Hunderte Asylbewerber dürften den Kreis in diesem Jahr verlassen

„Freiwillige Ausreise“ nimmt kräftig zu

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Und demnächst rückten die freiwilligen Helfer von THW und Feuerwehr an und schaffen in Twistringen die Etagenbetten wieder fort? Ganz so schnell wird es dann doch nicht gehen.

Landkreis/Twistringen - Die Flüchtlings-Situation entspannt sich im Landkreis Diepholz in den kommenden Monaten gleich doppelt. Erstens hat der Zustrom spürbar nachgelassen. Statt hunderter Menschen vor allem aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, auf die sich einwohnerstarke Gemeinden wie Stuhr und Weyhe ursprünglich eingestellt haben, werden es voraussichtlich zunächst 50 oder 60 sein, je nachdem wie die knapp 10.000 Menschen in den Erstaufnahmelagern in Niedersachsen weiterverteilt werden.

Zweitens dürfte die Rückreise-Welle in sichere Herkunftsländer spürbar an Fahrt gewinnen. „Daran arbeiten wir“, sagt Klaus Speckmann vom Fachbereich Ordnung und Sicherheit des Landkreises Diepholz. Die Entwarnung, auf die vor allem die gebeutelten Kommunen hoffen, fällt allerdings allenfalls vorsichtig aus, von endgültig kann noch keine Rede sein. Das Beispiel Notunterkunft Twistringen. Zum Ende der zurückliegenden Woche sollten in dieser vom Landkreis und dem DRK betriebenen Einrichtung die Pforten geschlossen werden. Noch allerdings sind hier vor allem unbegleitete Minderjährige untergebracht.

Und demnächst rücken Helfer des THW an? Und schaffen die Etagenbetten fort und schrauben die mannshohen Bauzäune ab und schon ständen Schulgebäude und Turnhalle wieder den Kindern der Stadt offen? „So schnell wird’s nicht gehen“, sagt Speckmann. Man werde das Flüchtlingsaufkommen zunächst einige Monate im Auge behalten. Sollte sich der Zustrom bis nach den Sommerferien auf dem aktuell niedrigen Niveau stabilisieren, werde man die Lage erneut prüfen. „Entschieden ist da noch nichts.“ Die Erstunterkunft in Diepholz, die von den Maltesern im Auftrag des Landes eingerichtet wurde, bleibe zunächst sogar geöffnet.

Weitere Entspannung bei der Flüchtlings-Unterbringung wird von einem Phänomen erwartet, das kürzlich der Weyher Integrationslotse Wahid Heydari auf Nachfrage des Sonntags-Tipp beschrieb. Er fühle sich nicht nur für die Begrüßung der Flüchtlinge zuständig, sagte er, er übernehme auch die Verabschiedung. Dann, wenn wieder mal Asylanträge abgelehnt wurden und die Ausreise stattfindet. „Ich bringe die Menschen dann zum Bahnhof oder zum Flughafen.“ Das sei nicht immer einfach. „Aber es ist so, und das muss man akzeptieren.“

„Freiwillige Ausreise“ heißt dieses Phänomen. Nach abgelehnten Asylanträgen rücken nicht etwa Polizei-Kohorten an, um die Menschen zu Flugzeug oder Bahn zu bringen, sondern es gehen so genannte Ausreisegespräche über die Bühne. „Alle mit dem Ziel, eine freiwillige Ausreise anzubahnen,“ so Speckmann. Schon im vergangenen Jahr machten 200 Menschen mit abgelehnten Asylanträgen von dieser Möglichkeit Gebrauch, in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres haben schon Ausreisen im „mittleren zweistelligen Bereich“ stattgefunden. Betroffen sind vor allem Asylbewerber vom Westbalkan, die vor einem Jahr zu den größten Zuwanderungsgruppen gehörten. Die Hilfe kommt aus Nürnberg. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge musste monatelang wegen der schleppenden Bearbeitung der Asylanträge Hohn und Spott über sich ergehen lassen, jetzt hat sich die Lage entspannt. „Im Februar sind 67.000 Anträge eingegangen, 52.000 Anträge wurden entschieden“, hieß es zuletzt. Rund jeder dritte Antrag wurde abgelehnt.

Auch der Landkreis Diepholz rechnet damit, dass die Zahl der berechtigten Flüchtlinge spürbar sinken wird. Bei der freiwilligen Ausreise wird abgelehnten Asylantragstellern in der Regel eine Frist von vier Wochen eingeräumt, es werden die Rückreisekosten erstattet, und meist dürfen sie mit einer finanziellen Starthilfe in ihrer Heimat rechnen.

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