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Flüchtlinge kommen in Twistringen an

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Von: Katharina Schmidt

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Angekommen: Die Flüchtlinge zusammen mit den Initiatoren und Busfahrern.
Angekommen: Die Flüchtlinge zusammen mit den Initiatoren und Busfahrern. © Schmidt

Ein Bus mit Flüchtlingen aus der Ukraine ist am Sonntag in Twistringen angekommen. Eine Bürgerinitiative hat die Aktion auf die Beine gestellt.

Twistringen – Die Reifen des Busses kommen zum Stehen. Nach kurzer Zeit steigen die Flüchtlinge aus. Viele haben nicht mehr als ein paar rissige Papiertüten bei sich, Kinder klammern sich an Kuscheltiere. Es ist Sonntagvormittag, und mehr als 30 Ukrainerinnen und Ukrainer kommen in Twistringen auf dem Gelände von Borchers an. Eine Bürgerinitiative hat sie auf eigene Faust aus der polnischen Stadt Przemysl geholt. Weg von der Grenze zur Ukraine, weg vom Krieg.

In Twistringen werden die Flüchtlinge mit Applaus begrüßt. Die Menschen, die dort auf sie warten und ihnen Betten sowie ein sicheres Dach überm Kopf anbieten wollen, klatschen respektvoll für jeden einzelnen. Zaghaftes Lächeln und Erschöpfung währenddessen bei den Flüchtlingen.

Tausende Menschen sind auf der Flucht

Tausende Menschen sind auf der Flucht vor Bomben, Tod und Zerstörung. Laut Linda Peinemann vom Initiatoren-Team war es trotz allen Leids nicht leicht, so viele Menschen davon zu überzeugen, in den Bus zu steigen. Linda Peinemann war zusammen mit ihrem Mann Peter sowie Milla und Frank Krueger aus Weyhe direkt vor Ort in Przemysl. „Die Menschen haben Angst und sind verunsichert“, erzählt die Twistringerin. Die Frauen fürchteten sich vor Menschenhandel und Zwangsprostitution, befeuert von Meldungen der russischen Staatsmedien.

Borchers Reisen hat den Bus gestellt. Gold wert waren die Fahrer André Nobis und Holger Klenke. Daran lässt Peinemann keine Zweifel.

Alle Busfahrer hätten sich ohne zu Zögern bereiterklärt, an die Grenze zu fahren, berichtet Anke von der Lage-Borchers. „Wir können noch einen zweiten Bus schicken“, ergänzt sie. Auch bei Linda Peinemann und den anderen Initiatoren ist der Wille groß, erneut in Richtung Grenze aufzubrechen, um Hilfsgüter hin und Flüchtlinge wieder mit zurück zu bringen. Vorausgesetzt, genug Menschen stellen Unterkünfte. Die Unterstützung von so manch einem Spender – wie schon bei der ersten Tour – hätte die Bürgerinitiative sicher.

Krieg: Die Leidtragenden sind die Menschen aus der Zivilbevölkerung

„Warum konnte die Politik das nicht untereinander klären?“, fragt sich Alexander (39) angesichts des Krieges. Leidtragend sei die Zivilbevölkerung. Alexander ist zusammen mit Yevheniia (38) zur Ankunft der Flüchtlinge auf das Gelände von Borchers gekommen. Yevheniia kommt aus der Ukraine, lebt aber in Twistringen. Durch die Privatinitiative hatte sie die Möglichkeit, eine Freundin aus der Ukraine nach Deutschland zu holen. Ihre Gefühle sind gemischt. Einerseits ist da die Freude, dass ihre Freundin rausgeholt werden konnte. Andererseits die Sorge um all jene, die noch in der Ukraine sind. Etwa um ihre Oma, die die Flucht im hohen Alter nicht mehr auf sich nimmt.

Am Sonntagvormittag kümmert sich eine Ärztin direkt vor Ort um Kranke. Auch die Verwaltung ist da, in Person von Harm-Dirk Hüppe, dem Ersten Stadtrat. Bürgerinitiative und Stadt stehen im engen Austausch. Anke von der Lage-Borchers beschreibt die Unterstützung als direkt und unbürokratisch. Linda Peinemann bestätigt die gute Zusammenarbeit – auch wenn die Bürgerinitiative bei der Suche nach freien Betten ihren eigenen Weg geht.

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