Flüchtlingsgottesdienst mit 300 Besuchern in der St.-Anna-Kirche

Niemand verlässt ohne Grund Heimat und Familie

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Interview im Flüchtlingsgottesdienst am Sonntag in der Twistringer St.-Anna-Kirche – Von links: Gaby Hagedorn, Majet, Diakon Bernhard Sauer, Clemens Klein, Ernst Diephaus-Borchers und Mohammed.

Twistringen - Von Sabine Nölker. Die Welt steht seit Freitagabend unter Schock, seit den Terroranschlägen von Paris. Die Ursache haben offenbar manche Zeitgenossen schnell ausgemacht: die große Flüchtlingszuwanderung. – Dass es nicht so sei, machte der aus dem Sudan geflohene Hassan am Sonntagmorgen beim Flüchtlingsgottesdienstes in der Twistringer St.-Anna-Kirche rund 300 Gläubigen in einer herzergreifenden Erklärung deutlich.

Auch Mohammed aus Afghanistan und Majet aus Syrien berichteten in dem von Pastor Arnold Kuiter und Diakon Sauer geleiteten Gottesdienst über ihre Flucht, ihr Ankommen und wie sie sich inzwischen fühlen.

Zu Beginn des Gottesdienstes wurde nicht nur der Opfer von Krieg und Gewalt, sondern auch der Toten und ihren Angehörigen von Paris gedacht. „Flucht ist das große Thema des Jahres 2015“, sprach Bernhard Sauer. Die Flüchtlingswelle habe Dimensionen angenommen, mit denen man nicht gerechnet habe. „Auch hier vor Ort ist das zu spüren.“ Knapp 100 Menschen haben in Twistringen Asyl gesucht, und seit wenigen Wochen leben zwischen 100 und 150 Flüchtlinge im Erstaufnahmelager an der Hohen Straße. „Es wird ganz viel über Flüchtlinge gesprochen, wir möchten jedoch mit ihnen sprechen“.

Den Anfang machte der noch junge Hassan, seit fünfeinhalb Monaten in Twistringen: „Ich bedanke mich, dass ich heute hier bin“, denn in seinem Land herrsche Krieg und Terror. Es gebe keine Sicherheit. Und was in Paris geschehen sei, empfinde er als sehr schlimm. „Aber bei uns passiert das täglich.“

Der Sudanese weiter: Es würden bei bis zu 29 Anschlägen am Tag unzählige Menschen getötet und verletzt. „Ich suche Sicherheit. Ich liebe mein Leben und ich will leben“, deshalb sei er nach Deutschland gekommen. „Ich bin hier nur auf gute Menschen gestoßen, denen ich Danke sagen möchte“, so Hassan.

Majet erzählt, wie schwer es in seiner Heimat Syrien zur Zeit sei: Die Kinder hätten keine Schule, es fehle an Essen und Trinken, überall Elend, Armut und große Not. Er habe das Glück gehabt, dass sein Bruder in Deutschland lebe und er dadurch ein Visum erhalten habe. Acht Monate nach seiner Einreise habe er endlich seine Frau und vier Kinder nachholen können. Dem aus Afghanistan stammendem Mohammed war wichtig: „Ohne triftigen Grund verlässt man Heimat, Familie und Freunde niemals freiwillig.“

Auf die Frage, wie es denn nun für ihn sei, in Twistringen zu leben, meinte er schlicht: „Schön.“ Er habe viele neue Dinge gelernt. Unter anderem, dass man niemals einen Menschen bewerten solle, den man nicht kenne.

Mohammed dankte vor allem der Stadtverwaltung und der Caritas, aber auch Familie Klein, die ihm und seiner Familie zur Seite gestanden habe.

Clemens Klein sprach für die Flüchtlingshelfer: „Wir merken, dass unsere Arbeit ein Geben und Nehmen ist.“ Das Gespräch mit den Menschen öffne den Blick für andere Kulturen, und es seien schon wunderbare Freundschaften entstanden.

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