80 Helfer arbeiten mit Hochdruck

Für bis zu 200 Flüchtlinge eine Bleibe schaffen

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Einsatzkräfte der zweiten Kreisfeuerwehrbereitschaft errichten den Zaun mit Sichtschutz.

Twistringen - Von Anke Seidel. Handwerker bohren und schrauben, Helfer tragen und organisieren: Hektische Betriebsamkeit herrscht in den ehemaligen Schulräumen an der Hohen Straße in Twistringen, in der in nur vier Tagen bis zu 200 Flüchtlinge eine erste Bleibe finden sollen. Es ist eine absolute Herausforderung für die rund 80, zum größten Teil ehrenamtlichen Kräfte.

Reinigen die kleine Sporthalle in Twistringen, damit dort Hochbetten für Flüchtlinge aufgestellt werden können: (v.l.) Silvia Knobloch und Marlies Wichmann.

Alle arbeiten unter der Federführung des DRK (Deutsches Rotes Kreuz). Es ist ein „Rettungsauftrag“ der besonderen Art, den Axel Vetter als Leiter des DRK-Rettungsdienstes im Landkreis Diepholz im Auftrage seines Kreisverbands realisieren muss: Die alte Sporthalle und ehemalige Klassenräume in Twistringen in Schlafsäle verwandeln, wenigstens ein Minimum an Privatsphäre bieten – für Menschen, die eine 4000 Kilometer lange und viel zu oft traumatische Flucht hinter sich haben, und ihre Versorgung sowie Betreuung organisieren. Rund 30 Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes (THW) sind mit ihren Fahrzeugen vor Ort und packen tatkräftig mit an. Vor welchen Herausforderungen stehen die Helfer? Woher kommen die Betten und wer liefert das Essen für die Menschen? Offiziell gibt es vor Ort keine Auskünfte. Nur soviel lässt Vetter wissen: „Alle Organisationen, die hier im Einsatz sind, leisten wirklich engagierte Arbeit!“

Nach einigen Gesprächen ist schnell klar: Hochbetten hat das DRK glücklicherweise von der Bundeswehr ausleihen können. Bis zu zwölf stehen in je einem ehemaligen Klassenraum. In der alten Sporthalle sollen bis zu 50 solcher Betten stehen. Matratzen und Bettzeug sind noch nicht aufgelegt, sind offensichtlich zur absoluten Mangelware geworden: Einen ganzen Tag lang, so ist vor Ort zu hören, hat ein DRK-Mitarbeiter telefoniert, um diese Waren überhaupt ergattern zu können. Was für Preise dafür zu zahlen sind, darüber lässt sich trefflich spekulieren.

Acht Duschen – jeweils vier für Damen und Herren – gibt es bisher in dem alten Schultrakt. Handwerker arbeiten mit Hochdruck daran, diese Zahl zu verdoppeln. Ein Zimmer wird in einen Sanitätsraum verwandelt, um dort Menschen mit kleinen Blessuren und gesundheitlichen Beschwerden versorgen zu können. Für die Verwaltung der Notunterkunft stehen drei kleine Räume zur Verfügung. Wer dort arbeiten wird, ist noch unklar. Das DRK hat die Leitungsstelle ausgeschrieben, sucht außerdem acht Mitarbeiter. Hinzu kommen später, so heißt es, noch Sozialpädagogen und Betreuer. Soweit möglich, soll es einen Wickel- und einen Spielraum für die Kinder in der Notunterkunft geben.

Frühstück, Mittag- und Abendessen: Die Mahlzeiten für die bis zu 200 Flüchtlinge bereitet die Küche des DRK-Seniorenheims in Barrien zu. Dabei nehmen die Köche Rücksicht darauf, dass Muslime kein Schweinefleisch essen.

Woher die Menschen kommen und welchen Glaubens sie genau sind, wird erst bei ihrer Ankunft in Twistringen feststehen. Denn es sind noch nicht registrierte Flüchtlinge, die an der Hohen Straße eine erste Unterkunft erhalten – und sich in der Stadt frei bewegen dürfen.

Trotzdem baut die Kreisfeuerwehrbereitschaft II einen Zaun rund um das Gelände, der mit einem Sichtschutz versehen ist. Rund 400 Meter lang ist diese Abgrenzung, so Pressesprecher Axel Hofmeister. 35 Feuerwehrkräfte des ersten Zuges (aus Twistringen, Siedenburg, Sudwalde, Asendorf und Bruchhausen-Vilsen) sind im Einsatz.

38 freiwillige Helfer des dritten Zugs (aus Anstedt, Ochtmannien, Bockhop, Maasen, Brake und Ohlendorf) haben schon in der vergangenen Woche die Klassenzimmer und die kleine Sporthalle ausgeräumt, in denen jetzt die Notunterkunft entsteht.

Ein Security-Dienst sorgt rund um die Uhr für Sicherheit.

Großes Interesse an der Einrichtung hat Twistringens Pastor Arnold Kuiter, der sich von Axel Vetter durch die Räume führen lässt. „Als Möglichkeit der Begegnung haben wir in Twistringen im Augenblick das Flüchtlingscafé“, sagt der katholische Geistliche. Wie bewertet er die Notunterkunft für Flüchtlinge in Twistringen? „Das ist eine Chance für den Ort, die zum Guten führen kann“, sagt er voller Zuversicht. „Ich glaube schon, dass die Menschen eine Bereicherung sein können!“

In der Sankt-Anna-Kirche will Pastor Kuiter am Sonntag, 15. November, um 11 Uhr einen Flüchtlingsgottesdienst mit den Twistringer Bürgern feiern – und natürlich mit den Flüchtlingen: Einige werden in diesem Gottesdienst über ihr Schicksal berichten.

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