Volkstrauertag in Bassum und Twistringen

„Der Friede in unserer Welt braucht unser Erinnern“

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Zur Gedenkfeier zum Volkstrauertag haben viele Bassumer Bürger am Morgen den Weg in die die Stiftskirche gefunden.

Bassum/Twistringen - Von Sabine Nölker und Berthold Kollschen. „Was im Kleinen mit Egoismus und Selbstgerechtigkeit anfängt, endet häufig in übersteigertem Nationalismus und in Fremdenhass“, sagte der stellvertretende Bürgermeister Peter Dünzelmann bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag der Stadt Twistringen. Daraus erwachse dann die Gefahr von Terror und von kriegerischen Auseinandersetzungen. „Aber, wozu? Wozu sind Kriege da?“, leitet er zu einer Einspielung des gleichnamigen Songs von Udo Lindenberg über.

Die würdige Gedenkfeier ging im Rathaus über die Bühne. Dünzelmann verlas zunächst den offiziellen Text des Totengedenkens, bevor Valentin Wieczorek als pastoraler Koordinator der St.-Anna-Gemeinde eine Ansprache hielt. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkstunde durch das Bläser-Trio Heike Hartjens, Mara Bielefeld und Helen Beuke. Abordnungen der Feuerwehr, des Schützenvereins sowie des DRKs und der Schießsportkameradschaft füllten die Ränge des Sitzungssaals. Dazwischen saßen interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Nach dem „Thema aus Pavane“ von Gabriel Fauré trat Wieczorek an das Rednerpult. „Wir trauern um Menschen, aber wir trauern auch über das, was Menschen ihren Mitmenschen antun können und wohin Vorurteile, Rassenwahn und Fanatismus ebenso wie Gewalt und Gleichgültigkeit führen können.“ An diesem Tage fallen einem Menschen ein, die Opfer von Gewalt und Terror werden, die als Flüchtlinge zu Tode kommen und die durch Katastrophen und an Hunger sterben.

Wieczorek rief zur Achtung vor dem Leben eines jeden einzelnen Menschen auf. Damit sei dieser Volkstrauertag nicht nur ein Tag der Erinnerungen an die Toten, sondern auch ein Tag für die Lebenden. „Das Geheimnis der Versöhnung, des Friedens, ist die Erinnerung“, fuhr er fort. Es sei die Aufgabe derer, die den Krieg erlebt haben, der Nachkriegsgeneration von den Schrecken des Krieges zu erzählen. „Der Friede in unserer Welt braucht unser Erinnern, und er braucht unseren Mut, Grenzen im Denken zu überwinden.“

Geben der Gedenkfeier einen würdigen, musikalischen Rahmen: das Bläser-Trio Heike Hartjens (von links), Mara Bielefeld und Helen Beuke.

Der Volkstrauertag gebe die Möglichkeit, um die Verstorbenen zu trauern. „Aber er gibt uns auch die Chance, an die Zukunft zu denken.“ Es sei wichtig, sich der Verantwortung bewusst zu werden und aus der Geschichte der Weltkriege zu lernen. „Und nichts unversucht zu lassen, um unseren Beitrag für einen bleibenden Frieden und für die Versöhnung unter den Völkern zu leisten.“

In der Bassumer Stiftskirche überraschte Pastoralreferentin Birgit Hosselmann aus Twistringen beim inzwischen dritten ökumenischen Gedenken mit einer gleichsam aufrüttelnden, mahnenden, mutigen und zum Nachdenken anregenden Predigt: „Wir gedenken heute der vielen Millionen Menschen, die in den zwei Weltkriegen ihr Leben verloren, wir erinnern an die Reichpogromnacht 1938, die das offizielle Signal zum größten Völkermord in Europa war. Wir gedenken der 25 Männer und Frauen, die von Twistringen aus wegen ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit in den Tod getrieben wurden. Wir gedenken der sieben Bassumer Familien, deren Namen der Judenverfolgung Gesicht verleihen.“

Aktuell weist sie auf die Nachrichten hin, die voll sind mit Bildern von Chemnitz, in denen ein politischer Rechtsruck offensichtlich für alle spürbar wird, und in denen die Rechte des Grundgesetzes ins Bewusstsein gerückt werden. „Lasst uns gemeinsam wach und wachsam sein, als Christen, als Bürger, als Menschen“, so ihr Appell angesichts neuer aufkommender rechter Bewegungen in Deutschland.

Bürgermeister Christian Porsch war es wichtig, nicht nur der Opfer der zwei Weltkriege zu gedenken, sondern auch die Opfer von Gewaltherrschaft, Fremdenhass und Verbrechen mit einzubeziehen. „Wir blicken glücklicherweise auf 70 Jahre Frieden in Europa zurück. Es ist an uns, jeden Tag daran zu arbeiten, dass es so bleibt“, so Porsch.

Er bedankte sich bei den Vertretern der Schützenvereine, den weiteren Vereinen, den Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern, den Ortsfeuerwehren, beim Bassumer DRK und bei allen, die durch ihre Anwesenheit dem Sinn des Tages Nachhaltigkeit erwiesen haben.

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