Daniel Zange führt Fahrzeughaus fort

Ute Abeling übergibt das Steuer

Ute Abeling (vorne, v.l) übergibt einen symbolischen Schlüssel an Daniel Zange und seine Frau Tatjana. Hinter ihnen stehen die Mitarbeiter Jannik Bieder (l.) und Günter Ambrosius.  Die Personen stehen vor dem Autohaus Abeling.
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Auf das nächste Kapitel im Fahrzeughaus: Ute Abeling (vorne, v.l) übergibt einen symbolischen Schlüssel an Daniel Zange und seine Frau Tatjana. Hinter ihnen stehen die Mitarbeiter Jannik Bieder (l.) und Günter Ambrosius.

Heiligenloh – An Autos herumzuschrauben, galt lange als Männerberuf. Von solchen Rollenklischees hat sich Ute Abeling nie bremsen lassen. 30 Jahre lang hat die KFZ-Meisterin das Fahrzeughaus Johann Abeling in Heiligenloh geführt.  Damit ist nun Schluss. Zum Jahreswechsel hat sie den Betrieb an ihren langjährigen Mitarbeiter Daniel Zange übergeben.

Die Werkstatt wurde Ende der 20er-Jahre eröffnet. „Mein Opa hat sie gegründet“, erzählt Ute Abeling. „Wie das damals so war, ist er mit Fahrrad- und Nähmaschinenreparaturen angefangen. Mein Vater, er hieß ebenfalls Johann, hat den Betrieb dann Anfang der 60er übernommen.“ Die beiden Männer führten das Geschäft also jeweils um die 30 Jahre lang.

Ute Abeling übernahm das Ruder Anfang der 90er, ebenfalls für etwa 30 Jahre. „Und jetzt geht es in die nächste Generation und Daniel kann die 100 Betriebsjahre vollmachen“, sagt die KFZ-Meisterin. „Ich möchte die Verantwortung abgeben. Ich habe das gerne gemacht, keine Frage. Aber es reicht einfach“, erklärt sie.

Johann Abeling 1983 im Kassenraum.

Motoren spielten im Leben der 58-Jährigen schon immer eine Rolle. Sobald ihre Beine lang genug dafür waren, saß sie auf einem Trecker. Später interessierte sie sich für Rennen, sei es auf dem Nürburgring oder im Sulinger Land. Dass sie in die Fußstapfen ihres Vaters und Großvaters tritt, war „nie so geplant“, sagt sie. Doch der Beruf passte zu ihr, und so machte sie in den 80er-Jahren eine Ausbildung zur KFZ-Mechanikerin beim Autohaus Mackenthun in Twistringen. Später folgte der Meistertitel.

„Heutzutage ist das normaler, dass Frauen in dem Beruf arbeiten. Aber damals war das schon eine Ausnahme“, erzählt sie. Alleine eine Stelle zu finden, habe sich für sie schwieriger gestaltet als für einen Mann. „Die Begründungen waren immer dieselben: Wir haben gar nicht die sanitären Anlagen, und all so was.“ Doch sie ging ihren Weg. „Auf Lehrgängen war ich immer die einzige Frau. Aber das war nie ein Problem. Also, zumindest für mich war es keines. Es war immer eher lustig.“

Früh übt sich: Dieses alte Bild zeigt Ute Abeling in der Werkstatt.

An ihrem Beruf schätzt sie die Vielfalt. „Ich brauche die Abwechslung, das Suchen und Finden.“ Selbst nach 40 Jahren im Job und 30 Jahren Selbstständigkeit galt es immer mal wieder Probleme zu lösen, die ihr zuvor in der Form noch nicht begegnet waren. Als weiteren schönen Aspekt an ihrem Beruf nennt sie „das Miteinander mit den Menschen“.

Jahrzehnte lang hat sie viel Zeit und Kraft in den Betrieb investiert. Auch samstags in der Werkstatt zu stehen, war völlig normal. Ihre neu gewonnene Freizeit möchte sie unter anderem dazu nutzen, anderen zu helfen. „Wenn ich Lust habe und mich jemand fragt, ob ich irgendwo helfen kann, egal ob das jetzt Daniel oder der Verschönerungsverein ist, helfe ich gerne.“ Für die solidarische Landwirtschaft hat sie nun ebenfalls mehr Zeit. Und sie schaut gerne über den Tellerrand, verschließt die Augen nicht vor Missständen in anderen Ländern. In diesem Zusammenhang spricht sie zum Beispiel von Projekten gegen die Beschneidung von Mädchen.

Ute Abeling freut sich, dass Daniel Zange den Betrieb weiterführt. Sie hätte ihn sonst vermutlich geschlossen.

Daniel Zange arbeitet seit 2012 im Betrieb

Daniel Zange lebt mit seiner Familie in Groß Lessen und wird in diesem Monat 30 Jahre alt. „2012 habe ich hier nach meiner Ausbildung angefangen“, sagt der KFZ-Meister. Nach und nach hat er mehr Verantwortung übernommen. Die Entscheidung, den Laden komplett zu übernehmen, hat er nicht leichtfertig getroffen. Er hat länger nachgedacht und auch bei anderen Betrieben zur Probe gearbeitet. „Dabei habe ich einfach festgestellt, dass es mir hier am besten gefällt.“

Käfer und Co. sind auf einem alten Werbe-Aschenbecher des Fahrzeughauses abgebildet.

Dass er vom Fach ist, hat sich früh gezeigt. Er hat seine Ausbildung damals als Kammersieger abgeschlossen, und auch bei dem anschließenden Landeswettbewerb landete er auf dem ersten Platz. All zu viel macht er sich aber nicht aus den Erfolgen, erwähnt sie nur nebenbei. Wichtiger als solche Wettbewerbe ist ihm die Arbeit an sich, das Reparieren und Problemelösen.

In Heiligenloh will er ein bisschen modernisieren und einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen. Es handelt sich um eine freie Werkstatt für alle Marken. Die Mitarbeiter kümmern sich in erster Linie um Autos. „Wir reparieren aber auch Trecker, Wohnmobile, Kettensägen oder mal eine Schubkarre. Selbst ein Flugzeug hatten wir mal hier. Eigentlich machen wir alles, was einen Motor oder ein Rad hat“, sagt der neue Chef.

Von Katharina Schmidt

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