4050 Euro Geldstrafe für Twistringer nach Streit an der Alten Ziegelei

Folgenschwere Backpfeife

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Twistringen - Von Dieter Niederheide. Eine schallende Ohrfeige kommt einen Twistringer teuer zu stehen. Am Amtsgericht Syke wurde er jetzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 4 050 Euro verurteilt. Zudem muss er die Kosten der Nebenklage sowie seine eigenen Anwalts- und die Gerichtskosten tragen.

Was war passiert? – Mit einem Twistringer Arbeitskollegen traf sich der Angeklagte in der Nacht des 6. März zur falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Nämlich bei einem Fest auf dem Alten-Ziegelei-Gelände. Es gab zwischen beiden zunächst einen verbalen Streit. Dem folgte eine schallende Ohrfeige.

Mit dem Urteil ging der Strafrichter über dem Antrag der Staatsanwältin hinaus. Die hatte lediglich 1800 Euro Geldstrafe gefordert.

An drei Verhandlungsterminen wurden zahlreiche Zeugen gehört, die in der besagten Nacht jeder für sich „irgendetwas“ von der Auseinandersetzung mitbekommen hatten.

Richter sieht keine Notwehrsituation

Der Angeklagte machte zunächst vom Recht Gebrauch, nicht aussagen zu müssen, um am Ende doch noch seine Sicht des Geschehens zu schildern. Demnach habe er schützend eingegriffen, als das spätere Opfer (25) seiner Meinung nach eine Frau beleidigte und schubste. Es hätte den Anschein gehabt, dass der Mann die Frau noch traktieren wollte, als sie schon am Boden lag. Da sei er dazwischen gegangen. „Da habe ich ihm eine Ohrfeige verpasst“, gab der körperlich überlegene Twistringer zu.

Die Folgen: Das Opfer stürzte zu Boden und erlitt durch den Schlag erhebliche Verletzungen. Unter anderem an den Augen, einen Nasenbeinbruch, und auch ein Schneidezahn war betroffen. Zweimal wurde das Opfer operiert und klagt heute noch über Sehstörungen.

Als Zeuge gab der 25-Jährige an: „Ich weiß nicht mehr, was geschehen ist. Erst im Krankenhaus bin ich wieder zu mir gekommen.“ Der Angeklagte habe sich entschuldigt. Zeugen bestätigten den Schlag.

Die Staatsanwältin hielt die Geschichte für eine Schutzbehauptung. Der Schlag sei nicht gerechtfertigt gewesen, der Angeklagte habe sich eventuell über das Verhalten des Opfers geärgert und ihn bestrafen wollen. Der Anwalt des Nebenklägers sprach von einem kräftigen Schlag. Das sei mehr als nur eine Ohrfeige gewesen. Als Notwehr sei das nicht zu werten.

Der Verteidiger führte an, die Atmosphäre sei aufgeheizt gewesen. Sein Mandant habe zuvor einen anderen Streit geschlichtet. Er sei als ein ruhiger Mensch bekannt und bisher strafrechtlich nicht aufgefallen. Weil der Nebenkläger die Frau beleidigt und geschubst habe und aus Sicht des Angeklagten weiter habe angehen wollen, habe eine Nothilfesituation vorgelegen. „Die Backpfeife war gerechtfertigt“, so der Verteidiger. Er forderte Freispruch.

Das sah der Richter anders. Es habe keine Nothilfesituation vorgelegen, der Angeklagte sei zur Tatzeit aufgebracht gewesen und habe die Folgen des Schlags billigend in Kauf genommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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