Ernst Diephaus-Borchers auf Spurensuche / Fußballverein in den 1920er-Jahren und später

Das erste Tor: Lattengerüst mit Draht

Nur eine Kopie dieses Fotos liegt Im Twistringer Stadtarchiv von der ersten Scharrendorfer Fußballmannschaft. Es soll um 1928 entstanden sein. Repro/Foto: Wilke

Scharrendorf - Von Theo Wilke. Den „Scharrendorfer Krug“ am Tunnel vor der Bahnstrecke Osnabrück-Bremen gibt es seit einigen Jahren nicht mehr – abgerissen. Der Krug hieß auch Germania-Hotel. Das ist längst Geschichte. Der in den 1920er-Jahren gegründete Sportverein Scharrendorf ist es auch. Ernst Diephaus-Borchers zeigt auf eine Kopie aus dem Twistringer Stadtarchiv. In der Mitte erkennt er Heinrich Rohlfs. „Das war mein Taufpate“, erinnert sich der 66-Jährige. Diephaus-Borchers ist auf Spurensuche im Vorfeld des 750-jährigen Bestehens von Scharrendorf, das 2020 gefeiert wird.

„Es gibt kaum Informationen über diesen Sportverein, der nur bis zum Zweiten Weltkrieg existiert hat“, erzählt Pensionär Diephaus-Borchers vom Amselweg. Er habe sogar das Vereinsregister in Walsrode bemüht, aber dort habe ihm auch keiner weiterhelfen können. Dagegen ist er ganz froh, dass ihm Twistringens Stadtarchivleiter Friedrich Kratzsch zumindest einige wertvolle Infos geben konnte.

Demnach hielt der Fußball in den 1920er-Jahren Einzug in Scharrendorf. Hinter dem Germania-Hotel/Krug wurde ein Sportplatz angelegt. Heute befindet sich dort die Schützenhalle mit Freifläche. An der ersten Punktspielrunde waren die abgebildeten Kicker beteiligt (v.l. obere Reihe): die Stürmer Heinrich Putjenter, Bernhard Westermann, August Heuermann, Franz Beuke und Gerhard Bultjer; Mitte: die Läufer August Beuke, Heinrich Rohlfs und Georg Bultjer; vorne: Verteidiger Ernst Westermann, Torwart Georg Rohlfs und Verteidiger Franz Kramer.

„Der Torwart stand damals wirklich in einem Kasten – ein Lattengerüst, mit Maschendraht überspannt, bildete das Netz“, hat Diephaus-Borchers von Archivar Kratzsch erfahren. Nach Kriegsende lebte der Fußballsport im SV Mörsen-Scharrendorf wieder auf.

„Der auf dem Foto in der Mitte war Heinrich Rohlfs, er war mein Taufpate. Er hat mich vom Krankenhaus direkt in die Kirche getragen. So hat man mir das jedenfalls später erzählt“, fügt Diephaus-Borchers schmunzelnd hinzu. Aus dem Stadtarchiv weiß der 66-Jährige außerdem, dass das Mannschaftsfoto Teil eines Bildbandes „Twistringen in alten Ansichten“ war. Es soll zwischen 1925 und 1930 nach einem Spiel der 1. Herrenmannschaft gegen Sulingen entstanden sein. Damals, hinter dem Germania-Hotel, ging es um den Aufstieg in die A-Klasse. Die Fußballer trugen ein schwarz-weißes Trikots.

Und noch eine besondere Information, die im Stadtarchiv schriftlich festgehalten worden ist: „Nach Aussage von Heinrich Rohlfs aus Scharrendorf Mitte der 1930er-Jahre war Scharrendorf der einzige Ort, der seinen Fußballplatz jüdischen Mannschaften zur Verfügung stellte. Diese reisten aus Bremen und Osnabrück an und trugen mehrmals gegeneinander hier Spiele aus.“ 1979 lebten von den Spielern auf dem Foto noch August Heuermann, Heinrich Rohlfs, Ernst Westermann und Franz Kramer.

„Die Vorfahren von Heinerich Putjenter kamen aus Ostfriesland“, erzählt Ernst Diephaus-Borchers. „Mein Vater hat mir mal erzählt, dass der Scharrendorfer Krug gar nicht die Vereinskneipe war, sondern das Gasthaus Steinkamp an der Twistringer Georgstraße, gegenüber von der heutigen Wurstfabrik Buschmann.“ Von seinem Vater Ernst hält Diephaus-Borchers noch eine Teilnahmeurkunde in Ehren. Sie stammt vom 25.  September 1932. Damals ging es um „Diplom-Spiele“ beim Sport- und Schwimmverein Colnrade.

Nun hofft der Scharrendorfer darauf, dass sich Nachfahren der Fußballer beziehungsweise Verwandte oder alte Bekannte finden. Diephaus-Borchers sammelt im Rahmen der Vorbereitungen auf das Dorfjubiläum im kommenden Jahr Berichtsmaterial für die geplante Festschrift. Der Arbeitskreis trifft sich am 25.  September erneut.

Ein Aufruf

Ernst Diephaus-Borchers sucht Zeitzeugen oder auch Menschen, die über weitere Infos oder sogar Bilder zum Sportverein Scharrendorf verfügen. Er ist erreichbar unter 04243/ 8788.

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