Erzieherinnen protestieren gegen neues Kita-Gesetz

Die Mädchen und Jungen der Kita St. Anna präsentieren vor dem mit ihren Forderungen verhängten Fenster traurige Smileys.
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Die Mädchen und Jungen der Kita St. Anna präsentieren vor dem mit ihren Forderungen verhängten Fenster traurige Smileys.

Twistringen – Die Stellungnahme der niedersächsischen Landesregierung zum „Gesetzentwurf zur Neugestaltung des niedersächsischen Rechts der Tageseinrichtungen für Kinder und der Kindertagepflege“ liest sich eigentlich ganz gut. Ist dort doch von aktuellen Qualitätsstandards die Rede und der dauerhaften Finanzierung der Kindertagespflege.

Doch dieser Entwurf scheint nicht die zu erfreuen, die er direkt betrifft. Die Gewerkschaft verdi, das katholische Büro Niedersachsen und die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen lehnen ihn ab.

Für Christel Büscherhoff, Leiterin der Kita St. Anna und ihre Mitarbeiterinnen ein Grund, sich mit einem Themenfenster bemerkbar zu machen. Auf bunten Plakaten stehen Forderungen wie „Mehr Personal“, „Fachberatung“ und „Zeit zum Zuhören“. Büscherhoff glaubt: „Dieses Gesetz soll still und leise in Corona-Zeiten durchgewunken werden. „Uns als Erzieherinnen macht der Entwurf fassungslos.“ Sie habe das Gefühl, von der Politik nicht wahrgenommen zu werden. Deshalb hat Büscherhoff in dieser Woche einen Protestbrief an die Eltern der 82 Kinder ihrer Kita verschickt. Inklusive der Bitte, diesen Brief sowohl an Kultusminister Grant Hendrik Tonne, den Landtagsabgeordneten Marcel Scharrelmann und Ministerpräsident Stephan Weil weiterzuleiten. „Damit die Herren sehen, wie viel Unmut hier herrscht.“

Eine Reform des Kita-Gesetzes von 1993 sei unbedingt notwendig, räumt Christel Büscherhoff ein. „Das sieht anscheinend die Politik genauso. Nur ändern sie mit der Neuerung nichts. Das, was wir den Kindern geben müssen und möchten, ist in dem Gesetzentwurf gar nicht berücksichtigt.“

Dabei habe vor allem die Pandemie gezeigt, wie wichtig es sei, in kleinen Gruppen individuell arbeiten zu können. „Vor der Wahl in Niedersachsen wurden uns viele Versprechungen gemacht, wovon dann keine umgesetzt wurde“, so ihr Vorwurf. Dabei wolle man lediglich, dass sich die Rahmenbedingungen ändern. Ein anderes Raumkonzept, kleinere Gruppen, ein bedarfsorientierter Personalschlüssel und das Thema Inklusion – all das müsse in dem neuen Gesetz verankert werden.

„Sicher geht durch die unzähligen Kosten, die durch die Pandemie entstanden sind, nicht alles auf einmal“, so Büscherhoff. Aber sie hofft auf einen Stufenplan.

Ihr Traum: Mehr Ausweich- und Ruheräume und eine Turnhalle. „Das wäre schön.“ Noch wichtiger wäre ihr aber, „dass wir einfach mehr Verfügungszeiten und Ruhe für die Kinder hätten“. Doch soweit gehen die Forderungen ihrer Kollegen, der Verbänden und Institutionen gar nicht. Nur eine Anpassung an die heutigen Zeiten, das sei ein Muss, damit der gesetzliche Bildungsauftrag für Kitas, der die Förderung von Bildung, Erziehung und Betreuung des Kindes umfasst, auch durchgeführt werden könne.

Auch die Mitarbeiter des Kinder- und Familienzentrums Pusteblume lehnen den Entwurf zum neuen Kita-Gesetzt ab. Sie ließen auf der letzten Ratssitzung kleine Kärtchen mit dem Ausruf: „“Es reicht“ rumgeben. Sie fordern kleine Gruppen, mehr Personal und bessere Standards.

Von Sabine Nölker

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