Flüchtlingsunterkunft nebenan / Kein Platz für Lernküche und Streitschlichter

Schule rückt zusammen

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Schulleiter Jörg Lorenz blickt optimistisch auf die Flüchtlingsunterkunft in Twistringen.

Twistringen - Von Theo Wilke. „Hauswirtschaft findet praktisch nicht statt. Uns fehlt die Schulküche.“ Es sei das größte noch nicht gelöste Problem und wohl erst für Anfang Februar eine Alternative in Sicht, sagt Jörg Lorenz, Leiter des Twistringer Schulzentrums. Nach der Einrichtung der Flüchtlingsunterkunft nebenan ist man an der Haupt- und Realschule auch räumlich enger zusammengerückt. Für Lorenz aber kein Grund zur Klage, sondern: „Viele von uns begreifen die Situation auch als Chance.“

Mitten in die Herbstferien war die Entscheidung des Landkreises geplatzt. „Das hat uns einfach überrollt. Das war so nicht absehbar. Aber wir können die Entscheidung nachvollziehen, und wir tragen sie mit“, betont der Schulleiter. Wie andere war er vorzeitig aus dem Urlaub zurückgekehrt. Um in kürzester Zeit Platz für die ersten Flüchtlinge zu schaffen, wurden mit dem Landkreis und der Stadt die kleine Turnhalle, den Küchentrakt und das alte Schulgebäude geräumt.

Schulleitung, Lehrkräfte, Elternvertretung und Hausmeister-Team mussten danach schnellstens Alternativen schaffen. „Das hat dank unseres Hausmeisters und aller Beteiligten gut geklappt“, freut sich Jörg Lorenz.

Für die Schullernküche ist indes kein Platz auf dem eingeschränkten Schulgelände. Bekanntlich ist ein Teil für die Flüchtlingsaufnahme durch einen Sichtschutzzaun abgetrennt. Dadurch fallen 22 praktische Hauswirtschaftsstunden pro Woche aus – für rund 160 Kinder und Jugendliche aus dem sechsten bis zehnten Jahrgang der Haupt- und Realschule. Ideen gibt es laut Schulleitung, Gespräche auch, aber noch nichts konkretes.

Auch für die Streitschlichter ist bislang kein Ersatz in Sicht. Da laufen noch Gespräche. Lorenz: „Da müssen sich die Schüler doch unbeobachtet und in Ruhe treffen können.“ Ein nicht so dringliches Problem sind die Lehr- und Lernmittel, die im Schulgebäude verteilt sind. Im Keller lagern unter anderem die Turnhallenmatten und verschiedene Musikinstrumente. Die Musikschule wird ins Gymnasium umziehen.

Nach dem Wegfall eines Computerraumes werden die beiden im Neubau vorhandenen PC-Räume noch intensiver genutzt. Der Schulleiter: „Da sind wir im Vergleich zu anderen Schulen relativ gut ausgestattet.“

Nicht optimal sei die neue Anlaufstelle für Rat und Hilfe suchende Schüler. Die beiden Schulsozialarbeiterinnen, Maren Menke und Andrea Chwialkowski, sind ins Hauptgebäude umgezogen – in den Raum der Lehrerarbeitsplätze, die sich seit Ferienende gleich nebenan im Lehrerzimmer befinden. Der Lehrerflur könnte eine Hemmschwelle bedeuten.

Beratungslehrerin Barbara Middendorf hat es da besser getroffen. Sie nutzt ihren Klassenraum. Da wirke sich das Lehrerraumprinzip vorteilhaft aus, heißt es.

Ein wenig sorgt sich der Schulleiter vor dem Wintereinbruch. Dann fehlen in den Pausen die Räume im alten Schultrakt, wo jetzt Flüchtlinge versorgt werden. Diskutiert habe man in der Dienstbesprechung, die Möglichkeit, das Forum in den Pausen zu öffnen. Es sei aber wohl zu klein für alle Schüler. Bedenken wurden geäußert wegen des Holzfußbodens – angesichts Schnee, Matsch und Streusalz.

Diese Woche gab es in der großen Sporthalle eine Vollversammlung mit den fast 500 Schülern, Schulleitung, Lehrerkollegium und Elternrat. Der Leiter der Flüchtlingseinrichtung, Michael Escher (DRK), berichtete über die Unterbringung und erzählte, woher die Flüchtlinge kommen. Lorenz: „Es herrschte eine sehr ruhige und verständnisvolle Atmosphäre. Und die Schüler haben sehr aufmerksam zugehört.“

Nach Unterrichtsschluss nutzen Flüchtlinge die Freizeitgeräte auf dem Schulgelände. Auch Basketbälle. „Ich habe abends schon einige gehört, die Fußball spielten, sagt Achtklässler Nico Mohrmann (13).

Für Ende Januar plant die Schule Projekttage unter dem Oberbegriff „Flucht“.

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