Twistringer Drachenhöhle-Team bietet aktionsreiche Rollenspiele im Freien / Daniel Wiese: Hobby als Vollzeitjob

Fast wie World of Warcraft

Showdown: Die Bewohner von Saya treiben die Schwarze Meute zurück in die Dunklen Lande. - Fotos: Drachenhöhle, Björn Lubetzki

Twistringen - Von Michael Walter. „Das ist wie World of Warcraft – nur in echt. Mit richtigen Zelten und richtig Raussgehen.“ So erklärt Daniel Wiese immer, was er da eigentlich treibt. Seit 2011 organisiert er Live Action Rollenspiele, oder abgekürzt: LARP. Anfangs noch allein, hat Wiese inszwischen ein festes Orga-Team von insgesamt 15 Leuten um sich versammelt. „Drachenhöhle Twistringen“ nennen sie sich.

Wie in einem Computerspiel verkörpern die Teilnehmer dabei Figuren aus einer Fantasiewelt. Krieger, Zauberer, Diebe und dergleichen. Und zusammen müssen sie eine Aufgabe lösen.

Alles halb so schwer: Die Streitaxt, die Daniel Wiese hier zeigt, ist aus Schaumstoff. - Foto: Michael Walter

„Mein kleiner Bruder hat mich auf den Trichter gebracht“, erzählt der 26-jährige angehende Fitness-Kaufmann. „Es gibt einen etablierten Anbieter in Norddeutschland. Der macht einmal im Jahr immer eine größere Veranstaltung, und mein Bruder kam immer total begeistert davon zurück. Da habe ich mal als Statist mitgemacht und gedacht: Schade, dass es das für Kinder so wenig gibt.“ Und dann hat Daniel angefangen, selbst so ein Rollenspiel zu organisieren.

„Ich hab mein Sparbuch geplündert und Ausrüstung gekauft, 14 000 Flyer gedruckt und verteilt und hatte dann am Ende 35 Kinder. Es war das reine Chaos: Niemand hatte Plan, aber die Kinder waren hinterher total begeistert.“ Also hat er weiter gemacht und drei Monate danach das nächste Rollenspiel angeboten.

Es geht eigentlich immer um den Kampf Gut gegen Böse. Die Spieler sind die Guten, die Bösen werden von Statisten dargestellt, die eigentlich nur dazu da sind, am Ende kräftig verkloppt zu werden. Die Spiel-Welt heißt Saya, und sie ist bedroht von der Schwarzen Meute aus den Dunklen Landen, die sich immer neue fiese Tricks ausdenkt, um sich in Saya breit zu machen. Genau das versuchen die Spieler zu verhindern, indem sie abwechselnd Kämpfe gewinnen und Rätsel lösen müssen.

Dafür gibt es ein paar Grundregeln und für jede Figur einen Charakterbogen. Auf dem ist zum Beispiel festgelegt, wie viele Lebenspunkte eine Figur hat oder welche Zaubersprüche ein Magier beherrscht. Wer öfter mitmacht, kann Erfahrungspunkte sammeln und damit die Eigenschaften seiner Figur verbessern. Dann kennt der Magier beim nächsten Mal zum Beispiel drei Zaubersprüche mehr oder der Bogenschütze trifft genauer.

Daniel Wiese und das Orga-Team sind im Zweifelsfall die Schiedsrichter. „Man ist schon ein bisschen auf die Ehrlichkeit der Spieler angewiesen“, sagt Wiese. „Aber wer schon ein paarmal mitgespiel hat, legt auch gar keinen großen Wert mehr darauf, allen gegnerischen Treffern auszuweichen. Der hat dann viel mehr Spaß daran, den Verletzten zu mimen und schreiend im Lazarett zu liegen.“

Ein verletzter Krieger wird nach der Schlacht versorgt.

Der Aufwand dahinter ist beträchtlich. Allein der Aufbau der Kulisse dauert einen Tag. Das Spiel selbst läuft gewöhnlich von Freitag Nachmittag bis Sonntag Mittag. Geschlafen wird im Zelt, das Orga-Team sorgt für die Verpflegung mit Frühstück, Mittagessen, Abendbrot und Snacks für zwischendurch. Es stellt auch eine Grundausstattung mit Kleidung, Rüstung und Waffen für die Spieler bereit. „Wer öfter mitmacht, will schnell mehr und besorgt sich seine eigene Ausrüstung“, weiß Daniel. Das Abbauen dauert oft bis spät in die Nacht. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Manche Sachen müssen ausgebessert werden. Und ab und zu möchte man ja auch was Neues haben. Daniel zeigt ein Monsterkostüm aus dem Fundus: „Da stecken 200 bis 300 Arbeitsstunden drin“, sagt er. In seiner Bastelecke experimentiert er gerade im Requisitenbau mit Styrodur und Fliesenkleber. Das kostet viel Zeit. 2015 hat die Drachenhöhle von März bis Oktober jeden Monat ein Rollenspiel organisiert. „Ein Vollzeitjob“, so Daniel. „Nur dass man dabei kein Geld verdient.“

Echt nicht? – Daniel Wiese lacht: „Wir haben’s ernsthaft versucht. Aber es bleibt nichts übrig. Es sei denn, wir würden die Kosten für die Spieler extrem in die Höhe treiben. Aber das wollen wir ja auch nicht.“ Und so bleibt es beim schönen Hobby. „Andere gehen in den Schrebergarten – wir machen Rollenspiele.“

Dieses Jahr gibt es drei Veranstaltungen: Eine im Juni und zwei im September, davon eine für Erwachsene. Das macht den Aufwand nicht geringer. „Aber durch den längeren Vorlauf ist die Vorbereitung viel entspannter“, sagt Daniel.

www.drachen-hoehle.de

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