Fridays for Future, Migration und Disco

Schüler fragen, Bürgermeister-Kandidaten antworten: Marcus Marten-Bexten, Mandela Sino, Jens Bley, Peter Schwarze, Frank Hömer, Marie Blömer und Kira Meyer (v.l.). Foto: Wilke

Knapp zwei Wochen vor der Bürgermeisterwahl in Twistringen haben sich die Kandidaten Frank Hömer und Jens Bley den Fragen von Oberstufenschülern am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium gestellt. Dabei zeigten sich keine großen Unterschiede in den Aussagen. Allerdings will Hömer ein Jugendparlament einrichten. Bley meint, die Initiative müsste von der Jugend ausgehen.

VON THEO WILKE

Twistringen – Eine außergewöhnliche Politik-Unterrichtsstunde erlebten am Montag die Zehnt- bis Zwölftklässler am Gymnasium: Jens Bley und Frank Hömer stellten sich im Drei-Minuten-Takt vor und beantworteten zahlreiche Fragen.

Der Termin sei kurzfristig entstanden, so Schulleiter Peter Schwarze. Die Haupt- und Realschule sei eingeladen worden, habe aber wegen derzeitigem Prüfungsstress abgesagt.

Fachgruppenlehrer Marcus Marten-Bexten und Schüler Mandela Sino hatten bei den Vorbereitungen geholfen. Die Elftklässlerinnen Kira Meyer und Marie Blömer moderierten die „Unterrichtsstunde“ im voll besetzten Schulforum.

Der gebürtig aus Merzen stammende 46-jährige Unternehmer Hömer meinte: „Im Dorf gab es nur Messdiener und Fußball.“ Das im Fußballverein entdeckte Lauftalent absolviert heute noch Langstrecken. Seit 2003 in Twistringen, ist Hömer seit 2015 politisch aktiv.

Der 40-jährige Bley stammt aus Garrel. „Politik beginnt schon in der Schule. Deshalb finde ich dies hier heute sehr wichtig.“ Als Polizist habe er viel mit politischer Meinung zu tun gehabt und in Berlin auf höchster Ebene (Ministerium) Politik und Verwaltung erlebt.

Was würden die Kandidaten sofort in Twistringen verändern wollen? Jens Bleys Wunsch: die Leerstände in der Stadt. Das sei aber gar nicht so einfach. Die Bahnhofstraße sei keine Einkaufsstraße mehr. Angesichts wachsender Online-Geschäfte möchte der Mörsener die Wohnbebauung anders gestalten, verbunden mit Gewerbe. Mit dem Landes-Privatinitiative-Gesetz zur Quartiersbildung könne man etwas bewegen.

Grundsätzlich solle man nicht alle Ideen gleich schlechtreden, meint Frank Hömer. Eine Herzensangelegenheit sei ihm ein Jugendparlament, das gemeinsam mit dem Rat und der Verwaltung die Stadt gestalte. Jens Bley zum Jugendparlament: „Wenn ihr sagt, wir brauchen so etwas, dann gerne.“ Der Anstoß müsse aber von der Jugend ausgehen. Darauf wieder Hömer: „Mir reicht es nicht, dass ihr zu mir kommt. Ich komme auch zu euch.“

Die Forderung nach einer neuen Diskothek in der Stadt sehen beide Amtsbewerber kritisch. Die Stadt sei zwar Ansprechpartner, aber für eine Disco müsse man erst mal Investoren finden.

Zum Thema B 51 und Ortsumgehung liegen die Aussagen nah beieinander: An der geplanten Sanierung „geht kein Weg vorbei“ (Hömer). Für die Ortsumgehung würden Fördermittel bereit liegen. Hömers Vorschlag: über eine Flurbereinigung die Flächen frühzeitig sichern.

Bley ergänzt, rechtzeitig müsse man mit den Anliegern über Belastungen durch die Sanierung in der Stadt reden. Und die Rohre fürs Breitband (Internet) sollten gleichzeitig mitverlegt werden.

Als „Freund der Digitalisierung“ setzt Bley auch auf den Freifunk, um mehr Internetnutzer in entlegenen Gebieten zu erreichen. Dies sieht Hömer eher kritisch.

Das von der GUT angeschobene freie WLAN am Centralplatz sei gut. Außerdem habe der Landkreis mit dem Breitbandausbau seine größte millionenschwere Maßnahme gestartet.

Wichtiges Thema in der Jugend: Migration. Für Hömer war dies einer der Gründe, 2015 politisch aktiv zu werden. Dass Bundeskanzlerin Merkel die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet habe, sei richtig gewesen. Dann habe die Regierung aber versagt, die Kommunen nicht rechtzeitig finanziell und personell unterstützt. Heute sei Twistringen gut aufgestellt. Er selbst, so Hömer, habe Verantwortung übernommen und eine Flüchtlingsfamilie betreut. Für Bley gehören Migration und Integration zusammen – und dazu Aufklärung. Deutsche und Flüchtlinge müssten für die Werte des Gegenüber Verständnis zeigen. Bley schloss zum Beispiel Freundschaft mit Flüchtlingen über den Fußball.

Was halten Sie von Fridays for Future? wollten die Schüler wissen. „Ich sehe die Bewegung positiv“, so Bley. Er habe beispielsweise über den Ortsrat Mörsen gemeinsam mit Gymnasiasten das Obstwiesen- sowie Bienen-Lehrpfadprojekt umgesetzt – ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Hömer betonte, die Jugendbewegung zeige doch, dass die Politik jungen Menschen mehr zuhören müsse, um zu erfahren, wie wichtig ihnen Umwelt und Klimaschutz seien. Bei der Wichtigkeit des Themas sei das Schulschwänzen zweitrangig. Und wenn seine Töchter deswegen einiges versäumten oder gar das Schuljahr wiederholen müssten, dann unterstütze er dies.

Zu den Stärken und Schwächen der Kandidaten: Jens Bley sagt, er versteht die Bedürfnisse der Menschen. Er muss aber aufpassen, alle Interessen abzuwägen. „Meine Schwäche ist die Gewissenhaftigkeit. Ich treffe zu schnell Entscheidungen.“

Frank Hömer kann „gut zuhören und analysieren. Irgendwann muss es aber eine Entscheidung geben. Man muss auch Kompromisse eingehen“. Ohne konkret zu werden: Er stärke seine Stärken und bearbeite seine Schwächen.

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