Die Dibbenbande: Twistringer Lausejungen von einst schwelgen in Erinnerungen

Freundschaft über 75 Jahre

Die Twistringer Dibbenbande heute. - Foto: Nölker

Twistringen - Von Sabine Nölker. Sie sind zusammen 724 Jahre alt und seit gut 75 Jahren befreundet, die „Dibbenbande“, wie sie in der Nachkriegszeit genannt wurden. Damals 14 kleine Lausejungen, die ihre Kindheit in vollen Zügen genossen und durch dick und dünn gingen. Die gemeinsam auf Kohlenklau gingen, ihre ersten Urlaubsreisen machten, alle Hochzeiten gemeinsam feierten und die heute noch, mit 80 und 82 Jahren, eine tiefe Freundschaft verbindet. Am Wochenende trafen sich die letzten neun Herren gemeinsam mit ihren Frauen im Gasthaus Zur Penne und schwelgten in Erinnerungen.

Es ist spürbar, dass hier Menschen zusammen sitzen, die sich kennen und die tief miteinander verwurzelt sind. Die sowohl den Krieg mit Not und Kälte erlebten, als auch den Aufbau danach. „Sie“, das sind Peter Jantzen, der seit 55 Jahren in Chicago in den USA lebt, die beiden Ältesten Günter Hammann und Gerd Bellersen, Hans-Jürgen Aust aus Bremen, Zahnarzt Manfred Döpkens aus Neustadt am Rübenberge, die Twistringer Karl-Heinz Wendt und Adolf Krone sowie der Bremer Wilfried Günnemann und der Remscheider Karl-Heinz Meyer.

„Ja, aus uns ist etwas geworden“, erklärt Günter Hammann. Spediteure, eine Kapitänsleutnant, Kaufmänner und ein Zahnarzt. „Und unsere Ehen habe alle gehalten!“ Sprich: Fast alle haben ihre Goldene Hochzeit bereits hinter sich. Aber sie haben ebenso schon Freunde aus ihrer Mitte zur letzten Ruhe begleitet. So gehören die ersten Minuten dieses Treffens ihrem Kameraden Hans-Jürgen Reicherdt, der eigentlich unter ihnen sein sollte. Doch nur wenige Tage zuvor war er ganz plötzlich verstorben. „So ist das, wenn man älter wird“, deshalb sei es umso wichtiger, den Kontakt aufrecht zu erhalten.

Und dann fangen sie an zu erzählen. Wie sie gemeinsam an den Bahndamm gingen, um von den vorbeifahrenden Zügen die „heruntergefallenen“ Kohlen zu klauen. „Einmal bin ich mit meiner Schwester von der Bahnpolizei erwischt und verhaftet worden“, erinnert sich Peter Jantzen. Doch dankt des Vaters von Kumpel Hans-Jürgen Aust, der Kriminalbeamter war, „kamen wir mit einem blauen Auge davon“.

Das Foto der Freunde entstand am Hermannsdenkmal in Detmold.

„Wir hatten eine schöne Jugend“, sind sie sich einig. Mit dem Fahrrad sei man nach Holland oder an den Rhein gefahren. Später, als Hammann und Bellersen schon den Führerschein hatten, lieh man sich Autos und fuhr mit ihnen gen Süden. „Wir waren in Jugoslawien, in Spanien zum Stierkampf und sogar bis nach Rom“. In Jugoslawien seien sie vor allem durch ihre bunten Hawaii-Hemden aufgefallen und wurden nachts von der Polizei bewacht. „Wir hatten so viel zu entdecken nach den Jahren des Krieges“, meint Karl-Heinz Meyer. „Und wir haben gemeinsam so manchen Sturm erlebt und überlebt“, fügt Gerd Bellersen hinzu. Aber auch Schabernack gehörte dazu. So schrieben sie Königin Elisabeth von Großbritannien zu ihrer Hochzeit eine Gratulationskarte, unterschrieben mit „die Dibbenbande“. „Wir haben sogar eine Antwort bekommen“, sind sie stolz.

Stolz können sie auch auf ihre Freundschaft sein. „Und dankbar“, fügt Günter Hammann hinzu. Nun hoffen die neun, sich in Kürze wiederzusehen. „Auf alle Fälle rufen wir uns immer alle zu den Geburtstagen an. Dann bleibt das Telefon nicht still“.

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