Pfarrei mit Maria 2.0

Frauen streiken: „Erneuert die Kirche!“

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Hoffen auf viele Aktive (v.l.): Birgit Hosselmann, Maria Stenner-Dieckmann, Johanna Ratte, Daniela Masurenko und Hedwig Harms.

Twistringen - Von Sabine Nölker. „Erneuert die Kirche!“ steht auf Flyern, die an die Menschen in Bassum, Harpstedt, Marhorst und Twistringen verteilt werden. Zu lesen ist da auch: „Maria 2.0 und Frauen unserer Pfarrei St. Anna fordern den radikalen Wandel und Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern.“ Doch was ist das: Maria 2.0? Darüber klären die Frauen um Initiatorin Maria Stenner-Dieckmann aus Twistringen auf. Ab morgen werden Frauen in der Pfarrei St. Anna für eine Woche ihre Arbeit niederlegen.

Die Idee stammt von Frauen aus Münster, die die aktuelle Situation in der katholischen Kirche sehr beschäftigt. Sie sahen sich immer wieder mit der Frage konfrontiert, warum sie noch zu dieser Kirche stehen, in der so viel passiert ist. Zugleich sei ihnen persönlich gerade diese Kirche wichtig. Und dafür möchten sie kämpfen. Für eine Kirche, in der es Frauen und Männer auch in Zukunft Freude bereitet, Teil dieser Kirche zu sein.

Maria Stenner-Dieckmann hatte vor Kurzem einen Fernsehbericht darüber gesehen. „Dieser Bericht traf mein Befinden bezüglich meiner Zugehörigkeit zu dieser katholischen Kirche und traf auch meine Wut und Traurigkeit über Missbrauch, Machtstrukturen und die Stellung der Frau in der katholischen Kirche“, betont Stenner-Dieckmann. Die Idee, dass alle Frauen in der Woche vom 11. bis zum 18. Mai ihren Dienst in der Kirche niederlegen und stattdessen Gottesdienste vor der Kirche feiern, tanzen, sprechen oder singen, „fand ich einfach toll.“

Deshalb startete sie einen Aufruf im Pfarrbrief, sich dieser Idee anzuschließen. Schnell hatte sie ein siebenköpfiges Team aus allen vier Ortschaften der Pfarrei an ihrer Seite. Gemeinsam rufen sie nun zum Streik auf, unter anderem „gegen eine Struktur, die uns seit tausenden von Jahren draußen hält.“ Dabei streike man nicht gegen Gott, nicht gegen Christus.

Im Gegenteil: „Maria 2.0 steht dafür, dass Maria nicht mehr stillschweigend auf dem Kirchensockel steht, sondern als unsere Schwester mit uns in eine Richtung schaut. Maria stand für Jesus ein – wir wollen das auch“, betont das Orgateam.

Während der Aktionswoche finden sich im Vorraum der Pfarrei-Kirchen weiße Klebezettel. Auf diesen Postits können Frauen und Männer notieren, was sie sich von ihrer Kirche wünschen, was sie ärgert und was verändert werden soll. Außerdem werden dort, wo sonst Frauen sitzen, weiße Tücher ausgelegt. Weiß für Trauer, für Mitgefühl und für Neubeginn. Statt in der Kirche werden die Teilnehmer vor der Kirche eine kleine Andacht halten. Dafür erklingt abends um 18.18 Uhr das Glockengeläut.

„Eine ungewöhnliche Zeit, bei der die Menschen aufhorchen werden“, ist sich Pastoralreferentin Birgit Hosselmann sicher. Pastor Joachim Kieslich stehe hinter dieser Aktion und werde das Thema in den Gottesdiensten aufgreifen.

Glockengeläut täglich 18.18 Uhr

Glockengeläut täglich 18.18 Uhr

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