partner zusammenzubringen. „Dabei spielen natürlich auch Kinder- und Jugendschutz eine Rolle“, betont Rüdiger Scholz vom Fachzentrum Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Bethel im Norden. Seine Aufgabe und die seiner Mitarbeiter ist es, die Familien bei ihrer neuen Aufgabe zu begleiten – und zu helfen, sollte es Probleme geben. Eng arbeitet er mit Katharina Vetter zusammen, die beim Jugendamt für die Fachkoordination Adoption und Pflegekinderhilfe zuständig ist. Die Eignungskriterien der Familien werden sorgfältig geprüft, die Wohnräume besichtigt: „Man muss genau hinschauen.“

Fundierte Informationen erhalten Interessierte während des Informationsabends in Twistringen – auch über die Vergütung für diese Aufgabe.

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